Bundesliga

21.05.2017 - 11:28 Uhr


Wehmut und Freude: Bayerns emotionale Meisterfeier

Zum fünften Mal in Folge strecken die Bayern die Meisterschale in die Höhe

München - Behutsam hielt er sie in seinen Händen, gab ihr einen sanften Kuss und stemmte sie der Münchner Nachmittagssonne entgegen: Um exakt 17.49 Uhr nahm Philipp Lahm zum letzten Mal als Kapitän des FC Bayern München die Meisterschale in Empfang. Bei den Feierlichkeiten des Rekordmeisters schwang wegen des Karriereendes des 33-Jährigen auch eine gewisse Wehmut mit. Der Spaß kam dennoch nicht zu kurz.

"Die Nähe zum FC Bayern wird immer da sein", hatte Lahm bereits vor seinem 385. und letzten Bundesligaspiel im Interview mit bundesliga.de angekündigt. "Es stecken so viele Emotionen in diesem besonderen Verein." Eine Vielzahl davon wurde nach dem am Ende doch noch klaren 4:1-Erfolg gegen den lange Zeit an einem Punktgewinn schnuppernden SC Freiburg freigesetzt. "Das Ergebnis hat gut zum Anlass gepasst", sagte Thomas Müller.

Schließlich hatte der Rekordmeister nach dem Gewinn des 26. Meistertitels seit Bestehen der Bundesliga - dem 27. insgesamt - in erster Linie Grund zum Feiern. "Es geht darum, in einem langen Wettbewerb zu zeigen, dass man den längeren Atem hat", hob Müller die Bedeutung der fünften Meisterschaft in Serie hervor. "Dann merkt man, dass sich die Arbeit und Mühe, die man Tag für Tag reinsteckt, auch lohnen."

Ancelotti besteht Weißbier-Prüfung

All die Anstrengung, die der FC Bayern auch am letzten Spieltag noch einmal für einen Sieg investieren musste, war spätestens mit der ersten Weißbierdusche weggespült. Beliebtestes Ziel war neben dem scheidenden Kapitän Lahm vor allem Trainer Carlo Ancelotti. "Ich habe genau im Kopf, wer mich geduscht hat. Die Saisonvorbereitung wird schwieriger für sie", kündigte Ancelotti augenzwinkernd an. Dennoch fand er auf dem Rasen sichtlich Gefallen an der ungewöhnlichen Begegnung mit dem Gerstensaft. "Es war lustig, aber sehr kalt. Für das nächste Jahr bitte ich um etwas wärmeres Bier", fügte Ancelotti lächelnd an.

Dabei hatte er sich gut vorbereitet: Während der 57-Jährige üblicherweise im feinen Zwirn an der Seitenlinie steht, trat er am Samstag in weiser Voraussicht im pflegeleichteren Trainingsanzug auf. Als einen "alten Hasen" bezeichnete Mats Hummels daher seinen Trainer: "Es ist eben nicht seine erste Meisterschaft." Für Ancelotti war es nach Triumphen in Italien und England der dritte nationale Meistertitel als Coach.

Pizza für den Erfolgshunger

Einen mehr hat Hummels in seiner Vita als Spieler vorzuweisen, wobei er seinen ersten mit den Bayern nicht wirklich feiern konnte, da er den Verein in der Saison 2007/08 in der Winterpause Richtung Dortmund verließ. Die Weißbierduschen waren daher auch für den Rückkehrer eine Premiere. "Ich habe es mir leichter vorgestellt und habe ganz oft daneben geworfen", gestand Hummels. "Ich hoffe, dass ich noch ein paar Jahre die Chance dazu bekommen."

>>> Ancelotti: "Danke an Lahm und Alonso

Der Erfolgshunger der Bayern ist noch lange nicht gestillt, für den ganz normalen Heißhunger gab es Pizza. Schließlich bildete die Party in der Allianz Arena nur den Auftakt der Titel-Sause. Frisch geduscht und gestärkt bestiegen die Bayern begleitet von den Klängen einer Blaskapelle gegen 19.15 Uhr den Mannschaftsbus Richtung Marienplatz.

Während dort bereits 15.000 Bayern-Fans auf die Ankunft ihrer Helden warteten, stimmte sich Lahm auf der Busfahrt mit einer Partie Schafkopf auf seine letzte Feier auf dem Rathausbalkon ein. "Ich freue mich schon den ganzen Tag darauf", sagte Lahm bei der Ankunft bei FCB.tv. Um 20.20 Uhr fiel schließlich der rote Vorhang am Balkon und Lahm präsentierte dort ein letztes Mal die Schale der jubelnden Menge.

Besonderes Ständchen für Lahm

Vor allem Franck Ribery stellte nun einmal mehr seine Fähigkeiten als Entertainer unter Beweis. Als der Franzose schließlich Lahm das Mikrofon übergab, hatte dieser bei seiner Ansprache an die Fans erstmals mit den Tränen zu kämpfen. "Ich möchte mich bei jedem einzelnen bedanken", begann Lahm. "Mein Dank gilt allen meinen Mitspielern, den Trainern und Betreuern mit denen ich zusammengearbeitet habe. Nur die haben es möglich gemacht, dass ich so eine Karriere hatte."

Abschließend ergriff sein langjähriger Weggefährte Thomas Müller das Wort: "Ich kenne den Profifußball nur mit ihm. Er hat mir unter der Woche gesagt, dass wir 345 Spiele gemeinsam bestritten haben. Ich kann mich nur an maximal 150 gute erinnern - der Rest war überragend." Als dann Müller zusammen mit David Alaba den Klassiker "Weus’d a Herz host wie a Bergwerk" von Reinhard Fendrich anstimmte, konnte auch Lahm die eine oder andere Träne nicht mehr zurückhalten. Den emotionalen Abend ließen die Bayern bei der internen Feier im Postpalast ausklingen.

Aus München berichtet Maximilian Lotz

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