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20.05.2012 - 11:44 Uhr


FCB erlebt "Alptraum dahoam"

41 Bayern-Torschüsse reichten Mario Gomez und dem FC Bayern nicht zum Sieg über Chelsea

"Ich hatte mit der Mannschaft das große Ziel gehabt, den Titel zu gewinnen. Ich weiß aber auch, wie grausam Fußball sein kann und da hilft es nicht, zu lamentieren", sagte Jupp Heynckes nach dem Abpfiff

Tragische Figur: Bastian Schweinsteiger hatte schon während der Partie Krämpfe und quälte sich über 120 Minuten - am Ende fehlten Zentimeter zum Glück

Nach der Niederlage im Pokalfinale war dieser Gang durchs Chelsea-Spalier noch eine Stufe bitterer

München - Schon wieder durchs Spalier! Wie schon sieben Tage zuvor schlichen die Bayern wenige Minuten nach Abpfiff eines Endspiels mit hängenden Köpfen erneut zwischen tanzenden Siegern hindurch auf die Tribüne, um sich ihre Silbermedaillen abzuholen.
Anders als gegen Dortmund in Berlin hatten die Münchner beim dramatischen 4:5 n. E. gegen den FC Chelsea aber schon eine Hand am Pokal. Weil es diesmal allerdings um den größten Titel im europäischen Vereinsfußball ging und die Bayern sich den Traum vom historischen ersten Sieg im heimischen Stadion erfüllen wollten, hingen die Köpfe noch tiefer und die Enttäuschung war wesentlich größer.

"Das ist unglaublich"



"Wenn man in einem Spiel so viele Chancen hat, den Sack zuzumachen, dann muss man das auch tun. Deshalb haben wir dieses Spiel verloren", sagte Uli Hoeneß. Die Bayern waren über die gesamte Spielzeit drückend überlegen, hatten in der Verlängerung per Strafstoß die Entscheidung auf dem Fuß und waren auch im Elfmeterschießen im Vorteil.

"Dann schaffen wir es nicht - das ist unglaublich. Schwierig in Worte zu fassen. Wie ich das verdaue? Ich habe keine Ahnung. Das ganze Spiel war totaler Wahnsinn", so der Präsident, der mit einem erfolgreichen "Finale dahoam" sein Lebenswerk hatte krönen wollen.

"Wie ein schlechter Film"



"So ist Fußball. Das hat man in der Vergangenheit schon öfter gesehen, dass am Ende nicht immer der verdiente Sieger mit dem Pokal dasteht. Das ist schwer in Worte zu fassen", war auch Thomas Müller enttäuscht. Er hatte in der 83. Minute den erlösenden Führungstreffer erzielt und ganz München in ekstatischen Jubel versetzt.

Aber das Schicksal nahm seinen Lauf und gipfelte in einer der bittersten Pleiten in der Geschichte des FC Bayern. "Das ist ein absoluter Alptraum", formulierte Sportdirektor Christian Nerlinger: "Entsprechend ist die Stimmung in der Kabine. Das ist wie ein schlechter Film. Wir waren die klar bessere Mannschaft."

Robben, Olic und Schweinsteiger verballern



Nach Müller hätte in der 95. Minute Arjen Robben zum großen Helden werden können, verschoss aber aus elf Metern. Im entscheidenden Elfmeterschießen war Manuel Neuer zunächst die Hauptrolle vorbehalten. Der Keeper hielt den ersten Versuch der Londoner und verwandelte selbst zum zwischenzeitlichen 3:2 - wieder gingen die Finger Richtung Henkelpott.

Weil dann nach Ivica Olic auch Bastian Schweinsteiger scheiterte und Didier Drogba, der in der 88. Minute für Chelsea ausgeglichen hatte, traf, verpassten die Bayern den fünften Erfolg im wichtigsten Europacup.

"Alle Zeichen standen für uns. Wir haben drei Matchbälle gehabt und haben die nicht genutzt. Die Enttäuschung ist sehr groß", sagte Neuer.

"Einfach zu viele Chancen liegengelassen"



"Ich hatte mit der Mannschaft das große Ziel gehabt, den Titel zu gewinnen. Ich weiß aber auch, wie grausam Fußball sein kann und da hilft es nicht, zu lamentieren. Das ist bitter, wenn man heute als Zweiter vom Platz geht", sagte Jupp Heynckes in der Pressekonferenz relativ gefasst. Wie alle hatte auch der Trainer das große Manko an diesem Abend gesehen: "Wir haben einfach zu viele Chancen liegengelassen."

Selbst das Wissen um die Gründe einer solchen Niederlage lässt sie im ersten Moment natürlich nicht weniger brutal erscheinen. Mit ein bisschen Abstand müssen die Verantwortlichen nach der zweiten titellosen Saison in Folge sicherlich die richtigen Schlüsse ziehen. Für die vielen deutschen Nationalspieler bietet sich bei der anstehenden EM zumindest wieder eine neue Chance, endlich einmal selbst das Spalier zu bilden.

Aus der Allianz Arena berichtet Tim Tonner
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