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2. Bundesliga

06.03.2014 - 08:45 Uhr


"Tünn" wird 60: Wilde Karriere und Versöhnung mit seinem FC

Seit dem 23. April 2012 ist Harald "Toni" Schumacher mit sich und der Welt wieder im Reinen: An diesem Tag stieg die Ikone des 1. FC Köln zum Vize-Präsidenten auf (© Imago)

Größter Erfolg auf Vereinsebene: 1978 holt Schumacher (r., hier neben dem am 15. Juni 2013 verstorbenen Heinz Flohe) das Duoble (© Imago)

Im WM-Halbfinale 1982 kracht Schumacher (M.) mit dem Franzosen Patrick Battiston zusammen, der Zähne verliert und bewusstlos vom Feld getragen wird. Später gab es eine große Versöhnung mit Battiston, die ihm vor allem in Frankreich auch viel Sympathie eingebracht hat

Die Veröffentlichung seines Skandal-Buches "Anpfiff" im März 1987 sorgt für sein Ende im DFB-Team und beim FC. "Ich stehe zu allem, was ich im Leben getan habe", sagt Schumacher

Legendär ist auch seine Entlassung als Trainer von Fortuna Köln in der Halbzeitpause eines Zweitligaspiels. Als Vize-Präsident des 1. FC Köln ist Schumacher heute rundum glücklich: "Der Club ist für mich Heimat." (© Imago)

Köln - Seit dem 23. April 2012 ist Harald "Toni" Schumacher mit sich und der Welt wieder im Reinen: An diesem Tag stieg die Ikone des 1. FC Köln zum Vize-Präsidenten seines Leib- und Magen-Vereins auf, nachdem sich fast zweieinhalb Jahrzehnte ein tiefer Graben zwischen dem Geißbock-Club und dem einstigen Weltklasse-Torhüter aufgetan hatte.

Aber der FC war für den "kölschen Tünn", egal ob auf Schalke, in der Türkei bei Fenerbahce, bei den Bayern oder Borussia Dortmund dennoch immer eine Herzensangelegenheit geblieben. "Er ist mehr als ein Club. Er ist für mich Heimat, mein Wohnzimmer. Hier bin ich Nationalspieler geworden. Es hat mir deshalb auch das Herz rausgerissen, als ich gehen musste", sagte Schumacher, der am Donnerstag sein 60. Lebensjahr vollendet, der "Bild".

"Ich stehe zu allem, was ich im Leben getan habe"

Aufgrund seines Buches "Anpfiff" wurde "dä Tünn" beim ersten Bundesliga-Meister vom damaligen Präsidenten Peter Weiand aussortiert. Der vielleicht schmerzvollste Tag im Leben Schumachers, der allerdings auch heute noch seinen Abstecher als Hobby-Autor nicht bereut: "Ich stehe zu allem, was ich im Leben getan habe." Viele Dinge, die Schumacher damals auch teilweise provokativ geschrieben hat, haben sich im Nachhinein durchaus bewahrheitet.

Zu den Grenzerfahrungen des zweimaligen Vize-Weltmeisters gehört auch seine Aussage nach dem WM-Halbfinale 1982 in Sevilla über den Franzosen Patrick Battiston, den er in bester Schumacher-Manier beim Herauslaufen mit voller Wucht und ziemlich rücksichtslos niedergestreckt hatte. Battiston wurde bewusstlos vom Platz getragen - Schumachers lapidarer Kommentar: "Ich besorg' ihm neue Jacket-Kronen..."

Schumacher, der immer das Herz auf der Zunge trug und sich besonders in engen Spielen mit viel Adrenalin zur Top-Form pushte, bedauerte später seine Aussagen. Im "Thriller von Sevilla" machte Deutschland in der Verlängerung gegen die Franzosen einen 1:3-Rückstand wett, im Elfmeterschießen war Schumacher mit zwei abgewehrten Schüssen der deutsche Held. Später gab es eine große Versöhnung mit Battiston, die ihm vor allem in Frankreich auch viel Sympathie eingebracht hat.

Viele Titel - nur kein Weltmeister

Andererseits konnte Schumacher aber auch schonungslos eingestehen, wenn er nicht gut war. Legendär sein Spruch nach dem mit 2:3 verlorenen WM-Endspiel 1986 im Estadio Azteca von Mexiko-Stadt gegen Argentinien mit Fußball-Genie Diego Armando Maradona. "Ich habe gehalten wie ein Arsch", gestand "dä Tünn", weil er bei einigen Gegentoren nicht gut ausgesehen hatte.

Der WM-Triumph blieb Schumacher versagt, dafür wurde er Europameister 1980, Deutscher Meister 1978 und 1996 (mit Borussia Dortmund), DFB-Pokalsieger 1977, 1978 und 1983 sowie türkischer Meister mit Fenerbahce 1989.

Zu Schumacher gehört auch jene unglaubliche Geschichte, als er als Zweitliga-Trainer von Fortuna Köln am 15. Dezember 1999 in der Halbzeitpause des Heimspiels gegen den SV Waldhof Mannheim von Club-Patron Jean Löring mit wenig schmeichelhaften Worten entlassen wurde. Der zweimalige Fußballer des Jahres (1984 und 1986) hat auch dies verdaut und ist wieder aufgestanden.

Weltkarriere dank Wille und Besessenheit

Als 18-Jähriger war Schumacher von Schwarz-Weiß Düren kommend beim damals großen 1. FC Köln als Torwart eingestiegen. Viele trauten dem schlaksigen Teenager nicht allzu viel zu, doch dessen unglaublicher Wille, dessen Bessenheit, alles aus seinem Körper herauszuholen, bescherten ihm schließlich eine Weltkarriere. Selbst sein berühmtes Wackelknie konnte ihn nicht stoppen, mit viel Muskeltraining kompensierte er die Schwachstellen seines lädierten Kniegelenks.

Im April 2012 hat sich für ihn der Kreis wieder geschlossen, er ist zurück bei seinem FC. Und die Fans wünschen ihrem "Tünn" alles Gute zum 60!

Rainer Calmund wünscht Toni Schumacher zu seinem 60. Geburtstag den Aufstieg des FC - zum Video.

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