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2. Bundesliga

25.02.2013 - 17:29 Uhr


"Das Spiel ist ein Bonbon für unsere Fans"

Bochums Manager Jens Todt sagt über den Gegner, seinen Ex-Club VfB Stuttgart: "Sie hatten ähnliche Probleme wie wir, nur auf einem viel höheren Niveau"

In 208 Bundesliga-Spielen erzielte Todt (l., hier mit Krasimir Balkov, r., gegen Owen Hargreaves) 21 Tore. Er lief für Freiburg, Bremen und den VfB auf

Mussten in Duisburg noch den 2:2 Ausgleich in letzter Minute hinnehmen: Kevin Schildhauer (l.) mit seinen Bochumer Teamkollegen

Der VfL schaltete im Achtelfinale Ligakonkurrent 1860 München aus: Hier duelliert sich Leon Goretzka (l.) mit Benny Lauth

Bochum - Dem verpassten Befreiungsschlag in der 2. Bundesliga folgt die große Chance im DFB-Pokal: Beim VfB Stuttgart will der VfL Bochum für eine Überraschung sorgen und ins Halbfinale vorstoßen. Für Sportvorstand Jens Todt, der vier Saisons in der Bundesliga bei den Schwaben kickte, wäre das nicht nur sportlich ein ganz großer Schritt.
Der Frust über das späte Gegentor beim 2:2 gegen den MSV Duisburg saß zunächst tief beim VfL. Auch Todt wollte seine Enttäuschung über den Rückschlag im Abstiegskampf im Exklusv-Interview mit bundesliga.de nicht leugnen, doch der Blick des Sportvorstandes geht auch nach vorne. Schon am Mittwoch steigt in Stuttgart das Viertelfinale. Und da will der krasse Außenseiter "kratzen und beißen", verspricht Todt.

Frage: Herr Todt, wie tief sitzt der Frust nach dem späten Gegentor und dem verpassten Sieg gegen den MSV Duisburg?

Jens Todt: Es ist total ärgerlich, dass wir es wieder versäumt haben, einen Big Point zu machen. Wir standen in dieser Saison schon oft davor, uns etwas aus der unteren Tabellenregion befreien zu können und haben es jeweils nicht geschafft. So dicht wie gegen Duisburg waren wir noch nie davor. Vor allem in der zweiten Halbzeit war es eine richtig gute Leistung - kämpferisch sowieso, aber auch spielerisch gab es einige gute Szenen.

Frage: Wie sehr das auf die Moral der Mannschaft drücken?

Todt: Ich glaube nicht, dass es große Auswirkungen hat. Wir hatten in der Vergangenheit schon deutlich schlimmere Situationen. Bei uns ist der Trend seit einigen Monaten Dezember grundsätzlich richtig positiv und wir haben eine gute Rückrunden-Bilanz. Der Frust ist sicherlich nach diesem Spiel für ein, zwei Tage da, aber das wird die Moral nicht drücken.

Frage: Warum reicht es trotz des positiven Trends noch nicht, solche Spiele wie gegen Duisburg am Ende auch zu gewinnen?

Todt:Das ist ganz In diesem Fall ist es recht einfach: Bei Leon Goretzka geht der Ball an den Außenpfosten, bei den Duisburgern in der 89. Minute in den Winkel. Mehr Erklärungen gibt es manchmal auch nicht. Das nötige Quäntchen Glück hatten wir noch nicht oft in dieser Saison. Aber wenn man weiter hart arbeitet, kommt auch das sicher zurück.

Frage: Also muss sich der VfL trotz positiven Trends und guter Leistung weiter Sorgen machen?

Todt: Es ist nach wie vor eine schwierige Situation. Wir haben nur ein kleines Punktepolster auf die Abstiegsränge, daher gibt es überhaupt keinen Grund zur Entwarnung. Wir sind mitten im Abstiegskampf! Da hätten wir gegen Duisburg einen riesigen Schritt nach vorne machen können, haben am Ende aber leider nur einen kleinen gemacht.

Frage: Stört so eine Partie wie das Spiel im DFB-Pokal (Mittwoch, ab 18:30 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) in Stuttgart mitten in diesem Abstiegskampf nicht eher?

Todt: Solange wir englische Wochen haben, muss auch einiges gut und richtig gelaufen sein. Daher stört uns das überhaupt nicht. Im Gegenteil: Es ist ein Highlight für den Verein und für die Mannschaft. Und eine gute Chance, sich auf dieser Ebene noch einmal mit einer Mannschaft mit einer ganz anderen Qualität zu messen. Das macht uns richtig Spaß!

Frage: Was trauen Sie der Truppe in diesem Vergleich mit einem Erstligisten zu?

Todt: Wir wissen, dass wir in diesem Spiel krasser Außenseiter sind. Aber wir wollen die Stuttgarter so lange wie möglich ärgern, am besten 90 Minuten lang. Und natürlich wollen wir unsere Chance nutzen.

Frage: Kann es ein Vorteil sein, dass Bochum dieses Spiel relativ locker und unbeschwert angehen kann? Schließlich hat die Mannschaft nichts zu verlieren.

Todt: Wir stehen jetzt im Viertelfinale des DFB-Pokals, da geht man nicht locker rein. Es gilt zu kratzen und zu beißen, wenn auch nur im übertragenen Sinne. Dieses Spiel ist eine Riesenchance für uns, ein Bonbon für unsere Fans. Der VfB hatte in dieser Saison in der Bundesliga zuhause auch schon mal ein paar Probleme und nicht immer überzeugt. Das ändert aber nichts daran, dass wir krasser Außenseiter bleiben.

Frage: Sie haben die Probleme des Gegners angesprochen. Wirklich überzeugen konnte der VfB in dieser Saison bisher nicht.

Todt: Das stimmt, Stuttgart hatte zeitweise ähnliche Probleme wie wir, nur auf einem viel höheren Niveau. Auf der anderen Seite haben sie zuletzt auch wieder Erfolge gehabt und sind im Europapokal weiter gekommen. Sie befinden sich in den letzten Spielen eher wieder im Aufwind.

Frage: Worauf muss der VfL besonders achten am Mittwoch?

Todt: Der VfB Stuttgart kann überragend offensivstark sein. Das ist eine Mannschaft, die an guten Tagen gegen wirklich jeden gewinnen kann. Sie haben mit Ibisevic, Traore, Harnik und dahinter noch mit Gentner eine ganz starke Offensive. Wenn diese Jungs einen guten Tag erwischen, wird es für uns unfassbar schwer. Aber vielleicht erwischen sie am Mittwoch nur einen mittelmäßigen Tag - und wir einen richtig guten.

Frage: Der DFB-Pokal bietet Bochum nicht nur sportlich eine große Bühne. Was würde ein Erreichen des Halbfinales finanziell für den Verein bedeuten?

Todt: Es wäre ein ganz großer Schritt, was unsere Finanzen betrifft. Ein Halbfinale bedeutet eine garantierte Einnahme von einer Million Euro. Da wir konservativ und seriös planen, ist diese Summe im Etat natürlich vorher nicht eingeplant gewesen. Das Spiel am Mittwoch ist daher nicht nur ein echtes sportliches Highlight, sondern auch eine gute Chance, unseren Etat weiter zu entlasten. Und diese Chance wollen wir nutzen!

Das Gespräch führte Dietmar Nolte
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