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2. Bundesliga

16.09.2013 - 10:30 Uhr


"Wir wollen oben ein Wörtchen mitreden"

Daumen hoch: Cottbus-Kapitän Uwe Möhrle traut seiner Mannschaft einiges zu (Copyright: Imago)

Uwe Möhrle bei seiner ersten Bundesliga-Station Hansa Rostock im Jahr 2003 - seitdem spielte der Innenverteidiger in Duisburg, Augsburg, Wolfsburg und nun Cottbus

Möhrle wünscht sich für seine Mannschaft mehr Unabhängigkeit von Torjäger Boubacar Sanogo (l.), der mit sechs Treffern die Torschützenliste der 2. Bundesliga anführt (© Imago)

Der 1. FC Köln hat sich vor Ablauf der Wechselperiode I mit einem Ehemaligen verstärkt: Patrick Helmes geht wieder für die Geißböcke auf Torejagd (© Imago)

Die 2. Bundesliga ist ausgeglichen wie selten. Die Plätze 3 und 14 trennen lediglich drei Punkte. So kann der Achte Energie Cottbus mit einem Erfolg im Montagsspiel gegen den 1. FC Köln die auf Platz 3 notierten Domstädter überholen. Der Cottbuser Kapitän Uwe Möhrle bestreitet gegen den FC sein 300. Profi-Spiel. Nach Stationen in Rostock, Duisburg, Wolfsburg und Augsburg spielt er nun seit fast zwei Jahren in der Lausitz. bundesliga.de sprach mit ihm.
bundesliga.de: Herr Möhrle, wissen Sie eigentlich, dass Ihnen am kommenden Montag ein besonderes Spiel bevorsteht?

Uwe Möhrle: Ja, natürlich. Es wird mein 300. Punktspiel im Profifußball.

bundesliga.de: Exakt. Was denken Sie bei diesem Jubiläum? Wie groß ist der Stolz, die Freude?

Möhrle: Ich bin erst mit 23 Jahren Profi geworden, somit erst im 11. Profijahr und habe also spät den letzten Zug erwischt. Und ich hatte keine gravierenden Verletzungen, konnte deshalb das Maximale rausholen und im Schnitt 30 Spiele pro Jahr machen. Das war schon ganz okay.

bundesliga.de: Wenn man sich Ihre Vita anguckt, fällt auf, dass Sie schon in fast allen Ecken der Republik gespielt haben. Sind Sie ein bisschen ein Wandervogel?

Möhrle: Ich war drei Jahre in Rostock, über vier in Augsburg. Jetzt ich bin ich seit fast zwei Jahren in Cottbus. Geplant waren die Wechsel nicht. Einmal ergab es sich kurzfristig durch einen Abstieg, einmal musste ich gehen. Es ist also eher Zufall als Wanderlust, dass ich die Republik fast komplett "vermessen" habe.

bundesliga.de: Kommen wir auf die aktuelle Saison zu sprechen. Sechs Spieltage sind gespielt. Wie bewerten Sie den bisherigen Saisonverlauf des FC Energie?

Möhrle: Wir haben Luft nach oben und derzeit noch das Manko, dass wir auswärts nicht die Leistung der Heimspiele auf den Platz bringen. Wir hatten vier Auswärtspartien, in denen wir unbeständig gespielt haben. Es waren mehr Punkte drin. Aber das kann und sollte sich noch bessern.

bundesliga.de: Im eigenen Stadion gab es ein 4:0 gegen Paderborn und ein 5:1 gegen Aalen. Da läuft es deutlich besser.

Möhrle: Das ist richtig. Wir haben zwei beeindruckende Heimspiele absolviert und jetzt einen richtigen Kracher vor der Brust. Der 1. FC Köln ist gut drauf und wird der erste richtige Härtetest vor eigenem Publikum. Eine Herausforderung für unsere Mannschaft.

bundesliga.de: Bevor wir noch näher auf den nächsten Gegner eingehen, noch einmal zurück zu Energie Cottbus. Was sind die Stärken der Mannschaft?

Möhrle: Ich bin jetzt die dritte Saison in Cottbus. Im Frühjahr 2012 hat es noch nicht so gut gepasst, da wären wir fast abgestiegen. Im zurückliegenden Jahr haben wir uns in dieser Hinsicht schon deutlich gesteigert. Aktuell haben wir einen sehr breiten Kader und eine ausgeglichene Mannschaft mit vielen jungen Spielern, die hochmotiviert sind. Wir haben eine gute Mischung beisammen und Qualität in der Truppe.

bundesliga.de: Was ist mit dieser Mannschaft perspektivisch in dieser Saison drin?

Möhrle: Wir sind im Vorjahr ganz gut damit gefahren, dass wir als Ziel einen einstelligen Tabellenplatz ausgegeben haben. In diesem Jahr wollen wir uns möglichst verbessern, nachdem wir zuletzt Achter waren. Jetzt stehen wir auf Platz 13. Im Idealfall wollen wir oben ein Wörtchen mitreden, ohne uns aber zu viel Druck aufzuerlegen. Das hat uns im letzten Jahr nicht gut getan. Wenn wir zu viel wollten, ist uns am Ende die Puste ausgegangen. Favoriten sind auf jeden Fall andere.

bundesliga.de: Wie abhängig ist die Mannschaft von den Toren von Boubacar Sanogo, der bereits sechsmal geknipst hat?

Möhrle: Er ist ohne Zweifel eminent wichtig für uns. Darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Wir wollen in dieser Saison trotzdem versuchen, die Verantwortung in der Offensive auf mehrere Schultern zu verteilen, etwas unabhängiger von seinen Toren und weniger ausrechenbar werden. Das beste Beispiel war unser jüngstes Auswärtsspiel in Kaiserslautern, in dem er fehlte. Wir hätten die Partie (die 2:2 endete, die Red.) dennoch gewinnen müssen und haben auch zwei Tore erzielt.

bundesliga.de: Der nächste Gegner, Sie hatten es bereits angesprochen, ist der 1. FC Köln, der sich noch einmal mit Patrick Helmes verstärkt hat. Wie bereiten Sie sich auf den Gegner vor?

Möhrle: Wir sollten uns mit der Kölner Offensivqualität nicht explizit beschäftigen und vor allem nicht in Ehrfurcht erstarren. Natürlich steht auf der Gegenseite jede Menge Klasse auf dem Platz, jeder Fehler von uns könnte bestraft werden. Auf uns wartet extrem viel Arbeit. Aber wir spielen zuhause und wollen, dass sich der Gegner vor allem nach uns richtet, nicht umgekehrt.

bundesliga.de: Im letzten Jahr hat Energie Cottbus die Kölner kräftig geärgert und blieb in beiden Spielen ungeschlagen.

Möhrle: Das stimmt. Wir haben vier Punkte gegen Köln geholt. Wenn wir das wiederholen würden, hätte ich nichts dagegen. Jetzt freuen wir uns auf das Flutlichtspiel vor unseren tollen Fans.

bundesliga.de: Ist der FC ein Aufstiegskandidat?

Möhrle: Natürlich. Wer wenn nicht Köln mit diesen Möglichkeiten? Zusammen mit Kaiserslautern und Fürth werden sie zu den prägenden Vereine in dieser Saison gehören, aber eben auch zu den Gejagten. Normalerweise setzt sich Qualität auf Sicht auch durch, wenn man nicht allzu viel falsch macht. Das heißt aber nicht, dass auch andere Mannschaften oben dran bleiben können. Die Liga ist sehr ausgeglichen, die Unterschiede sind gering. Das sieht man Woche für Woche an den engen Ergebnissen, die man eigentlich nicht erklären kann. Wer nicht 100 Prozent Leistung abruft, wird nur schwerlich ein Spiel gewinnen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski
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