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2. Bundesliga

21.08.2013 - 12:26 Uhr


"Gemeinsam SEHEN - UNION leben"

Ungewohntes Bild im Stadion an der Alten Försterei: Mit selbst gemalten Plakaten zeigen die Union-Fans ihre Unterstützung für Luca Dausch, den Sohn von Profi Martin (© Imago)

Der Filius (u.) des Mittelfeldspielers (o., mit seiner Frau Lisa, l.) ist an einer seltenen Augenkrankheit erkrankt. Ein Union-Fan rief zu einer gemeinsamen Mal-Aktion auf (© Imago)

Und alle kamen sie: Auch Vereinsikone Torsten Mattuschka ließ sich nicht lange bitten (© Imago)

Im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf fand die Aktion ihren Höhepunkt. Union gewann mit 2:1, Dausch wurde eingewechselt und bedankte sich bei den Fans (© Imago)

Berlin - Es war ein höchst ungewöhnliches Bild am Montagabend um Acht im Stadion an der Alten Försterei. Dort, wo sonst die Ultras des 1. FC Union ihre Zaunfahnen aufhängen, sah man unzählige handgemalte Bilder mit freundlich dreinblickenden Augen.
Schließlich kommt es nicht oft vor, dass die eingefleischtesten Fans freiwillig ihre Heiligtümer verhängen. Doch nicht nur dort, auf der Waldseite, sondern im gesamten Stadion hingen die Bilder. Eine gemeinsame Riesenaktion von Fans, Spielern und Verein - ausgelöst durch einen der ihren.

Luca Dausch: Im Freien nur mit Sonnenbrille



Sommerneuzugang Martin Dausch (kam aus Aalen) hatte Ende Juli erstmals öffentlich von der seltenen Augenkrankheit Aniridie berichtet, die bei seinem im Februar geborenen Sohn Luca diagnostiziert wurde.

Den Betroffenen fehlt die Regenbogenhaut, dadurch kann das Auge den Lichteinfall nicht regulieren. So kann sich die Sehfähigkeit nicht voll entwickeln, manche Menschen erblinden sogar. "Luca muss im Freien eine Sonnenbrille tragen, weil UV-Strahlen seine Hornhaut sofort verletzen würden", sagte Dausch. "Im Verlaufe des Lebens könnte er erblinden." Weil die Krankheit so selten ist, ist sie bislang auch kaum erforscht. Entsprechend fehlen die Therapiemöglichkeiten.

Welle der Solidarität



Doch nachdem Dausch die Krankheit seines Sohnes öffentlich gemacht hatte, brach eine Welle der Solidarität los. Viele Anhänger des Vereins wollten helfen, spenden, einfach irgendetwas tun. Union-Fan Sven Köhler sorgte mit seiner Idee für die entscheidende Inspiration zur Aktion "gemeinsam SEHEN - UNION leben", die ihren Höhepunkt mit dem Heimspiel von Union gegen Fortuna Düsseldorf am Montagabend fand.

"Union bedeutet Gemeinschaft. Wir sind sehr viele, die gerne helfen möchten und das können wir am besten gemeinsam tun", begründete Köhler seine Initative. "Ich habe im Urlaub Ketten aus selbstgemalten Bildern in den Straßen einer kroatischen Stadt hängen sehen. Das hat mich sehr beeindruckt und auf die Idee gebracht, so etwas hier auch zu versuchen", erklärt der Union-Fan die Idee.

Mattuschka und Co. schwingen den Pinsel



So malten Fans, Schulklassen und Kindergartengruppen über 1.000 Bilder von fröhlichen Augen. Ein Teil davon wurde im Rathaus Köpenick ausgestellt, der andere Teil eben am Spieltag im Stadion präsentiert: Als Ketten an den Zäunen der Waldseite, an den übrigen Tribünen, auf Werbeflächen - einfach überall. Fans konnten und können die Bilder für zehn Euro kaufen. Auch per Bierbecherspende und Sammelbüchsen spendeten die Eisernen.

Die Mannschaft machte ebenfalls mit: Am Sonntag vor dem Spiel tauchten Torsten Mattuschka und Co. beim großem Maltag auf und schwangen selbst den Pinsel. Schon vorher hatten die meisten Stammspieler Trikots und andere Utensilien wie etwa Torwarthandschuhe für eine Versteigerung gespendet.

Dausch: "Mir fehlen die Worte"



Nachdem am Montag beim Spiel schließlich das ganze Stadion den Namen von Dausch, der in der 75. Minute eingewechselt worden war, skandiert hatte, war der 27-Jährige endgültig überwältigt: "Ich muss sagen, mir fehlen echt die Worte. Was das alles für Kreise zieht, Wahnsinn." Der Mittelfeldspieler räumte ein: "Das hätte ich nie gedacht. Ich kann einfach nur Danke sagen. All den Fans und all den Menschen, die das hier möglich gemacht haben."

Auch Dr. Barbara Käsmann-Kellner, die Augenärztin des kleinen Luca, bedankte sich. Die Medizinprofessorin von der Universitätsklinik Homburg schrieb an alle Unterstützer: "Was Ihr in den letzten Wochen für die so seltene angeborene Sehbehinderung Aniridie an Möglichkeiten durch Eure Aktionen und Spenden geschaffen habt, ist unglaublich."

Wie es von Seiten des Vereins heißt, sind zwar noch nicht alle Spendengelder ausgezählt, doch es wird erwartet, dass die Marke von 10.000 Euro locker überschritten wird. Alle Einnahmen gehen auf das Konto des Vereins AWS Aniridie-Wagr - für den natürlich auch Fans anderer Vereine spenden können:

Spendenkonto Wissenschaft und Forschung des AWS Aniridie-Wagr e.V.
Konto Nr. : 100 132 837
BLZ: 770 918 00
Institut: Raiffeisen Volksbank Lichtenfels
IBAN: DE 43 7709 1800 0100 1328 37
BIC-Code: GENODEF1LIF


Aus Berlin berichtet Andre Anchuelo
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