2. Bundesliga

10.05.2016 - 09:35 Uhr


SC Freiburg-Trainer Christian Streich: "Zweifel sind gesund"

Freiburg - Christian Streich hat mit dem SC Freiburg souverän den sofortigen Wiederaufstieg in die Bundesliga geschafft. Im Interview mit bundesliga.de erklärt er, warum man sich als Freiburger Trainer nie zufrieden zurücklehnen kann, an welchen Stellschrauben er in der Rückrunde gedreht hat und warum er guter Dinge ist, dass die Aufstiegsmannschaft weitgehend zusammenbleibt.

bundesliga.de: Herr Streich, noch einmal Glückwunsch zum Aufstieg. Geht der Blick schon wieder nach vorne?

Christian Streich: Schon. Das geht ja immer sehr schnell. Nachdem man sich, einen, eineinhalb Tage gefreut hatte, drehen sich schnell wieder viele Gespräche um die nahe Zukunft. Wir wissen aber auch alle, dass wir vor elf Monaten noch am Boden lagen.

bundesliga.de: Sie selbst haben sich nach dem Schlusspfiff in Paderborn auch erst einmal gesammelt, ehe sie sich zu den feiernden Spielern gesellt haben...

Streich: Das ist bei mir oft so, dass ich erst mal kurz runterfahre, wenn irgendetwas abgeschlossen ist. Darüber mache ich mir aber vorher keine Gedanken, das ist auch nicht gesteuert. Aber natürlich sind wir auch zusammen feiern gegangen. Wenn wir so etwas Tolles zusammen schaffen, wäre alles andere, denke ich, auch komisch.

bundesliga.de: Die Saison lief alles in allem doch recht souverän. Hatten Sie denn irgendwann ernsthafte Zweifel am sofortigen Wiederaufstieg?

Streich: Die hat man immer, das ist ja auch gesund, weil es motiviert und zur Reflektion antreibt. Es gibt für ein Trainerteam ja immer so viel zu tun und zu justieren, da gehören Zweifel und Hinterfragen dazu.

Infografik: Das ist Freiburg

bundesliga.de: Es gab in der Rückrunde auch das Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf, das mit 0:2 verloren ging. Täuscht es, oder hat der SC danach seine Spielweise geändert?

Streich: Ein bisschen haben wir sie schon geändert. Das darauffolgende Auswärtsspiel war interessant, weil wir in Sandhausen mit einer enormen Entschlossenheit und Körperlichkeit auf dem Platz waren. Wir haben in der Rückrunde ein paar Dinge vereinfacht, wieder mehr auf Pressing, Gegenpressing, Nachrücken gesetzt. Das sind im Grunde ja einfache Dinge, die haben wir aber mit aller Konsequenz umgesetzt.

bundesliga.de: Der Sport-Club wird ja oft als spielerisch beste Mannschaft gepriesen. In der Rückrunde gab es aber einige Spiele, die vor allem über Willen und Kampf gewonnen wurden, oder nicht?

Streich: Wir haben vor allem variiert. Gegen Duisburg haben wir ganz anders gespielt als gegen Leipzig, insgesamt waren wir schwerer auszurechnen und haben etwas pragmatischer gespielt. Aber es stimmt schon: Wer jetzt ganz vernarrt ist in den Fußball, den Barcelona oder Bayern spielen, war da vielleicht auch mal enttäuscht von unserem Fußball. Glück hatten wir übrigens auch mal an der richtigen Stelle, das kann man ruhig zugeben.

bundesliga.de: Sind Sie optimistisch, dass der Stamm dieser Mannschaft zusammenbleibt?

Streich: Ich denke schon, wobei man natürlich nie weiß, was in den kommenden Wochen noch passiert. Es gibt ja vor allem im Ausland gerade sehr viel Geld, das offenbar immer sofort wieder investiert werden muss. Aber das bereitet mir keine schlaflosen Nächte. Zumal ja auch klar ist, dass wir ein Stadion bauen und immer den Spagat hinkriegen müssen, dass wir eine wettbewerbsfähige Mannschaft zusammenbekommen und dennoch genug Rücklagen bilden müssen.

Aufstieg geschafft: Glückwünsche an den SC Freiburg

bundesliga.de: Wer die letzten Tage durch die Fan-Foren surfte, hat bei vielen Clubs Lob für den SC Freiburg gelesen. Es scheint, dass sich viele Menschen über den Freiburger Aufstieg gefreut haben. Und das, obwohl die Fan-Basis doch eher regional ist. Komisch, oder?

Streich: Es stimmt, die Fans, die zu unseren Spielen kommen, stammen meist aus der Region Schwarzwald/Baden, wobei die Schweiz und das Elsass auch dazugehören. Aber es gibt sehr viele Leute, die mich ansprechen und sagen: "Ich bin Hamburg- oder Schalke-Fan, und wenn es nicht gegen meinen Club geht, freue ich mich, wenn ihr gewinnt." Offenbar finden die Leute, dass wir für etwas stehen. Das freut mich total, weil das ja echt von Herzen kommt. Die Leute erwarten ja keine Gegenleistung, wenn sie so etwas Nettes sagen.

Das Interview führte Christoph Ruf

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