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2. Bundesliga

03.04.2014 - 20:15 Uhr


"Unsere Entwicklung ist noch nicht am Ende"

Paderborns Kapitän Markus Krösche spielt seit 2001 für die Ostwestfalen (© Imago)

Krösche (r., gegen Tamas Hajnal) beendet nach der Saison seine Karriere. "Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Es gibt nicht mehr zu erreichen", sagt er

München - Markus Krösche ist so etwas wie der Mister SC Paderborn 07. Seit fast 13 Jahren spielt der 33-Jährige für die Ostwestfalen und bestritt dabei 224 Punktspiele in der 2. Bundesliga und der 3. Liga. Keiner kennt sich im Verein besser aus als der Mannschaftskapitän, den zuletzt einige Verletzungen plagten. Vor dem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf (Freitag, ab 18:15 Uhr im Live-Ticker) spricht Markus Krösche über die Entwicklung des SCP und seine Pläne nach der aktiven Karriere.

bundesliga.de: Herr Krösche, der SC Paderborn spielt eine großartige Rückrunde und steht mit sechs Punkten Vorsprung auf Kaiserslautern auf Platz 3. Wie ist der anhaltende Höhenflug der Mannschaft zu erklären?

Markus Krösche: Wir haben in der Winterpause eine richtig gute Vorbereitung mit richtig guten Inhalten gemacht. Die Dosierung war perfekt. Dann haben wir den Schwung, den wir schon in den letzten Spielen vor der Winterpause hatten, mitgenommen und gleich zum Auftakt in Köln ein super Spiel gemacht. Wir haben dort verdient gewonnen und dieses Selbstvertrauen und den Glauben an unsere Qualität behalten. Seitdem haben wir es Woche für Woche geschafft, dass alle Spieler an die Grenze gehen und nahezu 100 Prozent auf den Platz bringen. Das Resultat sieht man jetzt.

bundesliga.de: Die Mannschaft reitet auf der Euphoriewelle und spielt ohne den Druck, aufsteigen zu müssen, auf. Andere Vereine kommen mit diesem Druck nicht zurecht. Wie sehen Sie es?

Krösche: Wir haben aber auch die Qualität und profitieren nicht von Glück oder Euphorie. Wenn man sieht, wie wir unsere Spiele gewinnen, hat das nichts mit Glück zu tun. Die Ergebnisse haben sicherlich das Selbstvertrauen gestärkt und den Glauben an die eigene Stärke untermauert. Aber letztendlich bringen wir auch unsere Qualität auf den Platz. So können wir auch die schweren Spiele wie das letzte beim FSV Frankfurt gewinnen.

bundesliga.de: Im Gegensatz zu den anderen Vereinen scheint Paderborn den Kampf um den Aufstieg als Chance und nicht als Belastung zu begreifen und geht mit Freude an die Aufgaben heran.

Krösche: Genau. Wir denken von Woche zu Woche und haben keinen Druck, aufsteigen zu müssen. So haben wir in den entscheidenden Momenten wie in Frankfurt die Ruhe und sind nicht verkrampft. Während etwa Kaiserslautern in den Heimspielen Probleme hat, mit dem Druck umzugehen, sieht das bei uns anders aus. Das tut uns gut.

bundesliga.de: Die große Frage wird jetzt sein, ob Paderborn in den letzten sechs Spielen seine Lockerheit beibehalten kann. Denn jetzt steht die Mannschaft sehr gut da, hat sechs Zähler Vorsprung. Die Erwartungshaltung wird größer, der SCP hat nun auch etwas zu verlieren. Wie geht die Truppe damit um?

Krösche: Wir sind schon in die letzten Spiele als die Mannschaft gegangen, die nun gejagt wird. Auch wenn die Konkurrenz am letzten Wochenende mit den Unentschieden zwischen St. Pauli und Fürth und dem Remis des KSC gegen Kaiserslautern für uns gespielt hat, hatten wir auch in Frankfurt schon etwas zu verlieren. Die Aufgabe haben wir souverän gelöst. Wir sind momentan von dem überzeugt, was wir können. Wir haben ein Selbstverständnis entwickelt und die Lockerheit, nicht aufsteigen zu müssen. Das ist gut für uns. Ich glaube nicht, dass die Angst, etwas verlieren zu können, bei uns auftaucht. Wir haben noch sechs Spiele, davon vier Heimspiele. Alles ist gut.

bundesliga.de: Die Qualität der Mannschaft haben sie angesprochen. Ist sie aus Ihrer Sicht auch Bundesliga-tauglich?

Krösche: Wir haben eine junge Mannschaft. Wenn man sieht, wie sich die Mannschaft entwickelt hat, ist die Entwicklung noch nicht am Ende. Wenn die Truppe den Aufstieg schafft, ist alles möglich. Jeder einzelne Spieler bekommt dann noch einmal einen Schub. Dann muss man weiter sehen. Aber soweit sind wir noch nicht. Es liegt noch ein enorm langer und schwerer Weg vor uns.

bundesliga.de: Lassen Sie uns auf die Besonderheiten des SCP zu sprechen kommen. Im jetzigen Stadion wird es in der Bundesliga wegen Lärmschutzauflagen keine Flutlichtspiele geben. Es gibt dort den größten Fahrradparkplatz Deutschlands. Wieviel Charme hat das alles?

Krösche: Wir wissen, wo wir herkommen. Die Größe des Stadions ist dementsprechend. Paderborn war jetzt nicht von Natur aus die Fußballstadt, entwickelt sich aber mehr und mehr dorthin. Die Rahmenbedingungen passen zu uns. Wir sind ein familiärer Verein. Jeder kennt jeden. Die Wege sind kurz. Das ist ein Pluspunkt. Den Charme sollten wir uns auch erhalten. Wenn man sich die Entwicklung der Mannschaft und des Vereins in den letzten Jahren anguckt, ist das unser großes Plus gegenüber anderen Vereinen. Wir werden hier nicht überdrehen.

bundesliga.de: Der Verein ist nun die Nummer 1 in Ostwestfalen und hat den Rivalen Arminia Bielefeld überflügelt. Wie hat er das geschafft?

Krösche: Paderborn ist kein unkalkulierbares Risiko eingegangen. Bei uns haben sich die Infrastruktur und die Kaderplanung sukzessive entwickelt. Viele Entscheidungen der Vergangenheit waren bei uns richtig, bei Bielefeld vielleicht weniger.

bundesliga.de: Jetzt steht das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf vor der Tür. Im Hinspiel hat Paderborn den Bundesliga-Absteiger mit 6:1 deklassiert und bundesweit für Aufsehen gesorgt. War das so das Schlüsselspiel in dieser Saison?

Krösche: Nein, ich denke eher, dass unser Spiel beim FC St. Pauli (2:1 für Paderborn, die Red.) zwei Wochen vorher das Schlüsselspiel war. Damals standen wir extrem unter Druck und hatten vorher eine ganz schlechte Serie inklusive Pokalaus gespielt. Dann hatten wir in Hamburg unser Aha-Erlebnis, dort haben wir zu unserer Stärke zurückgefunden.

bundesliga.de: Wie steht es aktuell um Ihre Fitness? Werden Sie nach Ihrer Verletzung bald noch einmal angreifen?

Krösche: Ich bin seit sieben, acht Tagen wieder im Training. So langsam geht es bergauf. Ich hoffe, dass ich in dieser Saison noch ein paar Minuten kriege. Letztendlich muss man sehen, wie ich körperlich drauf bin und wie es passt. Die Mannschaft macht es richtig gut. Man muss nichts verändern.

bundesliga.de: Sie selbst haben Ihr Karriereende zum Saisonende angekündigt. Wie bleiben Sie dem Fußball verbunden?

Krösche: Ich werde in Paderborn in den nächsten drei Jahren dann die U23 trainieren und meine Trainerscheine machen.

bundesliga.de: Standby-Profi werden Sie nicht? Es wäre ja für Sie auf Ihre "alten Tage" sicher auch noch schön, nach einem eventuellen Aufstieg noch ein Bundesliga-Spiel bestreiten zu können.

Krösche: Nein. Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Es gibt nicht mehr zu erreichen. Das wäre ein perfektes Ende.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski

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