2. Bundesliga

22.09.2016 - 17:12 Uhr


VfL Bochum: Eine Niederlage als Jahrhundertspiel

Eine knappe Stunde spielt der VfL Bochum den FC Bayern 1976 an die Wand. Jupp Kaczor (l.) trifft zwei Mal gegen den großen Sepp Maier

Köln - Es gibt wahrscheinlich nicht viele Clubs, bei denen die Fans in einer Abstimmung eine Niederlage zum größten Spiel der Vereinsgeschichte wählen würden. Beim VfL Bochum ist genau dies geschehen. Irgendwie passt das zum Ruhrgebietsclub, der, geografisch eingeklemmt zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04, Jahrzehntelang seine Außenseiterrolle in der Bundesliga kultivierte. Wobei es auch keine einfache, sondern die Mutter aller Niederlagen war, die der VfL Bochum am 18. September 1976 gegen den FC Bayern hinnehmen musste.

Das Stadion an der Castroper Straße, das 1979 in Ruhrstadion umbenannt wurde, war eine große Baustelle. Die VfL Fans wollten die gerade fertiggestellte Südtribüne begutachten und gleichzeitig den Münchner Weltstars um Franz Beckenbauer, Karl-Heinz Rummenigge und Gerd Müller zusehen. Kaum jemand gab dem VfL gegen die Bayern eine echte Chance.

4:0-Führung reicht nicht zum Sieg

Der turbulente Spielverlauf ist bis heute einmalig in der Bundesliga-Geschichte. Nach 53 Minuten führte der VfL Bochum mit 4:0. In 1.156 von 1.157 Bundesliga-Partien, in denen eine Mannschaft mit 4:0 führte, ging sie am Ende auch als Sieger vom Platz. Nur an diesem Tag war es anders.

20 Minuten brauchten die Münchner, um durch Rummenigge, Schwarzenbeck, Müller (2) und Hoeneß aus einem 0:4 ein 5:4 zu machen. Doch das war noch nicht das Ende. Von den eigenen Fans nach vorne gepeitscht gelang Jupp Kaczor in der 80. Minute der 5:5-Ausgleich. Es war bereits sein zweiter Treffer in dieser Partie. Die Schlusspointe setzte dann aber Uli Hoeneß, der in der 89. Minute den 6:5-Endstand erzielte.

Nach dem Abpfiff flossen auf den Tribünen die Tränen und noch heute bekommen die Zuschauer von damals Gänsehaut, wenn sie an diese Partie zurückdenken. Da bei der Partie keine Fernsehkameras im Stadion waren, sind die Zuschauer der Partie bis heute die einzigen Zeitzeugen.

Privatvideo mit allen Bochumer Toren

2011 ist ein Super-8-Video aufgetaucht, das sechs Minuten Spielszenen der legendären Partie enthält. Darunter auch alle VfL Tore. Vom Bochumer Stadtarchiv präsentiert der VfL das historische Bildmaterial im Rahmen einer Matinee am 22. September - fast auf den Tag genau 40 Jahre nach dem "Spiel der offenen Tore" - wie Bayern-Trainer Dettmar Cramer die Partie nach dem Abpfiff bezeichnete.

Selbst wenn die Begegnung auch in den Videoaufnahmen kein Happy End für den VfL haben wird, sind die Bilder das Zeugnis eines der wichtigsten Momente der Clubgeschichte. Bochums zweifacher Jupp Kaczor schilderte seine Gefühlslage im Rückblick so: "Es ist trotzdem eine der schönsten Erinnerungen an meine Profizeit. Wer kann von sich schon behaupten, in solch einem Spiel dabei gewesen zu sein?". So sahen das auch die Fans, die diese Niederlage zum größten Moment der Clubgeschichte gewählt haben.

Florian Reinecke

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