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26.12.2013 - 16:12 Uhr


"Der FCK hat einen Goldschatz in den USA liegen"

Der US-Amerikaner Eric Lindon erklärt den Mythos FCK unter seinen Landsleuten in der Pfalz

Lindon (r.) auf einem Erinnerungsfoto mit FCK-Legende Ronnie Hellström

Der US-Amerikaner erklärt den Boom, der durch die Verpflichtung von Tom Dooley ausgelöst wurde

Kaiserslautern - In Kaiserslautern und Umgebung leben rund 50.000 US-Amerikaner, die vorwiegend auf der Ramstein Air Base, dem Hauptquartier der US-Luftwaffe für Europa und Afrika und einer Nato-Kommando-Behörde zur Führung von Luftstreitkräften, arbeiten. 

Die Fluktuation ist groß, alle drei Jahre kommen und gehen die US-Bürger wieder. Manche aber bleiben, so wie Eric Lindon. Der 55-Jährige kam 1985 als Leutnant der US-Luftwaffe nach Ramstein, im Jahr 2000 wurde er als Major pensioniert. Seitdem widmet sich der verheiratete Vater eines Sohnes der Sporthistorie in Kaiserslautern. Lindon ist FCK-Fan seit er in der Westpfalz lebt, er ist unter anderem im Vorstand der "Initiative Leidenschaft - Fritz-Walter-Museum Kaiserslautern e. V." und arbeitet zu sporthistorischen Themen auch für den Sportbund Pfalz und den Südwestdeutschen Fußballverband.

Im Interview mit bundesliga.de erläutert Lindon die Beziehung der US-Amerikaner zum 1. FC Kaiserslautern, erklärt, warum die US-Bürger für den FCK ein Goldschatz sind und wie er als Amerikaner zum Thema Traditionsclubs steht.

bundesliga.de: Herr Lindon, wie begann ihre Liebe zum FCK?

Eric Lindon: Ich wurde 1988 erstmals mit auf den Betzenberg genommen, ich glaube, es war ein Spiel gegen Werder Bremen. Das war die erste Schneeflocke, die ins Rollen gebracht wurde, mittlerweile ist es ein riesiger Schneeball.

bundesliga.de: Was faszinierte sie damals "uffm Betze"?

Lindon: Ich war so begeistert von der Atmosphäre, die vielen Fahnen, die Gesänge. In Amerika ist das eine ganz andere Szenerie, wenn man zum Sport geht. So richtig infiziert worden bin ich aber 1990, damals kaufte ich mir meine erste Dauerkarte, es war die Saison, die mit der Meisterschaft endete. Spieler wie Gerry Ehrmann, Bruno Labbadia, Guido Hoffmann oder Stefan Kuntz waren die Helden für mich. Seit 1998 bin ich Mitglied.

bundesliga.de: Im Schnitt kommen laut Vereinsangaben zwischen 2.000 und 2.500 US-Bürger zu jedem Heimspiel des FCK ins Fritz-Walter-Stadion. Warum kommen so viele Amerikaner zum Fußball, in den USA steht "Soccer" ja im Schatten von Baseball, Basketball und Eishockey?

Lindon: Aber laut Umfragen ist Fußball mittlerweile der von Kindern am meisten gespielte Sport in den USA. Aber es ist so: Die Amerikaner lieben Profisport und wenn man nach Kaiserslautern kommt, dann geht man zum FCK. Die Leute sind neugierig. Die Deutsche sagen immer, die "Amis" hätten keine Ahnung vom Fußball.  Aber die Leute kommen von überall aus den Staaten, manche haben noch nie was von Europa gehört. Die müssen natürlich erstmal lernen, dass es auch ein spannendes 0:0 geben kann, aber auch ein langweiliges 2:2.

bundesliga.de: Was hat es bei der US-Community in der Pfalz ausgelöst, als Tom Dooley als FCK-Spieler für die US-Nationalmannschaft nominiert wurde?

Lindon: Es war kein anderes Gefühl, als zum Beispiel Miroslav Klose für Deutschland nominiert wurde: Wir waren stolz auf Dooley als FCK-Fans. Und unter den Amerikanern herrschte damals auf jeden Fall eine große Begeisterung.

bundesliga.de: Der FCK gibt seit zweieinhalb Jahren einen Newsletter auf Englisch heraus und auch die Stadionzeitschrift gibt es zum Teil in englischer Sprache.

Lindon: Das ist ein richtiger Schritt. Wissen Sie, die Leute kommen und gehen ja alle drei Jahre wieder. Dadurch entsteht eine richtige Basis für FCK-Fans in den USA. Wenn man sich um die kümmert, liegt da ein großes Potenzial.  Der FCK hat da einen Goldschatz in den USA liegen, den man noch mehr heben müsste. Dem FC Bayern folgen viele Fans, weil er so erfolgreich ist, der FCK hat den Austausch mit den USA durch die Base in Ramstein.

bundesliga.de: Einen FCK-Fanclub auf der Base gibt es aber nicht, oder?

Lindon: Nein, meines Wissens nicht. Der FCK sagt, das müsse sich selbst entwickeln bei den Leuten. Vielleicht brauchen die Leute aber einen Anstoß, um sich zusammenzuschließen.

bundesliga.de: Der FCK ist ja ein so genannter Traditionsclub, wie sehen Sie als Amerikaner die Diskussion um Traditionsclubs und so genannte Plastikclubs wie Hoffenheim oder Wolfsburg, die von Mäzenen oder Firmen unterstützt werden?

Lindon: In Amerika herrscht eine ganz andere Kultur im Profisport, die Klubs gehören Eignern, sie sind Unternehmen. Ich stehe der Diskussion in Deutschland neutral gegenüber. Ich sage aber auch immer: Wenn der Horst Eckel Milliardär wäre und sein Geld dem FCK geben würde, würden alle jubeln, weil Eckel mit dem FCK was zu tun hat. Dietmar Hopp unterstützt mit seinem Geld ja auch seinen Heimatclub.

bundesliga.de: Ihr Sohn ist 13 Jahre alt, ist er auch FCK-Fan?

Lindon: In dieser Beziehung bin ich traditionell, ich achte schon darauf, dass er nicht fremdgeht.

Das Gespräch führte Tobias Schächter

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