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2. Bundesliga

25.06.2013 - 13:28 Uhr


Todt: "Die Jugendarbeit ist die große Chance des KSC"

Jens Todt beerbt den nach Hamburg abgewanderten Oliver Kreuzer als Sportdirektor beim Karlsruher SC

Der ehemalige Bundesliga-Profi kam in 208 Bundesliga-Partien zum Einsatz und erziehlte 21 Tore. Station machte er unter anderem beim SC Freiburg

In Bremen erzielte er in 72 Spielen sechs Tore. 1999 holte er mit Werder den DFB-Pokal

Beim VfB Stuttgart kam Todt (r., gegen Rene Rydlewicz) aufgrund zahlreicher Verletzungen aber nicht mehr regelmäßig zum Einsatz und beendete 2003 seine aktive Profi-Karriere

Karlsruhe - Der ehemalige Bundesliga-Akteur Jens Todt heuert beim Karlsruher SC an. Nach seinem zweijährigen Engagement als Manager beim VfL Bochum beerbt er in Baden jetzt den zum Hamburger SV abgewanderten Oliver Kreuzer.
Zu seiner aktiven Zeit als Spieler machte er beim SC Freiburg, Werder Bremen und dem VfB Stuttgart Station und kam dabei auf 208 Bundesliga-Einsätze. Todt hat große Ziele mit dem Zweitliga-Aufsteiger. Dabei setzt er allerdings auf Realismus - und den eigenen Nachwuchs.

bundesliga.de: Herr Todt, wie sind Ihre ersten Eindrücke vom neuen Arbeitsplatz?

Jens Todt: Sehr positiv. Ich hatte, bevor es zur Vertragsunterschrift kam, je ein Treffen mit Präsident Wellenreuther und eines mit dem gesamten Präsidium. Von den Gesprächen ist nicht das Geringste nach außen gedrungen. Das ist in einer Branche, in der vieles totgeredet wird, schon mal ein richtig gutes Zeichen.

bundesliga.de: Bei Ihrer letzten Station, in Bochum, haben Sie zuletzt zusammen mit Karsten Neitzel als Trainer gearbeitet, einem ehemaligen Mitspieler aus Freiburger Zeiten. KSC-Coach Markus Kauczinski hingegen kannten Sie bislang noch nicht, oder?

Todt: Nein, nicht persönlich. Aber was ich in der Branche über ihn gehört hatte, hat sich in unserem Telefonat bestätigt: Er scheint ein absolut klarer, geradliniger Typ zu sein. Ich bin mir sicher, dass wir gut zusammenarbeiten werden.

bundesliga.de: Sowohl Sie als auch der Präsident sprachen schon vom Fernziel erste Liga. Ist das nicht gewagt, wenn man gerade aus der 3. Liga aufgestiegen ist?

Todt: Man muss die Aussage zeitlich richtig einordnen. Wir haben gesagt, dass für einen Verein mit der Vergangenheit des KSC irgendwann auch wieder die Bundesliga ein Thema sein muss. Zunächst müssen wir uns natürlich in der zweiten Liga konsolidieren, zumal wir da mit einem 6,5-Millionen-Etat deutlich unter dem Durchschnitt liegen. In den vergangenen Jahren ist es hier nicht so gut gelaufen, dementsprechend bescheiden sollte der KSC agieren. Auch wenn der sofortige Wiederaufstieg jetzt gelungen ist - damit wurde nur der absolute GAU des Zweitliga-Abstiegs korrigiert.

bundesliga.de: Im Umfeld sind allerdings die glorreichen Zeiten des KSC noch sehr präsent. Das 7:0 gegen Valencia ist noch oft Gesprächsthema.

Todt: Das ist ja auch in Ordnung so! Ich kann mich noch gut an die Zeit als Freiburg-Spieler erinnern, da hatte man in Karlsruhe immer den Eindruck, dass die Leute in den Wildpark strömen, wenn nur ein kleines bisschen Hoffnung auf sportliche Erfolge aufkeimt. So ein Erbe kann Hypothek sein, aber auch etwas, das einen beflügelt. Trotzdem müssen wir realistisch bleiben, so lange die wirtschaftlichen Bedingungen nicht besser sind. In den vergangenen Jahren sind außer Düsseldorf, Fürth und Braunschweig ausschließlich Vereine aufgestiegen, die mit sehr hohen Zweitligaetats ausgestattet waren. Und auch die haben es meist erst nach mehreren Anläufen geschafft.

bundesliga.de: In Wolfsburg und beim HSV haben sie die Leistungszentren geleitet. Will der KSC mit Ihnen sein Profil als Ausbildungsverein schärfen?

Todt: Ich habe den Eindruck, dass der Nachwuchs zuletzt schon eine sehr gute Rolle in Karlsruhe gespielt hat. Er ist ein enorm wichtiger Teil der Vereinsphilosophie. In den vergangenen Jahren haben die Vereine, die traditionell eine gute Nachwuchsarbeit machen - wie der KSC, Stuttgart oder Freiburg - ihren Vorsprung aber ein wenig eingebüßt. Durch die Zertifizierung der Leistungszentren wird jetzt überall gut gearbeitet. Das macht es für Vereine wie den KSC oder Freiburg nicht leichter. Gerade haben wir wieder die Maximalzahl von drei Sternen vom DFB erhalten. Das zeigt: Wir machen hier gute Arbeit - und das soll auch so bleiben.

bundesliga.de: Aber nicht überall kommen die Jungen dann zum Einsatz.

Todt: Und genau das ist die große Chance des KSC. Die jungen Spieler, ihre Berater und Eltern müssen weiterhin sehen, dass die Talente hier eine reelle Chance haben, sich im Profifußball einen Namen zu machen. Übrigens: Gerade hierfür wurde der KSC in der Zertifizierung ausdrücklich gelobt.

bundesliga.de: Fürths Trainer Frank Kramer sagt: "Wir können nicht den sofortigen Aufstieg versprechen. Aber wir können versprechen, dass es den Verein in 50 Jahren noch gibt…"

Todt: So ist es. Das Zitat gefällt mir richtig gut.


Das Gespräch führte Christoph Ruf
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