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2. Bundesliga

11.06.2014 - 21:03 Uhr


Finke: "Unser Aufstieg ist kein Wunder"

Wilfried Finke ist seit 1997 Präsident des SC Paderborn (© Imago)

Trainer Andre Breitenreiter führte die Ostwestfalen in der abgelaufenen Saison auf Platz 2 in der 2. Bundesliga

In der kommenden Saison spielt der SCP erstmals in der Bundesliga

München - Mit dem SC Paderborn kommt eine neue Farbe in die Bundesliga. Im Interview mit bundesliga.de spricht Wilfried Finke, erfolgreicher Unternehmer und Präsident des SCP, über die kontinuierliche Entwicklung des Clubs in den vergangenen Jahren, über die Vorbereitung auf das "Abenteuer Bundesliga" und den eigenen Paderborner Weg.

bundesliga.de: Herr Finke, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg in die Bundesliga! Wann haben Sie im Verlauf der vergangenen Saison erstmals daran geglaubt, dass es tatsächlich etwas werden könnte mit dem Wunder von Paderborn?

Wilfried Finke: Zunächst einmal halte ich unseren Aufstieg nicht für ein Wunder, sondern für das Ergebnis harter Arbeit. Die beeindruckende Konstanz in der Rückrunde hat bei mir schon frühzeitig den Gedanken reifen lassen, dass wir den Aufstieg in die Bundesliga schaffen können.

bundesliga.de: Wie haben Sie das letzte und entscheidende Saison-Spiel gegen Aalen erlebt?

Finke: Natürlich auf der Tribüne. Auch nach dem frühen 0:1-Rückstand bin ich ganz ruhig geblieben, da die Mannschaft sich während eines Spiels schon oft gesteigert hatte. So war es dann auch, und wir haben einen verdienten 2:1-Sieg eingefahren.

bundesliga.de: Was vielleicht nicht jeder weiß: Ehemalige Stars und heutige Trainer oder Funktionäre der Bundesliga wie Dieter Hecking, Thomas von Heesen oder Christian Schreier haben ihren Weg in Paderborn beziehungsweise beim Vorgänger-Club TuS Schloß-Neuhaus begonnen. Haben die alle schon gratuliert?

Finke: Ich habe viele hundert Glückwünsche erhalten. Darunter waren auch zahlreiche Ex-Profis, die am besten beurteilen können, was wir in Paderborn geleistet haben. Aber grundsätzlich habe ich mich über alle Glückwünsche gleichermaßen gefreut.

bundesliga.de: Lässt sich der Job als Boss eines Unternehmens, das hunderte von Millionen umsetzt, noch arrangieren mit der Arbeitspensum, das jetzt in der Bundesliga auf Sie zukommt?

Finke: Wir haben uns in der Führung des Vereins breiter aufgestellt, sodass die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt werden kann. Jetzt müssen wir uns zunächst mit der Bundesliga anfreunden und den tatsächlichen Aufwand für einen Präsidenten abschätzen. Im Frühjahr 2015 werde ich dann eine Entscheidung in dieser Angelegenheit fällen.

bundesliga.de: Als Unternehmer müssen Sie immer auch an das Morgen denken. Wie schnell sind Jubel und Euphorie im Laufe der vergangenen Wochen der nüchternen Analyse und Vorbereitung auf die neuen Saison gewichen?

Finke: Sowohl als Unternehmer, aber auch als Präsident des SC Paderborn 07 denke ich stets mittel- und langfristig. Ansonsten wäre dieser konsequente Weg aus der vierten Liga in die Bundesliga innerhalb von knapp 20 Jahren nicht möglich gewesen.

bundesliga.de: Wünscht man sich trotzdem in einem solchen Moment, die Zeit anhalten zu können, um einfach auch mal die Möglichkeit zum Genießen zu haben?

Finke: Nach dem Schlusspfiff habe ich mich tatsächlich für einige Minuten zurückgezogen und diesen bemerkenswerten Erfolg allein genossen. Aber die Zeit anhalten, das wollen wir in Paderborn nicht. Jetzt steht die Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen für hochklassigen Fußball in Paderborn im Blickpunkt.

bundesliga.de: Wenn man so will, haben Sie in den vergangenen 17 Jahren die Distanz zwischen Erde und Mond verringert.

Finke: Das ist sicher so. Und dieses Glück hat man im Leben nicht oft.

bundesliga.de: Eine Anspielung auf Ihr Zitat "Der Profi-Fußball war für Paderborn so weit weg wie die Erde vom Mond". Um ein ähnliches Bild zu benutzen: Wie groß ist die Gefahr, dass man nun zu nahe an die Sonne rückt und sich verbrennt?

Finke: Sie können ganz sicher sein, wir bleiben auf dem Boden und planen auch in Zukunft konservativ. Im Fokus stehen die Entschuldung des Vereins, die uns durch den Aufstieg kurzfristig gelingen wird, der Bau eines neuen Trainingszentrums, den wir gemeinsam mit der Stadt Paderborn angehen, und natürlich die Weiterentwicklung unserer Mannschaft und des Kaders für die Saison 2014/15. Wir planen mit Augenmaß und Vernunft.

bundesliga.de: Träumen ist zwar immer erlaubt, aber haben Sie es in diesen 17 Jahren je für möglich gehalten, Präsident eines Paderborner Bundesligisten zu sein?

Finke: Solche Momente kann man nicht planen. Aber ich habe mir stets hohe, auf den ersten Blick unerreichbare Ziele gesteckt. Nur dann kann man etwas Außergewöhnliches erreichen.

bundesliga.de: In diese 17 Jahre fällt auch der Abstieg in die Oberliga Westfalen in der Saison 1999/2000. Haben Sie damals mit dem Gedanken gespielt, auszusteigen?

Finke: Nein. Die verpasste Qualifikation für die neue Regionalliga-Struktur war natürlich bitter. Aber Sie war zusätzlicher Ansporn, die hohen Ziele weiter konsequent zu verfolgen.

bundesliga.de: Selbst Traditionsclubs wie Braunschweig oder Fürth mussten in den vergangenen Spielzeiten erkennen, wie groß der Schritt von der 2. Bundesliga in die Bundesliga ist. Inwieweit haben Sie deren Entwicklung sehr aufmerksam verfolgt und vielleicht auch Dinge erkannt, die Sie anders machen wollen?

Finke: Wir haben natürlich sehr genau hingesehen. Finanziell können wir nicht konkurrenzfähig sein. Aber mit unserer Philosophie als familiärer Verein mit kurzen Entscheidungswegen, der sich die Weiterentwicklung junger und ehrgeiziger Spieler auf die Fahnen geschrieben hat, werden wir gewiss eine neue Farbe in der Bundesliga sein.

bundesliga.de: Gibt es ein Modell, das für Paderborn als Vorbild taugt, wie vielleicht der SC Freiburg?

Finke: Es ist meines Erachtens nicht hilfreich, sich vollständig an anderen Clubs zu orientieren. Wir wollen unseren eigenen Weg gehen.

bundesliga.de: Liegt eine besondere Chance auch darin, dass der SCP für die meisten Absteiger Nummer eins ist und deshalb wohl unterschätzt wird?

Finke: Das kann ich nicht beurteilen. Aber wir wollen auch zukünftig offensiven Fußball zeigen und die Stärken unserer spielerisch guten Mannschaft nutzen.

bundesliga.de: Wie weit sind Sie aktuell mit den Planungen für die neue Saison?

Finke: Wir haben mit Lukas Rupp, Idir Ouali und Marvin Ducksch bereits drei Offensivspieler verpflichtet, die optimal zu uns passen. Es werden noch einige Akteure folgen, die das gleiche Profil mitbringen.

Das Gespräch führte Andreas Kötter

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