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2. Bundesliga

16.08.2013 - 09:24 Uhr


"Kein Anlass durchzudrehen"

Mit seinem Siegtreffer beim Auftakt in Frankfurt bereitete Dominic Peitz den Anfang für den KSC-Höhenflug (© imago)

Der 28-Jährige (2.v.l.) erzielte am Bornheimer Hang sein elftes Zweitligator seiner Karriere (© imago)

Im Spiel beim FC Ingolstadt am vergangenen Samstag absolvierte Peitz (2.v.l.) sein 100. Zweitligaspiel (© imago)

Köln - Der Karlsruher SC hat einen tollen Start in die 2. Bundesliga hingelegt und empfängt nun nach sieben Punkten aus den ersten drei Partien die SpVgg Greuther Fürth zum Spitzenspiel. Der Tabellenführer aus Franken gastiert am Freitagabend beim Zweiten KSC. Besser geht es derzeit nicht. Entsprechend groß ist Vorfreude beim Aufsteiger aus Karlsruhe. bundbundesliga.de hat mit dem KSC-Mittelfeldstrategen Dominic Peitz gesprochen.
bundesliga.de: Herr Peitz, wie lebt es sich in Karlsruhe in diesen Tagen? Müssen Sie schon ein bisschen auf die Euphoriebremse treten?

Dominic Peitz: Wenn Sie mich so fragen, nehme ich das natürlich sofort an. Es hat sich eigentlich nicht viel geändert, außer der Tatsache, dass drei Spiele gespielt sind. Sicherlich haben wir diese Partien ganz gut bestritten. Aber das sollte nicht den Anlass dazu geben, irgendwie durchzudrehen.

bundesliga.de: Drei Spiele, sieben Punkte, noch kein Gegentor. Das liest sich für den Anfang aber sicher schon einmal gut?

Peitz: Das ist auf jeden Fall eine Basis, auf der man sehr gut arbeiten kann.

bundesliga.de: Wie schwer ist dem KSC die Umstellung von der 3. Liga auf die 2. Bundesliga gefallen?

Peitz: Ich habe vor der Saison gesagt, dass man etwa fünf Spiele braucht, um zu sehen, wohin der Weg geht, was man gut macht und was noch zu verbessern ist. Es ist noch sehr früh in der Saison. Ich bremse dort eher die Euphorie und sage: "Mit sieben Punkten auf dem Konto steigt man am Ende ab, auch wenn das viele nicht hören möchten."

bundesliga.de: Wenn man die Zahlen des KSC in dieser und der vergangenen Saison betrachtet, fällt auf, dass die Mannschaft nur wenige Gegentore bekommt. Ist die Defensive eine der Stärken der Truppe?

Peitz: Das liegt nahe, wenn man bedenkt, dass wir schon zu Drittliga-Zeiten wenig Gegentore bekommen haben. Allerdings würde ich das nicht miteinander vergleichen, weil ganz andere Umstände dazu geführt haben. Prinzipiell ist klar, dass man, sofern man kein Gegentor fängt, zumindest ein Unentschieden sicher hat. Wenn man dann die Chancen nutzt, die man sich vorne erarbeitet, spielt man effektiv.

bundesliga.de: Sechs der sieben Punkte wurden in der Fremde geholt. Fällt es dem KSC im Moment noch leichter, auswärts aufzutreten?

Peitz: Ich glaube, das macht keinen großen Unterschied, ob wir daheim oder auswärts spielen. Generell werden wir von Spieltag zu Spieltag gut eingestellt und bekommen einen guten Plan mit auf den Weg und unsere Fans machen derzeit jedes Spiel zum Heimspiel...

bundesliga.de: Was zeichnet die Mannschaft aus?

Peitz: Jeder einzelne ist gewillt, die Dinge umzusetzen, die vorgegeben werden. Das ist schon einmal durchweg positiv. Ich habe den Eindruck, dass die Mannschaft begreift, dass keine Einzelschicksale im Vordergrund stehen, sondern die Sache. Es kommt der Zeitpunkt, an dem jeder gebraucht wird. Das ist eine wichtige Voraussetzung, wenn man als gesamter Verein erfolgreich sein möchte.

bundesliga.de: Von der Stammelf der Aufstiegsmannschaft hat eigentlich nur Hakan Calhanoglu den Verein verlassen. Kann man dann davon sprechen, dass es ein Vorteil ist, dass die Mannschaft eingespielt ist?

Peitz: Ja. Das sind sonst Dinge, die sicherlich einige Zeit brauchen. Über diesen Punkt sind wir hinweg, weil wir aus dem Vorjahr noch eingespielt sind. Alle Neuen haben es dadurch vielleicht ein wenig einfacher.

bundesliga.de: Von den Neuzugängen haben Reinhold Yabo, Iljan Micanski und Michael Vitzthum öfter den Sprung in die Startelf geschafft. Wie stark schätzen Sie die Neuen ein, hat der KSC an Qualität dazu bekommen?

Peitz: Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen. Es sind ja nicht nur die Neuen. Wir haben auch einige Spieler im Kader, die die 2. Bundesliga vorher auch noch nicht kannten. Daher würde ich sagen, dass im Moment der Saisonstart mit den sieben Punkten aus drei Spielen in Ordnung ist. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir am 1. Spieltag sechs Spieler in der ersten Elf standen, die zuvor noch kein einziges Zweitliga-Spiel bestritten hatten. Wir müssen daher immer im Hinterkopf behalten, es noch zu Phasen kommen kann, in denen wir an Grenzen stoßen. Aber die werden wir dann aufarbeiten und weiter machen.

bundesliga.de: Am nächsten Spieltag kommt es dann zum Topspiel, wenn der Zweite KSC den Tabellenführer Greuther Fürth empfängt. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in das Spiel?

Peitz: Das ist eine schöne Momentaufnahme. Die Konstellation ist eher zufällig. Wir müssen wie gesagt diesen guten Start als Basis nehmen. Von der Tabelle sollten wir uns nicht lenken lassen. Wir haben langfristige Ideen und Ziele, die wir umsetzen möchten. Da spielt dieses Spiel keine übergeordnete Rolle. Wichtig ist, dass die Fans wieder mit Spaß nach Karlsruhe ins Stadion kommen und wir eine ehrliche Arbeit präsentieren, auf die jeder Fan stolz sein kann. Dann wächst auch die Identifikation wieder, dann sind die einzelnen Ergebnisse nicht immer so wichtig, weil die Fans sehen, dass die Mannschaft den Fußball lebt. Diese Momente sind viel wichtiger als die Chance am Freitag, Tabellenführer zu werden. Alle anderen Gedanken an "vorne weg marschieren" oder ähnliches sind Hirngespinste.

bundesliga.de: Aber Sie freuen sich auf das Spitzenspiel schon?

Peitz: Natürlich. Wir freuen uns alle darauf. Es ist ein Freitagabendspiel. Das hatten wir noch nicht in dieser Saison. Solche Flutlichtspiele gehören zu den schönen Momenten einer Saison. Die Konstellation bringt vielleicht mit sich, dass noch ein paar Tausend Zuschauer mehr ins Stadion kommen. Wir wollen den Zuschauern dann ein entsprechendes Spiel bieten und den Schwung mitnehmen, der vielleicht gerade da ist.

bundesliga.de: Wie intensiv haben Sie sich mit dem Gegner beschäftigt?

Peitz: Das fing diese Woche mit dem Montagabendspiel an, das wir uns angeschaut haben. Wir haben eine sportliche Spitze, die akribisch arbeitet und uns immer gut einstellt, auf das, was uns erwartet und was uns stark macht. Entsprechend werden wir das Spiel angehen.

bundesliga.de: Die Vereinsführung hat als Saisonziel etwas mehr als den Klassenerhalt ausgegeben. Was trauen Sie der Mannschaft für eine Rolle zu?

Peitz: Für uns sollte im Vordergrund stehen, gerade nach den Erlebnissen der letzten ein, zwei Jahre, einfach wieder eine gewisse Konstanz in die Leistung der Mannschaft und den Verein reinzubekommen. Der Verein soll langfristig auf einem gewissen Niveau spielen und vielleicht auch ein bisschen mehr. Wir wollen die Leute und das Umfeld begeistern. Dafür brauchen wir Strukturen und Bedingungen, die das ermöglichen. Unabhängig davon kann es immer wieder einmal schlechte Tage und negative Ergebnisse geben. Das darf man bei aller Euphorie nicht vergessen.

bundesliga.de: Höre ich da richtig heraus, dass Sie auch mit Platz 10, 12 oder 14 zufrieden wären?

Peitz: Das habe ich nicht gesagt. Die Vorgabe des Vereins ist, dass wir uns nach oben keine Grenzen stecken. Jetzt ist alles sehr euphorisch. Ich bin eher ein Mann der leisen Töne. Lasst uns das einfach beibehalten. Es wäre ja verrückt, jetzt etwas zu ändern, wo es so gut läuft. Wir müssen uns treu bleiben, die Spiele so bestreiten, wie wir uns das vornehmen und in der Vergangenheit getan haben. Dann schauen wir einmal, wie sich alles entwickelt.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski
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