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2. Bundesliga

17.11.2013 - 17:02 Uhr


"Bochum gehört in die Bundesliga"

Peter Neururer und der VfL - das passt. Nach einer Durststrecke hat der Kult-Trainer den Ruhrpott-Club nun gegen Tabellenführer Köln zum Sieg geführt

Neururer rettete Bochum in der Vorsaison vor dem Abstieg - und musste sich als Wetteinlösung seine Haare blau und weiß färben

Seine erfolgreichste Zeit mit Bochum hatte er bei seinem ersten Engagement dort: 2004 erreichte er mit dem VfL Platz 5 - und ließ es sich nicht nehmen, seinen Moonwalk zu zeigen

Bochum - Der VfL Bochum befindet sich weiter im Aufwind. Nach sieben Punkten aus den letzten drei Spielen ohne Gegentor und einem großartigen Erfolg gegen den Tabellenführer 1. FC Köln hat sich die Mannschaft von Peter Neururer ins Mittelfeld der Tabelle absetzen können.
Der Kult-Trainer spricht im Interview mit bundesliga.de über die Entwicklung der Mannschaft, seinen Stürmer Richard Sukuta-Pasu und die Ziele des VfL.

bundesliga.de: Herr Neururer, letzte Woche haben wir vor dem Köln-Spiel mit Ihrem Stürmer Richard Sukuta-Pasu gesprochen. Zu dem Zeitpunkt meinte er noch, die Stimmung sei nicht so gut. Das dürfte sich nach dem Sieg gegen den vorher ungeschlagenen Tabellenführer 1. FC Köln geändert haben?

Peter Neururer: Die Stimmung war noch nie schlecht, aber verständlicherweise auch nicht besonders gut. Sie war der Situation angemessen. Hier bricht keiner in Panik aus, wenn wir Spiele verlieren. Auch wenn man mit einigen Niederlagen nicht rechnen musste. Aber wir haben immer in Ruhe weiter gearbeitet. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Spieler, die unter Druck sind, das etwas anders sehen.

bundesliga.de: Beim VfL erstaunt diese überragende Bilanz gegen die Topteams der 2. Bundesliga, gegen die zehn Punkte geholt wurden.

Neururer: Nein. Das ist für mich überhaupt nicht erstaunlich.

bundesliga.de: Nicht? Warum gewinnt die Mannschaft dann gegen Köln und verliert gegen Ingolstadt? Das kann der Fan nur schwer begreifen.

Neururer: Wenn man unsere Mannschaft kennt und sieht, welche Fluktuation wir im Kader hatten und welche Spieler neu dazugekommen sind, dann ist es vollkommen normal, dass wir bei einer gewissen Qualität, die wir zweifelsfrei haben, in erster Linie reagieren können. Reagieren auf das, was der Gegner anbietet. Dazu sind wir imstande. Wenn wir selbst die Dinge bestimmen sollen, stellen wir fest, dass wir noch nicht so weit sind. Dafür braucht die Mannschaft noch etwas Zeit.

bundesliga.de: Inwieweit ist Ihre Mannschaft auch für Sie noch unberechenbar?

Neururer: Für mich ist die Mannschaft nicht unberechenbar. Es passiert nur, was ich vorausgesagt habe. Wenn alles normal läuft, werden wir zwischen Platz 8 und 12 landen. Wir wollen unser Ziel erreichen, das da heißt: Wir wollen so schnell wie möglich den Klassenerhalt perfekt machen, um dann möglichst frühzeitig planen zu können für eine Saison, in der es dann für uns nur darum gehen muss, um den Aufstieg mitzuspielen. Von daher ist die Entwicklung in diesem Jahr vollkommen normal.

bundesliga.de: In den letzten drei Spielen hat der VfL dreimal zu null gespielt. Ist die Defensive die Grundlage des Erfolges?

Neururer: Das ist grundsätzlich so bis zur absoluten Spitzenklasse. Wir haben nicht den Catenaccio neu erfunden. Aber wir haben festgestellt, dass wir mit der Spielanlage, die wir im Augenblick teilweise aus der Not geboren haben, erfolgreich sind. Damit sind wir zufrieden.

bundesliga.de: Umso mehr freuen Sie sich sicherlich, dass bei Ihrem Stürmer Sukuta-Pasu in den letzten Spielen der Knoten geplatzt ist. Sie haben ihm immer vertraut und lange an ihm festgehalten, auch als er nicht getroffen hat.

Neururer: Genau. Dafür hat er sich nun auch selber belohnt. Er hat einen unglaublichen Aufwand betrieben und für die Mannschaft gearbeitet. Er hat ihr damit große Dienste erwiesen. Vorher hatte er unglückliche Aktionen, ein Tor von ihm wie am 2. Spieltag in Dresden wurde nicht gegeben. Anschließend hatte er einen schlechten Lauf. Den hat er in den letzten beiden Spielen dahingehend gedreht, dass er die entscheidenden Tore erzielt hat.

bundesliga.de: Sie haben eben gesagt, dass Sie in Bochum in Ruhe arbeiten können. Das gilt nicht für alle Kollegen in der 2. Bundesliga. Schon sechs Trainer wurden entlassen. Wie bewerten Sie das?

Neururer: Das ist traurig. Da stellen sich mir persönlich immer die Fragen: Was hat der jeweilige Verein im Vorfeld der Saison geplant? Wie hat er die Qualitäten seines leitenden Angestellten, also seines Trainers, eingeschätzt? Es ist immer der einfachste Weg zu sagen: Der Trainer muss eben gehen. Manche Leute machen es sich dann verdammt einfach.

bundesliga.de: Im nächsten Spiel gastiert der VfL bei Arminia Bielefeld. Wie schwer wird die Aufgabe?

Neururer: Genauso schwer wie jedes Spiel auch. Gegen Köln war es allerdings leichter.

bundesliga.de: Weil die Mannschaft gegen Köln Außenseiter war und das Spiel nicht machen musste?

Neururer: Genau. Das war gegen Köln so, in Cottbus, bei Greuther Fürth, in Berlin. Diese Spiele haben wir allesamt gewonnen.

bundesliga.de: Sie hatten in der Vorsaison sechs Spiele Zeit, Bochum vor dem Abstieg zu retten. Ist Ihr Trainerleben jetzt stressfreier?

Neururer: Das war kein Stress. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, diese schwierigste Situation, mit der ich jemals konfrontiert war, zu lösen. Es hat sechs Wochen gedauert und war wunderbar. Jetzt gilt es genauso konsequent eine andere Arbeit zu machen, eine Mannschaft neu aufzubauen und sie in absehbarer Zeit dort hinzuführen, wo der VfL Bochum hingehört. Nämlich in die Bundesliga. In diesem Jahr ist das aber noch kein Thema.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski
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