2. Bundesliga

29.08.2016 - 10:54 Uhr


Bellinghausen: "Wir bauen jetzt keine Luftschlösser"

Köln - Mit vier Punkten aus den ersten beiden Punktspielen und dem souveränen Erreichen der 2. Pokalrunde hat Fortuna Düsseldorf einen guten Saisonstart erwischt. Jetzt treffen die Rheinländer am Montagabend auf den 1. FC Kaiserslautern. Zwischen 2005 und 2009 spielte der Düsseldorfer Publikumsliebling Axel Bellinghausen für die Pfälzer. Im Interview mit bundesliga.de spricht der 33-Jährige über den guten Auftakt der Fortuna und seine Zeit am Betzenberg.

bundesliga.de: Axel Bellinghausen, die Fortuna ist in der 2. Bundesliga und im Pokal gut in die Saison gestartet. Wie bewerten Sie den Auftakt?

Axel Bellinghausen: Die Stimmung ist gut. Wenn man aus der Saisonvorbereitung in die neue Spielzeit startet, weiß man ja nicht, wo man steht. Das ist bei allen Vereinen identisch. Wir sind froh und glücklich, dass wir die Basis, die wir in der Vorbereitung gelegt haben, in die ersten drei Pflichtspiele transportieren konnten.

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bundesliga.de: Letztes Jahr lief es andersherum, der Start misslang, die Mannschaft steckte bis zum Saisonende im Abstiegskampf. Wie wichtig ist es, gut aus den Startlöchern zu kommen?

Bellinghausen: Es ist nie verkehrt, wenn man gut in die Saison startet. Es gibt aber auch genügend Beispiele für Mannschaften, die den Start ein bisschen verschlafen haben, aber hintenraus die nötigen Punkte geholt haben. Wir sind in der letzten Saison leider ein Beispiel dafür gewesen, dass man nach einem schlechten Start der Musik die ganze Saison hinterherlaufen kann. Dementsprechend zitiere ich immer gerne einen alten Spruch von meinem Vater, der sagte: "Alles, was du hast, brauchst du am Ende nicht mehr suchen."

bundesliga.de: So ein Spiel wie gegen Stuttgart, das 1:0 gewonnen wurde, dürfte auch für die Saison Mut machen, weil es gezeigt hat, dass man einen Topfavoriten schlagen kann. Die Fortuna hat das mit einer Mannschaft geschafft, die personell gar nicht großartig verändert wurde.

Bellinghausen: Insgesamt wurde dem Kader aber dennoch eine kleine Verjüngungskur verordnet. Das steht uns auch gut zu Gesicht. Wir präsentieren den Menschen eine Mannschaft, mit der sie sich identifizieren können. Die Ergebnisse sind wunderbar, gar keine Frage. Aber ich denke auch, dass man beim Stuttgart-Spiel gesehen hat, dass einem die Leute auch nocht böse gewesen wären, wenn das Spiel anders ausgegangen wäre, weil die Mannschaft Gas gegeben und alles reingehauen hat. So ist es doppelt schön, weil wir uns für den ganzen Aufwand auch belohnt haben. Im Großen und Ganzen fangen wir aber deshalb nicht damit an, jetzt Luftschlösser zu bauen. Wir genießen den Moment, aber wir laufen auch nicht blauäugig durch die Gegend und glauben, dass das jetzt immer so weiter geht.

"Funkel hält viel von der Mannschaft fern"

bundesliga.de: Welche Rolle bei der aktuellen positiven Entwicklung der Fortuna spielt Trainer Friedhelm Funkel?

Bellinghausen: Er ist ein erfahrener Trainer. Das macht eine ganze Menge aus. Er hält viel von der Mannschaft fern. Es gibt im Fußball fast nichts, was er als Aktiver oder als Trainer nicht selbst erlebt hätte. Dementsprechend kann Friedhelm Funkel die aktuelle Situation auch sehr gut einschätzen. Wir werden jetzt ganz sicher nicht das Training einstellen, weil gerade alles so toll ist. Es geht mit harter Arbeit weiter. Und das ist auch gut so. Generell ist es auch sehr gut, dass wir viel Ruhe im Verein haben.

bundesliga.de: Fortuna steckt seit dem Bundesliga-Abstieg 2013 in einer Abwärtsspirale. Glauben Sie, dass es nun wieder aufwärts geht?

Bellinghausen: Es ist noch relativ früh, darüber jetzt zu spekulieren. Aber wir haben uns auch nicht aus Spaß, sondern mit Bedacht das Saisonziel gesteckt, dass wir die komplette Saison mit den unteren Plätzen nichts zu tun haben möchten. Und das ist auch richtig so. Wir wissen noch aus der nahen Vergangenheit, wie kräftezehrend und anstrengend ein Abstiegskampf ist. Das möchten wir nicht noch einmal erleben. Wenn wir die Zuschauer wieder zufriedener stimmen können, sind wir auch selbst zufriedener.

bundesliga.de: Wie sehen Sie Ihr eigenes Standing im Team?

Bellinghausen: Es ist so, dass nicht nur ich, sondern die älteren Spieler generell ein Stück weit gefordert sind. Auf dem Platz übernimmt jeder Spieler seine Aufgabe und Rolle, die er erfüllen muss. Man muss im Training und im Spiel Gas geben. Wenn das nicht passiert, dann stehen andere hinten dran, die auch sehr gerne spielen wollen und das vor allem auch können. Wir - und damit meine ich neben mir die erfahrenen Spieler wie Oliver Fink, Adam Bodzek, Alexander Madlung oder Michael Rensing - müssen die ganz jungen Spieler, die aus der A-Jugend hochgekommen sind, an die Hand nehmen und ihnen helfen. Mir wurde damals auch geholfen, und jetzt bin ich in der Situation, etwas zurückgeben zu können. Dafür muss ich auch nicht zwangsläufig immer auf dem Platz stehen.

"Rouwen Hennings weiß, wo das Tor steht"

bundesliga.de: Fortuna hat mit Rouwen Hennings einen Neuzugang verpflichtet, der bald 29 Jahre alt wird und auch schon Torschützenkönig der 2. Bundesliga war. Wie sind Ihre ersten Eindrücke von ihm?

Bellinghausen: Rouwen hat jetzt zweimal mittrainiert. Bei ihm weiß man um seine Qualitäten. Er weiß, wo das Tor steht. Jetzt bedarf es noch einer gewissen Eingewöhnungsphase.

bundesliga.de: Am Montag trifft die Fortuna auf den 1. FC Kaiserslautern, für den Sie selbst vier Jahre gespielt haben. Was ist aus der Zeit beim FCK bei Ihnen hängengeblieben?

Bellinghausen: Es war eine Superzeit. Der FCK ist für mich nach wie vor der Verein nach Fortuna Düsseldorf. Bei der Fortuna bin ich groß geworden, beim FCK durfte ich nach der Regionalliga meine erstenProfi-Schritte gehen. Der Verein hat mir das Vertrauen geschenkt. Das war phänomenal. Die Zeit, die ich dort verbringen durfte, und die Menschen, die ich kennengelernt habe und die mich teilweise bis heute begleiten, möchte ich niemals missen. Ich freue mich riesig, am Montag auf den "Betze" zurückzukehren. Der FCK ist nach wie vor ein besonderer Club.

bundesliga.de: Sportlich steckt der FCK mit neuem Vorstand, neuem Trainer und neuem Kader im Umbruch. Der Start ist nicht so gut gelungen. Wie schätzen Sie die Aufgabe ein?

Bellinghausen: Wir stehen vor dem 3. Spieltag. Bis dahin ist noch nicht viel passiert. Der FCK hat einen neuen Trainer, der die komplette Vorbereitung absolvieren konnte, sie haben jetzt noch zwei neue Spieler verpflichtet. Das funktioniert nicht sofort per Knopfdruck. Wir müssen verdammt gut aufpassen, wir wissen, was uns am Montagabend erwartet. Es darf keine Überraschungen für uns geben.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski

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