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12.02.2014 - 11:02 Uhr


Köln trauert um Röhrig

Josef Röhrig war der erste Nationalspieler des 1. FC Köln (© Imago)

Köln - Josef "Jupp" Röhrig ist im Alter von 88 Jahren nach längerer Krankheit gestorben. Röhrig wurde als erster Spieler des 1. FC Köln für die Deutsche Nationalmannschaft nominiert und eingesetzt. Beim FC war der gebürtige Zündorfer als Spieler, Trainer und Funktionär über viele Jahre erfolgreich aktiv.

"Wir wussten, dass er sehr krank war, aber wir haben nicht damit gerechnet, dass er so bald sterben würde. Umso mehr trifft mich diese Nachricht. Ich bin zutiefst erschüttert und traurig", sagt der ehemalige FC-Kapitän Hans Schäfer, der mit Röhrig zusammenspielte. "Einen großen Teil unserer erfolgreichen Anfangszeit beim FC verdanken wir ihm. Meine Karriere auf der Linksaußen-Position wäre nicht möglich gewesen ohne Jupp. Der 1. FC Köln verliert einen großartigen Menschen und einen tollen Fußballer. Ich verliere einen guten Freund. Besonders für seine liebe Frau Käthe tut es mir unendlich leid."

FC-Präsident Werner Spinner sagt: "Als Kind habe ich Jupp Röhrig noch spielen gesehen. Er gehörte zu den FC-Spielern der ersten Stunde, die mit ihren Leistungen und ihrer Persönlichkeit den jungen Club geprägt und bekannt gemacht haben. Wir sind sehr traurig und werden Jupp Röhrig stets ein ehrendes Andenken bewahren."

"Einer der besten Spieler des 1. FC Köln"

Im heute zu Köln-Porz gehörenden Zündorf kam Jupp Röhrig am 28. Februar 1925 zur Welt. Bei seinem Heimatverein Germania Zündorf kam er erstmals mit dem Fußball in Kontakt. Schon 1949 hatte sich der 1. FC Köln die Dienste des gelernten Mittelstürmers gesichert. Doch weil Röhrig den Zündorfern versprochen hatte, bei einem eventuellen Aufstieg noch ein Jahr dranzuhängen, ging der Wechsel zum FC erst im Sommer 1950 über die Bühne. Danach war Jupp Röhrig der Mann, der praktisch den spielerischen Grundstein des 1. FC Köln legte. Seine brillante Technik und seine Übersicht machten ihn zu einem der besten offensiven Mittelfeldspieler seiner Zeit. Beim FC bildete er zusammen mit Hans Schäfer ein Traumpaar - Röhrig als Vorbereiter, Schäfer als Vollstrecker.

Hans Schäfer erinnert sich: "Jupp war der geborene Partner für mich. Einer der besten Spieler des 1. FC Köln überhaupt." So wurde auch Bundestrainer Sepp Herberger auf den Kölner aufmerksam und setzte ihn im ersten Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft nach dem zweiten Weltkrieg ein. Es war am 22. November 1950 in Stuttgart gegen die Schweiz. Der DFB gewann mit 1:0,  Röhrig wurde in der 88. Minute für den verletzten Karl Barufka eingewechselt. Damit ging er als erster Nationalspieler des 1. FC Köln in die Geschichte ein.

Geldkoffer aus Italien

Auch bei anderen Vereinen weckte der FC-Star Begehrlichkeiten, sogar im Ausland. So tauchten im Sommer 1952 plötzlich drei Unterhändler von Juventus Turin bei Jupp Röhrig auf, um ihn mit einem Geldkoffer nach Italien zu locken. Trotz der materiellen Verlockung war es für den Nationalspieler keine Frage dennoch in der Domstadt zu bleiben, zumal er sich hier bereits eine Existenz aufgebaut hatte. Seit Dezember 1950 betrieb er auf der Luxemburger Strasse 303 ein Zigarrenhaus mit FC-Eintrittskartenvorverkauf. Im selben Haus war von 1950 bis 1959 auch die Geschäftsstelle des Clubs untergebracht. 

Aber nicht nur das Geschäft hielt ihn in Köln, wie er stets betonte: "Ich habe noch für das Wappen auf der Brust gespielt. Schon deswegen konnte ich einfach nicht vom FC weg." Auch seine Söhne Josef Junior (genannt "Josi") und Werner kickten später für die Geißböcke. 

Entdecker von Toni Schumacher 

1964 übernahm Röhrig das Training der FC-A1-Jugend, machte ein Jahr später den A-Trainerschein an der Sportschule Hennef. Neben 13 Mittelrheinmeisterschaften, vier westdeutschen Meisterschaften und zwei westdeutschen Pokalsiegen, gewann er mit der A-Jugend 1971 auch die deutsche Meisterschaft. Späteren Spitzenspielern wie Harald Konopka, Herbert Hein, Jürgen Glowacz oder Herbert Neumann verpasste Röhrig, der im Juli 1950 zum FC-Ehrenmitglied ernannt worden war, in der Jugend den nötigen Feinschliff. Auch der heutige FC-Vizepräsident Toni Schumacher lernte Röhrig damals kennen. "Ich hatte eine besondere Beziehung zu ihm, denn er war derjenige, der mich 1972 als jungen Spieler bei Schwarz-Weiss Düren entdeckte und zum 1. FC Köln holte."

Seit 1947 lebte Röhrig mit seiner Familie im selben Haus in Köln Porz, in dem er nach schwerer Krankheit nun verstorben ist. "Jupp Röhrig war ein großartiger Fußballer und nicht von ungefähr der erste Nationalspieler des FC. Er hat die erfolgreiche Tradition unseres Vereins mit geprägt", sagt Toni Schumacher. "Ich bin froh, ihn im letzten Jahr noch einmal gesehen zu haben. Die Nachricht von seinem Tod trifft uns alle sehr. Wir fühlen mit seinen Angehörigen, die ihn während seiner schweren Krankheit gepflegt und begleitet haben. Jupp, wir werden dein Andenken in Ehren halten."

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