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2. Bundesliga

16.05.2013 - 19:59 Uhr


"Ich bin nach Hause gekommen"

Peter Neururer (l., mit Paul Freier) übernahm vor dem 29. Spieltag den VfL Bochum, gewann vier Spiele in Folge und machte am 33. Spieltag den Klassenerhalt klar

Im Training legt der 58-Jährige besonderen Wert auf grundlegende Dinge des Fußballspiels - wie zum Beispiel Standardsituationen

Unter dem Motto "Wir bleiben drin!" unterstützten die Fans die Mannschaft. Für Neururer waren die Anhänger im Saisonendspurt ein wichtiger Faktor

Bochum - Er kam, als der VfL Bochum in großen Schwierigkeiten steckte und der Abstieg in die 3. Liga drohte. Doch mit vier Siegen in den ersten vier Spielen bewahrte Peter Neururer den VfL vor dem Schlimmsten. Schon am 33. Spieltag konnte er mit den Spielern und Verantwortlichen des Traditionsvereins den Klassenerhalt feiern.
Aus diesem Anlass ließ sich der 58-Jährige live im Fernsehen seine Haare blau-weiß färben. Tags darauf stellte er sich dem Interview mit bundesliga.de.

bundesliga.de: Herr Neururer, wie gefällt denn Ihrer Frau Ihre neue Haarfarbe?

Peter Neururer: Sie fand sie nicht ganz so gut. Aber inzwischen ist sie schon wieder rausgewaschen. Nach dem Training hat mir Dariusz Wosz ein Spezialmittel gegeben, das gut funktioniert hat. Es sind noch leichte Graustellen drin, aber die hatte ich ja vorher schon.

bundesliga.de: Der Hintergrund dieser Haarfärbeaktion war ein sehr schöner. Sie sind in Bochum eingesprungen und haben direkt die ersten vier Spiele gewonnen und den Klassenerhalt perfekt gemacht.

Neururer: "Eingesprungen" ist ein eigenartiger Begriff. Ich habe den VfL Bochum in einer sehr schwierigen Situation übernehmen dürfen.

bundesliga.de: Es hat direkt von Null auf 100 funktioniert...

Neururer: Das musste es auch, denn längere Zeit hatten wir nicht. Wir wären sonst abgestiegen.

bundesliga.de: Vor einigen Wochen berichtete Paul Freier im Gespräch mit bundesliga.de, dass sie in den ersten Trainingseinheiten wieder direkt sehr viel Wert auf Standardsituationen gelegt haben und beim ersten Spiel in Cottbus prompt ein Tor aus einem Standard resultierte. Sind das so Schlüsselsituationen, die eine verunsicherte Mannschaft braucht, um den Glauben wieder zu finden?

Neururer: Es wäre falsch, das auf Standardsituationen zu reduzieren. Wenn man eine Mannschaft übernimmt, die am Boden ist und so schnell wie möglich Punkte braucht, muss man auf die einfachen und wesentlichen Dinge zurückgreifen. Das ist vollkommen klar. Diese Erfahrung bringe ich mit. Ich musste einfache Aufgaben an die Mannschaft verteilen und im Sinne des Torschabschlusses das trainieren lassen, was am einfachsten ist. Das sind die Standardsituationen.

bundesliga.de: Standards waren bekanntlich schon immer eine Spezialität der von Ihnen trainierten Mannschaften. Für die Mannschaft war es sicher ein Schlüsselerlebnis, weil sie mitbekommen hat, dass das, was der Trainer von ihr verlangt, funktioniert. Das gibt doch einer Mannschaft Auftrieb.

Neururer: Ja. Ein paar Glücksmomente waren sicher auch dabei. Es passte eins zum anderen.

bundesliga.de: Was ist die schwierigste Aufgabe eines Trainers im Abstiegskampf. Die psychologische Komponente?

Neururer: Sie macht einen wesentlichen Anteil aus. Ich weiß aber nicht, ob ich es Psychologie nennen würde.

bundesliga.de: Den Spielern die Angst nehmen?

Neururer: Es gibt wesentliche Elemente, die man berücksichtigen sollte. Je mehr ich von Angst rede und darüber philosophiere, um so mehr kann ich die Angst möglicherweise potenzieren.

bundesliga.de: Sie gelten auch als ein Trainer der besonders gut motivieren kann.

Neururer: Wer im Abstiegskampf motiviert werden muss, sollte sich einen anderen Job suchen.

bundesliga.de: Der Klassenerhalt ist perfekt, zum Saisonabschluss kommt Union Berlin nach Bochum. Worauf dürfen sich die Fans freuen?

Neururer: Ich hoffe, dass es ein schönes letztes Saisonspiel wird. Wir haben ein volles Haus. Das ist toll für die Mannschaft, den Verein und die ganze Stadt. Daraus resultiert hoffentlich ein vernünftiges Ergebnis. Es geht noch um die Fernsehgelder, die bei einer besseren Platzierung höher ausfallen. Für den Verein wäre das wichtig. Das letzte Spiel soll auch ein Dankeschön an die Fans sein, die uns in der Schlussphase unglaublich als 12. Mann geholfen haben.

bundesliga.de: Wie haben Sie die letzten Wochen erlebt? Wie intensiv waren sie?

Neururer: Es war wie immer, wenn man im Abstiegskampf steckt. Mit einem Unterschied: Ich bin ja mehr oder weniger nach Hause gekommen. Ich kenne den Verein zwar nicht in- und auswendig, aber doch sehr gut. Es war ein angenehmes Ende, das wir erleben durften.

bundesliga.de: Wie geht es weiter auch mit Ihnen persönlich?

Neururer: Erst einmal spielen wir am Sonntag gegen Union Berlin. Danach führen wir Gespräche.

bundesliga.de: Die Bundesliga feiert in diesem Jahr ihr 50. Jubiläum. Sie haben viele Vereine der 1. und 2. Bundesliga trainiert. Was waren Ihre schönsten Stationen?

Neururer: Schalke, Köln und Bochum.

bundesliga.de: Was war der schwierigste Job, den sie übernommen haben?

Neururer: Der aktuelle Job in Bochum. Der war wesentlich schwerer als andere, weil der Faktor Zeit eine so große Rolle spielte und wir nur sechs Spiele hatten. Das war ja Wahnsinn.

bundesliga.de: Welche Spiele werden Sie nie vergessen?

Neururer: Da gibt es einige. Der Auswärtssieg mit dem VfL Bochum auf Schalke an meinem Geburtstag. Und das Spiel mit dem VfL Bochum gegen Hannover 96, als wir den UEFA-Pokal erreicht haben. Dann ein Spiel mit Schalke gegen Blau-Weiß 90 Berlin, als wir vor 72.000 Zuschauern im Parkstadion den Klassenerhalt schafften. Mein erstes Spiel mit dem 1. FC Köln, ein Lokalderby in Leverkusen, das wir gewonnen haben. Ich könnte noch mehr aufzählen.

bundesliga.de: Gab es einen Job, den Sie sich besser erspart hätten?

Neururer: Ja, mein Engagement bei Hertha BSC.

bundesliga.de: Gab es einen Gegner, mit dem Sie eine besonders Rivalität verbindet?

Neururer: Das waren immer die Derbys. Bochum gegen Schalke oder Köln gegen Gladbach. Die Derbys haben am meisten Spaß gemacht.

bundesliga.de: Ground-hopping ist bei vielen Fans ein beliebter "Sport", also so viele Stadien wie möglich einmal besucht zu haben. Sie dürften die meisten Stadien der deutschen Bundesliga-Vereine kennen. Oder gibt es da noch weiße Flecken auf Ihrer Fußball-Landkarte, wo Sie noch nie waren? Meppen, Burghausen oder Chemnitz zum Beispiel?

Neururer: Ich habe gerade Sandhausen zum ersten Mal kennengelernt. In Meppen war ich natürlich schon, in Chemnitz auch, in Burghausen noch nicht.

bundesliga.de: Vielen Dank, Herr Neururer, und weiterhin viel Erfolg.

Neururer: Wir geben alles.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski
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