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2. Bundesliga

02.11.2012 - 09:17 Uhr


"Können uns nicht mit Hertha vergleichen"

Stefan Leitl belegt mit dem FC Ingolstadt aktuell Rang 5 - mit einem Sieg in der Hauptstadt könnten die Bayern mit der zweitplatzierten Hertha nach Punkten gleichziehen

Über eine stabile Defensive zum Erfolg - dafür steht FCI-Trainer Tomas Oral

Beim letzten Duell der Schanzer gegen die "Alte Dame" verschoss Stefan Leitl einen Foul-Elfmeter - beide Teams trennten sich mit einem 1:1-Unentschieden

München - Der FC Ingolstadt 04 gehört zweifellos zu den positiven Überraschungsteams der 2. Bundesliga. Jetzt reist die auswärts noch ungeschlagene Mannschaft von Trainer Tomas Oral zum Topspiel beim Aufstiegsfavoriten Hertha BSC. Vorher sprach FCI-Kapitän Stefan Leitl im Interview mit bundesliga.de über die rasante Entwicklung der Oberbayern.
bundesliga.de: Herr Leitl, Sie müssen sich gerade in Ingolstadt sehr wohl fühlen. Sie sind seit sechs Jahren dabei, aber so gut stand der FCI selten da. Machen Sie gerade die schönste Zeit in Ingolstadt mit?

Stefan Leitl: Nein, es gab schon viele schöne Phasen. Auch in der Zeit, in der es vielleicht nicht so gut lief, haben wir uns mit tollen Siegesserien immer wieder nach oben gearbeitet. Das waren auch schöne Zeiten. Jetzt haben wir eine andere Situation. Wir sind zum ersten Mal richtig gut in die 2. Bundesliga gestartet. Das macht Mut und gibt noch mehr Selbstvertrauen. Wir stehen nicht mit dem Rücken zur Wand.

bundesliga.de: Im letzten Heimspiel gab es auch den zweiten Sieg vor eigenem Publikum. Während es auswärts bestens lief, tat sich Ingolstadt daheim schwer. Warum?

Leitl: Wir waren in fast allen Heimspielen gezwungen, das Spiel zu machen. Da haben wir uns ein bisschen schwer getan. Wir haben immer ordentlich gespielt, dann aber vielleicht etwas kopflos und zu risikoreich gespielt und sind dann in Konter gelaufen. So haben wir die Gegner stark gemacht. Deshalb haben wir uns im letzten Heimspiel gegen Aalen vorgenommen, ruhig weiter zu spielen und das 0:0 erst einmal gehalten.

bundesliga.de: Mit Erfolg, das Spiel wurde 2:0 gewonnen. Ist die starke Defensive der Garant für den gegenwärtigen Erfolg?

Leitl: Wir haben uns darauf besonnen, was uns in der Vergangenheit stark gemacht hat. Dazu muss die komplette Mannschaft in der Defensive gut mitarbeiten. Wir haben auch gute Einzelspieler, die sehr dynamisch und schnell sind. Daher können wir Kontersituationen recht gut ausspielen.

bundesliga.de: Wie beurteilen Sie die Entwicklung nach der guten Rückrunde?

Leitl: Ich glaube, dass wir einen Schritt nach vorne gemacht haben. Die Spieler, die schon länger hier sind, haben sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Wir haben auch gute Jungs dazubekommen, echte Verstärkungen, die das Niveau der Mannschaft angehoben haben. Wir haben eine gute Qualität. Durch die Punktzahl, die wir erreicht haben, haben wir an Selbstvertrauen dazugewonnen. Das macht einen automatisch selbstbewusster.

bundesliga.de: Welchen Anteil hat Trainer Tomas Oral am Erfolg? Was zeichnet ihn aus?

Leitl: Er ist unheimlich akribisch. Er hat uns in einer ganz schwierigen Phase im November mit nur vier Punkten auf dem Konto übernommen. Zu dem Zeitpunkt war es so, dass er uns viel Mut zusprechen musste. Wir mussten ja noch vor der Winterpause punkten. Er hat dann erkannt, dass die Qualität zum damaligen Zeitpunkt nicht ausreichend war, um die Liga zu halten. Deshalb haben wir uns in der Winterpause Verstärkungen geholt, die geholfen haben, den Klassenerhalt zu sichern. Wir versuchen, seine Philosophie umzusetzen.

bundesliga.de: Wie sieht die Philosophie aus?

Leitl: Wir wollen über eine gute Defensivarbeit unser Spiel nach vorne tragen. Mit vielen Ballstafetten und Kurzpassspiel. Aber in erster Linie die Defensivarbeit von allen Spielern.

bundesliga.de: Das hat Ingolstadt bis auf Platz 5 gebracht. Ist mit dieser Platzierung jetzt das Ende der Fahnenstange erreicht? Oder ist noch mehr drin?

Leitl: Der Platz ist eine Momentaufnahme. Wir wollen so viele Punkte wie möglich und so schnell wie möglich holen und uns weiter in der 2. Bundesliga etablieren. Momentan sieht es sehr gut aus. Wohin der Weg am Ende führen wird, das lassen wir jetzt erst einmal dahingestellt.

bundesliga.de: Sie spielen die Stärke des FCI jetzt aber auch ein bisschen herunter. Ingolstadt war schon die fünftbeste Mannschaft der Rückrunde und steht jetzt nach elf Spieltagen wieder auf Platz 5. Da kann man doch von einer Stabilität sprechen?

Leitl: Absolut. Wir wissen auch, dass wir eine gute Mannschaft haben. Wir müssen Woche für Woche an unsere Leistungsgrenze gehen, um diese Punkte auch einzufahren und die Spiele gewinnen zu können. Bei uns ist es nicht so, dass wir zwei, drei Spieler innerhalb eines Spiels mitschleppen können. Dann kriegen wir Probleme. Die Kunst besteht darin, dass jeder Einzelne eine gewisse Konstanz auf den Platz bringt. Dann sind wir in der Lage, um einen einstelligen Platz mitzuspielen. Aber dafür muss alles passen.

bundesliga.de: Mit einem Sieg in Berlin könnten sie mit der Hertha nach Punkten sogar gleich ziehen.

Leitl: Aber das kann man nicht vergleichen. In Berlin steckt schon mehr dahinter. Wir sind ein ganz junger Verein und am Anfang unserer Entwicklung. Die Hertha oder auch Braunschweig sind Traditionsvereine mit viel Substanz und vielen Zuschauern. Die sind Drucksituationen gewöhnt. Wir müssen uns erst etablieren, sind aber auf einem guten Weg.

bundesliga.de: Was erwarten Sie für ein Spiel in Berlin?

Leitl: Erst einmal freuen wir uns auf das Spiel. Das ist für uns etwas Besonderes. Wir spielen wahrscheinlich vor 40.000 Zuschauern gegen den Topfavoriten der 2. Bundesliga. Wir werden uns auf unsere Stärken konzentrieren und dann versuchen, in Berlin etwas mitzunehmen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski
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