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2. Bundesliga

29.03.2013 - 19:11 Uhr


"Wir können uns nur noch selbst schlagen"

Fabian Lustenberger (r.) wechselte 2007 zu Hertha BSC, er ist der dienstälteste Profi des Vereins

In der aktuellen Spielzeit ist der 24 Jahre alte Schweizer (r.) bislang 25 Mal für die Berliner aufgelaufen

Drei Treffer hat Lustenberger (r.) in insgesamt 116 Liga-Spielen erzielt, außerdem sechs Mal zu Toren aufgelegt

München - Mit zwölf Punkten Vorsprung auf Platz 3 steuert Hertha BSC acht Spieltage vor Saisonende souverän den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga an. Zu den Erfolgsgaranten des Tabellenführers zählt auch Mittelfeldspieler Fabian Lustenberger, der in nur einem Spiel fehlte. bundesliga.de bat den 24-jährigen Schweizer, den dienstältesten Hertha-Profi, zum Interview.
bundesliga.de: Herr Lustenberger, Sie sind ein Schweizer in Berlin und spielen seit fast schon sechs Jahren in der deutschen Hauptstadt. Ist Hertha Ihr Traumverein?

Fabian Lustenberger: Als Kind hätte ich sicher nicht gedacht, dass ich irgendwann einmal so lange bei Hertha spielen würde. Aber Tatsache ist, dass ich mich in Berlin auch privat sehr wohl fühle. Ich habe mittlerweile mit meiner Freundin ein Kind, das in Berlin geboren wurde. Das verbindet einen natürlich mit der Stadt. Und dem Verein habe ich auch sehr viel zu verdanken.

bundesliga.de: Was macht den Reiz von Hertha BSC aus?

Lustenberger: Das hängt auch viel mit der Stadt zusammen. Berlin hat seinen Reiz. Hertha ist ein Traditionsverein, der auch abgesehen von vielleicht den letzten zwei, drei Jahren viele Erfolge gefeiert hat. Hertha ist ein großer Verein mit vielen Fans in ganz Deutschland. Das ist ein besonderer Verein.

bundesliga.de: Der Unterschied zum beschaulichen Luzern, wo Sie vorher gelebt haben, könnte kaum größer sein.

Lustenberger: Das kann man sicher sagen. Allgemein ist hier im Vergleich zur Schweiz alles zwei, drei Nummern größer.

bundesliga.de: Kommen wir zum aktuellen Fußball. Es sind noch acht Spiele zu spielen, Hertha fehlen zum Aufstieg noch vier Siege. Steigt langsam die Vorfreude auf die Feierlichkeiten, oder ist es dafür noch viel zu früh?

Lustenberger: Dafür ist es noch zu früh. Es ist auch noch ganz ruhig. Wir wissen genau, dass noch acht Spiele zu spielen sind. Wir wissen aber auch, dass wir ganz schwer zu schlagen sind, wenn wir unsere Leistung abrufen und unser Spiel durchziehen. Das haben wir in den letzten Monaten bewiesen. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass wir in der ganzen Saison erst zwei Spiele verloren haben. Wir haben Qualität, müssen aber in den kommenden Spielen noch hart arbeiten. Aber in den letzten Wochen haben wir genügend Selbstvertrauen getankt. Deswegen glaube ich, dass wir uns nur noch selbst schlagen können.

bundesliga.de: Was war ausschlaggebend, dass die Hertha nach dem schwierigen Start in die Saison so durchstarten konnte? Gab es ein Aha-Erlebnis, war es die Wutrede des Trainers Jos Luhukay schon nach dem 2. Spieltag?

Lustenberger: Die Wutrede kam sicherlich zum rechten Zeitpunkt. Danach haben wir gegen Regensburg ein wichtiges Spiel gewonnen. Wichtig war auch der Derbysieg bei Union Berlin. Da haben wir gezeigt, dass wir den Kampf, der in der 2. Bundesliga üblich ist, annehmen. Die Umstellung ist für einen Bundesliga-Absteiger erst einmal nicht so einfach. Der Derbysieg war auch ein Fingerzeig an die Fans, dass wir da sind und alles geben, weil wir unbedingt wieder hoch wollen. Von da an lief es immer besser.

bundesliga.de: Wie sind Sie mit dem Druck, aufsteigen zu müssen, umgegangen?

Lustenberger: Der Druck ist unverändert da. Aber man profitiert davon, dass man um seine eigene Stärke weiß und selbstbewusst auftritt. Dann fühlt man sich in der Situation einfach wohl. Durch die Siege hat man Selbstvertrauen, der Wohlfühlfaktor ist hoch. So konnten wir die Serie starten.

bundesliga.de: Inwieweit profitieren Sie davon, dass Sie vor zwei Jahren schon einmal diese Erfahrung machten und den direkten Wiederaufstieg schafften?

Lustenberger: Gar nicht einmal so sehr. Es sind ja nicht mehr alle Spieler dabei, es sind viele neue Spieler gekommen. Es gab im Sommer einen Umbruch. Ausschlaggebend war, dass wir eine gute Mannschaft mit viel Qualität haben, die ihr Potenzial auch abruft. Das haben wir ab dem 3. Spieltag geschafft.

bundesliga.de: Welche Rolle spielt der Trainer, der in seiner Vita schon einige Bundesliga-Aufstiege stehen hat?

Lustenberger: Eine wichtige. Er hat uns von Anfang an mit auf den Weg gegeben, dass harte Arbeit notwendig sein wird und wir in jedem Spiel hochkonzentriert sein müssen. Das haben wir auch umgesetzt. Er leistet gute Arbeit. Das sieht jeder. Wir sind alle froh, dass er da ist und es so gut läuft.

bundesliga.de: Wie sehen Sie mittelfristig die Perspektive, wenn jetzt der Aufstieg klappt?

Lustenberger: Wichtig ist, dass nicht Erwartungen geschürt werden, die wir nicht einhalten können. In erster Linie geht es dann um den Klassenerhalt. Hertha muss sich erst wieder in der Bundesliga etablieren. Man sieht immer wieder, dass auch Vereine mit weniger Möglichkeiten in der Bundesliga absolut mitspielen können. Das ist ein Fingerzeig an uns, dass alles möglich ist. Aber wir dürfen uns jetzt nicht durch die Presselandschaft in Berlin verrückt machen lassen. Wir werden sehen, wie sich das weiterentwickelt.

bundesliga.de: Aber noch ist das alles Zukunftsmusik, erst muss der Aufstieg realisiert werden. Nächster Gegner im Liga-Alltag ist am kommenden Samstag der VfL Bochum. Wie schwer wird die Aufgabe?

Lustenberger: Jedes Spiel in der 2. Bundesliga ist schwer. Wenn es einfach wäre, müssten wir nicht mehr antreten. Bochum hat in den letzten Spielen gezeigt, dass es schwierig wird. Sie haben gut gespielt, aber nicht die Resultate geholt. Aber wir haben einen sehr guten Kader. Wenn wir unsere Qualität abrufen können, haben wir gute Chancen, das Spiel zu gewinnen. Wir müssen dagegen halten, die Bochumer aus dem Spiel nehmen. Dann wird sich unsere spielerische Qualität durchsetzen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski
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