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2. Bundesliga

28.04.2013 - 17:21 Uhr


"Liebe zur Eintracht wird mit der Muttermilch eingesogen"

Horst Wolter bestritt insgesamt 243 Bundesligaspiele für Braunschweig und Hertha BSC

1967 gewann Wolter (3.v.l.) mit Braunschweig die Deutsche Meisterschaft

Torsten Lieberknecht (l.) bekommt nach dem Aufstieg die obligatorische Bierdusche ab

Braunschweig - Horst Wolter gehört zu den Spielern der ersten Stunde in der Bundesliga, die in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag feiert. "Nie im Leben", habe er damals, 1963, daran gedacht, dass sich die neu gegründete Liga zu einer solchen Erfolgsstory entwickeln würde.
Der Aufstieg von Eintracht Braunschweig ist für ihn etwas ganz Besonderes. "Das ist eine ganz große Sache nach 28 Jahren Abstinenz", schwärmt Wolter. 1967 gewann der heute 70-Jährige mit der Eintracht sensationell die Deutsche Meisterschaft. Nur 27 Gegentreffer ließ der Nationaltorhüter im Meisterjahr zu. Eine Rekordmarke, die erst 21 Jahre später von Oliver Reck und Werder Bremen unterboten wurde.
Der WM-Dritte freut sich in diesem Jahr gleich doppelt. Denn nach 195 Liga-Spielen kehrte der - nach eigener Aussage - "Rucksackberliner" in seine Heimat zurück und beendete seine Karriere bei Hertha BSC. "Ich freue mich, dass meine beiden Clubs aufsteigen."

bundesliga.de: Herr Wolter, Sie sind 1959 als A-Jugend-Spieler von Berlin nach Braunschweig gekommen. Heutzutage mit den Fußball-Internaten ein ganz normaler Vorgang, aber damals spielten Berliner in Berlin, Hamburger in Hamburg ... Wie kam es dazu?

Horst Wolter: (lacht) Das hatte mit Fußball überhaupt nichts zu tun. Ich kam als unbegabter rechter Verteidiger nach Braunschweig. Den linken Fuß hatte ich nur, um nicht umzufallen. Nein, ich bin ja im Gebiet der DDR geboren, mein Vater war Grenzgänger, hat in Westberlin gearbeitet und konnte dann in Braunschweig eine Bäckerei übernehmen. So bin ich hierher gekommen. Die Entdeckung als Torwart kam dann später und eher zufällig, weil ich den Stammtorwart mal ersetzen musste. Das hab‘ ich dann offensichtlich ganz ordentlich gemacht.

bundesliga.de: Welche Bedeutung hat der Aufstieg in der Stadt?

Wolter: Das ist eine ganz große Sache nach 28 Jahren Abstinenz. In Braunschweig wird die Liebe zur Eintracht mit der Muttermilch eingesogen. Ich sehe das ja bei meinen Enkeln. Bettwäsche, Kinderzimmer - alles in Blau-Gelb.

bundesliga.de: Haben Sie noch Kontakt zu Eintracht Braunschweig?

Wolter: Aber sicher, ich bin mit ganzem Herzen dabei.

bundesliga.de: Sie wurden 1967 Meister mit der Eintracht. Beschreiben Sie mal, wie die Stimmung war in der Stadt.

Wolter: Wahnsinn. Über 60.000 Menschen haben uns auf dem Markt in der Altstadt gefeiert.

bundesliga.de: Sie haben nach ihrer Zeit bei der Eintracht ihre Karriere bei Hertha BSC ausklingen lassen. Die Hertha steht als Aufsteiger ebenfalls bereits fest ...

Wolter: Ja. Ist das nicht schön. Beide Ex-Clubs steigen auf. So kann ich gleich zwei Mal groß feiern.

bundesliga.de: Was wünschen Sie der Eintracht für die Bundesliga?

Wolter: Bitte, bitte keine Fahrstuhlmannschaft.

bundesliga.de: Ist der Kader stark genug?

Wolter: Ich halte nichts davon, jetzt einfach sechs Neue zu holen. Aber ich bin sicher, Torsten Lieberknecht weiß, was zu tun ist. Taktisch müssen wir uns eventuell etwas einfallen lassen. Besonders für den Fall, dass Domi Kumbela ausgeschaltet wird, brauchen wir alternative Ideen im Angriff.

bundesliga.de: Wie lässt sich ein direkter Wiederabstieg vermeiden?

Wolter: Wichtig ist ein guter Start. Besonders fürs Selbstvertrauen. Wir wurden im Gründungsjahr der Liga als Absteiger Nummer eins gehandelt und mussten im ersten Spiel zu 1860 München mit seinen Stars wie Radi (Torwart Petar Radenkovic; die Red.), waren absoluter Außenseiter. Wir haben 1:1 gespielt. Das hat uns Selbstvertrauen für die gesamte Saison gegeben. Und wir sind dann ja nicht nur drin geblieben, sondern ein paar Jahre später sogar Meister geworden.

bundesliga.de: Sie sprachen es schon an, Sie waren bei Gründung der Liga dabei. Hatten Sie damals damit gerechnet, dass die Bundesliga so eine Erfolgsstory wird?

Wolter: Nie im Leben. Es konnte keiner ahnen, dass die Liga so ein Wirtschaftsfaktor wird. Und schauen Sie sich die tollen Stadien an, und Woche für Woche voll. Und die Leistungen sind hervorragend. Ich schwärme immer noch von den Halbfinalhinspielen (Wolter meint die Champions-League-Spiele des FC Bayern gegen Barcelona und Dortmund gegen Real Madrid; die Red.).

bundesliga.de: Klingt, als würden Sie gern in der heutigen Zeit in der Bundesliga spielen.

Wolter: Die Gnade der späten Geburt hätte ich für diesen Fall tatsächlich gern.

bundesliga.de: Zumal es ja auch mehr zu verdienen gibt als zu Ihrer Zeit.

Wolter: Das ist richtig. Wenn man nichts falsch macht, braucht man ein Trockengebläse im Keller, damit die Geldscheine nicht schimmeln (lacht). Aber im Ernst, so wie in Dortmund vor 80.000 Zuschauern zu spielen, diese Wahnsinnstimmung in den Stadien. Da kriegt man doch schon beim Zuschauen Gänsehaut. Das würde ich gern mal erleben.

Das Gespräch führte Jürgen Blöhs
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