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2. Bundesliga

08.07.2013 - 09:46 Uhr


Tiffert: "Man wird kein Leitwolf, indem man sich in den Medien positioniert"

Christian Tiffert soll laut Trainer Peter Neururer der "Kopf" des Bochumer Mittelfeldes werden

Der Mittelfeldspieler wechselte vom US-amerikanischen Profi-Club Seattle Sounders zum VfL Bochum

In seiner bislang letzten Bundesliga-Saison stieg Tiffert mit dem 1. FC Kaiserslautern in die 2. Bundesliga ab

Bochum - Christian Tiffert ist wieder zurück in Deutschland. Nach einem knappen Jahr in Seattle spielt der 31-Jährige nun für den VfL Bochum. Mit seiner Erfahrung aus 225 Bundesliga-Spielen für Stuttgart, Duisburg und Kaiserslautern soll der Mittelfeldspieler nun der jungen Bochumer Mannschaft mehr Halt geben und dabei mithelfen, eine Saison ohne Abstiegssorgen zu spielen.
Im Interview mit bundesliga.de spricht Tiffert über die Zeit in den USA, Trainer Peter Neururer und seine Rolle beim VfL.

bundesliga.de: Herr Tiffert, nach einem Jahr in Amerika sind Sie wieder zurück in Deutschland. Wie kam der Kontakt zum VfL Bochum zustande?

Christian Tiffert: Ich habe in Seattle meinen Vertrag aufgelöst und war wieder in Deutschland. Der VfL Bochum war dann der erste Verein, der sich gemeldet hat. Ich musste nicht lange überlegen. Ich bin auch nicht der Typ, der mit zigtausend Vereinen spricht. Ich habe mich dann mit meiner Familie beraten und mich für den VfL entschieden.

bundesliga.de: Was hat den Ausschlag gegeben?

Tiffert: Der VfL Bochum ist ein absoluter Traditionsverein, der in Deutschland einen sehr guten Namen hat. Im letzten Jahr wäre der Verein zwar fast abgestiegen, aber am Ende konnte man eine Aufbruchstimmung ausmachen, fast eine Euphorie. Darauf kann man aufbauen. Wir haben eine gute Mannschaft und einen guten Mix aus erfahrenen Leuten und guten jungen Spielern. Ich denke, dass es in der 2. Bundesliga nur wenig bessere Adressen als den VfL Bochum gibt.

bundesliga.de: Welche Rolle hat bei Ihrem Wechsel die Tatsache gespielt, dass Sie mit VfL-Trainer Peter Neururer früher schon einmal beim MSV Duisburg zusammengearbeitet haben?

Tiffert: Das hat auch ein bisschen eine Rolle gespielt. Man spricht ja auch im Vorfeld mit dem Trainer, wir kennen uns. Ich denke, dass wir gut zusammengearbeitet haben. Aber grundsätzlich sollte man in diesem schnelllebigen Geschäft bei einem Wechsel nicht allzu viel vom Trainer abhängig machen. Man sollte eher wegen des Vereins wechseln.

bundesliga.de: Warum haben Sie Ihren Vertrag in Seattle aufgelöst?

Tiffert: Der Verein wollte einen neuen Stürmer verpflichten, der wie ich über Tarif bezahlt werden sollte. Ich wurde gefragt, ob ich bereit wäre, den Vertrag aufzulösen. Wir haben uns dann finanziell geeinigt. Letztendlich waren es wirtschaftliche Interessen des Vereins und keine sportlichen. Ich denke, dass ich meine Sache für einen Europäer, dem dort viel Neues widerfahren ist, sehr gut gemacht habe. Ich wäre auch geblieben. Aber wenn man nach Amerika geht, muss man sich darauf einstellen, dass viele unvorhersehbare Sachen passieren können. Das ist in Ordnung. Ich bin nicht sauer auf meinen Verein.

bundesliga.de: Wie ordnen Sie die Zeit in Amerika ein?

Tiffert: Es war eine schöne Zeit. Man kann sehr viele Sachen mitnehmen. Es ist auch ein schöner Fleck zum Leben. Man muss sich aber auch an viele Sachen gewöhnen. Ich hätte gerne mehr Zeit gehabt und nicht nur neun Monate, sondern die volle Saison gespielt, um das alles noch besser beurteilen zu können.

bundesliga.de: Zurück zum VfL. Sie gehören mit Marcel Maltritz und Paul Freier zur Fraktion der erfahrenen Spieler beim VfL. Peter Neururer traut Ihnen zu, "der Kopf unseres Mittelfelds" zu werden. Wie sehen Sie selbst Ihre Rolle?

Tiffert: Das wird sich innerhalb einer Saison zeigen. Man wird kein Führungsspieler oder Leitwolf, indem man sich in den Medien positioniert. So habe ich das in meiner Karriere auch immer gehandhabt. Ich versuche, mich auf meine Art einzubringen, mich in die Gruppe zu integrieren und den jungen Spielern eine Hilfestellung zu geben. Ich fühle mich nicht besser als andere, nur weil ich ein paar Bundesliga-Spiele mehr gemacht habe. Die Leistung muss vor allem stimmen.

bundesliga.de: Letzte Saison wäre der VfL fast abgestiegen. Was macht Sie hoffnungsfroh, dass der Verein in der kommenden Saison eine bessere Rolle spielen kann?

Tiffert: Wenn man einmal im Abstiegskampf steckt, ist es immer ganz schwer, da wieder rauszukommen. So eine Saison kann immer wieder passieren, das ist auch schon ganz anderen Clubs passiert. Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen und können weiterhin Zweitliga-Fußball erleben. In den letzten Spielen konnte natürlich auch durch den Trainer eine Euphorie entfacht werden, die Zuschauer wurden mitgenommen. Jetzt geht es bei Null los. Wir haben nicht den Druck, den andere Mannschaften haben, die das Ziel "Aufstieg" ausgegeben haben.

bundesliga.de: Wie schätzen Sie die 2. Bundesliga in dieser Saison insgesamt ein?

Tiffert: Es gibt viele attraktive Mannschaften in der 2. Bundesliga. Es gibt schöne Derbys. Die 2. Bundesliga ist seit Jahren absolut im Kommen, das Interesse ist in ganz Deutschland da. Es wird tolle Begegnungen geben. Dann werden sich die Mannschaften herauskristallisieren, die vorne landen. Wir können das beim VfL Bochum von außen ohne den ganz großen Druck betrachten. Wir sollten nicht erzählen, dass wir oben angreifen wollen, sondern sollten uns darauf besinnen, unsere Situation zu stabilisieren und möglichst eine bessere Saison spielen als im Vorjahr. Wir wollen nicht wieder bis zum Schluss zittern.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski
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