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26.05.2013 - 19:53 Uhr


"Don Jupp" auf dem Olymp - die Fußballwelt verneigt sich vor Heynckes

Jupp Heynckes (2.v.r.) ist der 19. Trainer, der die Champions League, bzw. den Europapokal der Landesmeister zum zweiten Mal gewinnt

Der 68-Jährige (l.) ist der vierte Coach, dem dieses Kunstsstück mit zwei verschiedenen Vereinen gelingt

Heynckes will sich am liebsten mit dem Gewinn des Triples verabschieden (Copyright: Imago)

London - Um 1:04 Uhr am Sonntagmorgen gab Jupp Heynckes endlich seine Zurückhaltung auf und feierte mit einem ausgelassenen Tanz auf der Bühne seinen Aufstieg in den Trainer-Olymp. "Jupp, Jupp, Jupp", schmetterten die Profis des FC Bayern München während des ungewohnten Auftritts ihres scheidenden Coaches, der bei der Sieger-Party nach dem 2:1 (0:0) im Finale der Champions League gegen Borussia Dortmund im Grosvenor House Hotel gemäß des Wunsches seines Assistenten Hermann Gerland den Druck der vergangenen Tage abbaute.
"Josef! Champions-League-Sieger! Ich habe einen Wunsch: Ich möchte, dass Du ein wenig lockerer wirst. Denn irgendwann kommt der Sensenmann, Du kommst in den Himmel, ich in die Hölle, aber davor müssen wir noch mal richtig die Sau rauslassen", hatte Gerland seinem Chef zugerufen.

Ganz London verneigt sich



Schon zuvor hatten die Spieler den 68-Jährigen, der als vierter Trainer in der Geschichte mit zwei verschiedenen Vereinen die begehrteste Trophäe des Vereinsfußballs geholt hat, in die Luft geworfen und verbal in den Himmel gehoben.

Als dann auch noch alle anderen Amts- und Würdenträger ihren Respekt vor der Leistung des gebürtigen Mönchengladbachers zum Ausdruck brachten, schien sich ganz London vor Heynckes - der bereits vor 15 Jahren mit Real Madrid in der "Königsklasse" triumphiert hatte - zu verneigen.

Wie sehr sich der künftige Bayern-Coach Pep Guardiola vor dem Fernsehschirm für seinen Vorgänger gefreut hat, ist dagegen nicht überliefert. Dass der Spanier allerdings ein ganz schweres Erbe antritt, ist spätestens seit Samstag sicher. Die Rekord-Bayern der zu Ende gehenden Saison wurden unter "Don Jupp" zum Nonplusultra des Clubfußballs. Und Heynckes ließ es sich in der Stunde des Triumphs nicht nehmen, Guardiola genau diese Nachricht mit auf den Weg zu geben.

Heynckes: "Übergebe eine perfekt funktionierende Mannschaft"



"Ich übergebe meinem Nachfolger wirklich eine perfekt funktionierende Mannschaft", sagte der Weltmeister von 1974: "Es ist gut möglich, dass der Club ein Ära in Europa bestimmen kann." Zunächst bestimmten aber die Lobeshymnen auf Heynckes, der nun in einer Reihe mit Ernst Happel, Ottmar Hitzfeld und Jose Mourinho steht, die Szenerie. Franz Beckenbauer, DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Bundestrainer Joachim Löw erklärten fast wortgleich, dass sie sich vor allem für den Europameister von 1972 freuen (Stimmen).

Sollte Heynckes am Samstag auch den DFB-Pokal nach dem Finale gegen den VfB Stuttgart überreicht bekommen und die Bayern damit das Triple perfekt machen, hätte sich der Familienvater nach über 34 Jahren als Fußballlehrer selbst ein Denkmal gesetzt.

Und genau das hat der Coach, der zwischenzeitlich den Henkelpokal ("Er ist zu mir zurückgekommen") gar nicht mehr aus den Händen geben wollte, auch vor: "Unser Weg ist noch nicht zu Ende. Dieser Erfolg beflügelt uns auch hinsichtlich des Pokalfinales. Ab Dienstag werden wir uns darauf vorbereiten."

Heynckes, der "Unruheständler"



Auf was sich Heynckes danach vorbereitet, ist noch nicht ganz sicher. Doch obwohl dem Trainer nach eigenen Angaben eine Reihe von Angeboten vorliegt, gilt der Ruhestand als die wahrscheinlichste Variante. "Wenn ich zehn, 15 Jahre jünger wäre, würde ich vielleicht ganz profund an ein Engagement im Ausland denken. Aber man muss daran denken, dass ich nicht mehr der Jüngste bin", hatte Heynckes zuletzt gesagt.

Ob er es allerdings lange im Ruhestand aushält, ist doch mehr als fraglich. Der Trainer, der nach dem Erfolg von London seine Schützlinge in den Vordergrund stellte ("Diesen Teamgeist und dieses Miteinander habe ich in dieser Form noch nie bei einer Fußballmannschaft erlebt"), hatte schließlich vor sechs Jahren schon einmal das Ende seiner Karriere erklärt - zum Glück für die Bayern ist er sich in diesem Punkt aber nicht treu geblieben.
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