Bundesliga

08.03.2016 - 17:18 Uhr


Zurück in der Bundesliga

Frankfurt - Am Dienstagnachmittag trat das erste Trainer-Brüderpaar in der Geschichte der Fußball-Bundesliga seinen Dienst an. Niko und Robert Kovac führten die Mannschaft von Eintracht Frankfurt erstmals auf den Trainingsplatz neben der Arena im Stadtwald.

Bei seiner Vorstellung anderthalb Stunden zuvor erklärte Chefcoach Niko, 44, wie er und sein zwei Jahre jüngerer Bruder den Tabellensechzehnten in den verbleibenden neun Spielen vor dem Abstieg bewahren wollen. "Es geht nur zusammen als Einheit", sagt Kovac. Er weiß um die Schwere der Aufgabe, die Eintracht ist seit sieben Spiele ohne Sieg, aber Niko Kovac sagt: "Was ist schon leicht im Leben." Zwei Tage nach der Entlassung von Armin Veh präsentieren Vorstandsboss Heribert Bruchhagen und Sportdirektor Bruno Hübner den Nachfolger. "Es ist ein Neubeginn", sagt Bruchhagen: "Wir sind überzeugt, mit Niko Kovac unser Ziel Klassenerhalt zu erreichen."

Mit den Kovac-Brüdern kehren zwei alten Bekannte zurück auf die Bundesligabühne. Als Spieler feierten sie schon zusammen Erfolge beim HSV, in Leverkusen und beim FC Bayern München. Beide zeigten ein großes Kämpferherz, Robert als eisenharter Innenverteidiger, Niko als torgefährlicher defensiver Mittelfeldspieler. Niko galt bei den Bayern als Lieblingsspieler von Meistertrainer Ottmar Hitzfeld.

"Ich bin ein Arbeiter"

Als Trainer, sagt Niko Kovac, verkörpere er dieselben Tugenden, wie schon als Spieler: "Ich bin ein Arbeiter, der von allen absolute Professionalität, Disziplin und Leidenschaft verlangt." Nach seiner Spielerlaufbahn begann Niko seine Trainerlaufbahn 2009 bei der zweiten Mannschaft von Red Bull Salzburg, danach war er dort Co-Trainer der Profimannschaft, bevor er mit seinem Bruder zusammen erst die U21 Kroatiens und schließlich die A-Nationalmannschaft trainierte. In schwieriger Situation schafften die Kovacs mit Kroatien doch noch die Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien, wo die Mannschaft aber nach der Vorrunde ausschied. Im September 2015 wurden die Kovacs in Kroatien entlassen, ein 0:0 in Aserbaidschan und eine 0:2-Pleite in Norwegen waren offenbar Grund genug. Kovac legt sehr viel Wert auf das Einhalten von Regeln. Er sei sehr impulsiv und habe die deutsche und die kroatische Mentalität in sich vereint.

In Frankfurt muss das leidenschaftliche Brüderpaar ein verunsichertes Team beleben. Er werde nicht mit dem Dampfhammer vorgehen, betont Niko Kovac, aber Disziplin und Respekt fordere er ein. Schon beim Training gelte es eine "gesunde Arbeitseinstellung" an den Tag zu legen.

Konkurrenzkampf neu entflammen

Vor allem "Organisation" sei ihm wichtig, erklärt Kovac. Die großen Abstände zwischen Defensive und Offensive müssten künftig auf dem Platz geschlossen werden, fordert er. Kovac will den Konkurrenzkampf neu aufflammen lassen und fordert von den bisherigen Ersatzspielern, den Druck auf die Stammspieler zu erhöhen: "Jeder spielt um seine Existenz, das muss Kräfte freisetzen."

Dass bei der Premiere der Kovac-Brüder am kommenden Samstag im Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach womöglich die Leistungsträger Alexander Meier, Marc Stendera, Carlos Zambrano und auch Torwart Lukas Hradecky auszufallen drohen, bedauert Kovac zwar, aber er sagt auch: "Ohne die muss es auch gehen."

Kontakt zu Frankfurt seit einem Jahr

Er sei ein Kind der Bundesliga, sagt Niko Kovac und zitiert damit Trainerlegende Otto Rehhagel. Ihr Ehrgeiz trieb die in Berlin geborenen Brüder zu ihren Erfolgen. Niko erzählt, dass er von seinem Wohnort Salzburg aus, die Liga immer verfolgt habe. Der Kontakt zur Eintracht und dessen Sportdirektor Bruno Hübner bestehe schon seit einem Jahr. Damals war Kovac Trainerkandidat in Frankfurt, aber noch für die kroatische Nationalmannschaft tätig. Kovac hospitierte in den letzten Jahren immer mal wieder bei Bundesligisten, bei den Bayern und zuletzt auch wieder einmal bei Borussia Dortmund. Im Wintertrainingslager der Eintracht diesen Januar in Abu Dhabi trafen sich Hübner und Niko Kovac dann am Rande eines Trainingsspiels gegen Dortmund zu einem lockeren Plausch. "Der Kontakt war immer da", erzählt Hübner. Nun, zwei Monate nach dem letzten Treffen, sind Niko und Robert Kovac die Hoffnungsträger der Eintracht im Abstiegskampf.

Aus Frankfurt berichtet Tobias Schächter

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