Bundesliga

20.02.2016 - 23:01 Uhr


Derbyheld Mahmoud Dahoud: Begeistern und schweigen

Mahmoud Dahoud hatte beim verdienten 1:0-Sieg im Derby gut lachen

Der Mittelfeldspieler erzielte nach einer schönen Kombination das Tor des Tages (9.)

Nach dem Treffer gab es dann auch bei seinen Teamkollegen kein Halten mehr

Mönchengladbach - Sein 22. Bundesliga-Spiel wird Mahmoud Dahoud so schnell nicht vergessen. Mit seinem dritten Saisontreffer entschied der 20-Jährige das rheinische Derby zwischen seiner Borussia aus Mönchengladbach und dem 1. FC Köln (zum Spielbericht). Während der Matchwinner lieber bescheiden im Hintergrund blieb, sangen Teamkollegen und Vorgesetzte Loblieder auf ihn.

 Mahmoud Dahoud, den in Mönchengladbach alle nur "Mo" rufen, hat in dieser Spielzeit nur eine einzige Partie verpasst. Am Neujahrstag gerade einmal 20 Jahre alt geworden, hat sich der 1,77-Meter-Mann mit syrischen Wurzeln längst zu einer unverzichtbaren Größe im Mittelfeld von Borussia Mönchengladbach entwickelt. Gegen Köln erwischte der deutsche U20-Nationalspieler wieder einmal einen Sahnetag, wie auch die Zahlen eindrucksvoll bestätigen.

Dahoud lässt lieber andere reden

Dahoud lief im Derby 12,69 Kilometer, er hatte 88 Ballkontakte, eine Passquote von 91 Prozent und gewann 88 Prozent seiner Zweikämpfe. Und er schoss in der 9. Minute nach feiner Vorarbeit von Raffael freistehend vor dem Kölner Keeper Timo Horn mit dem Außenspann das Tor des Tages.

"Wir freuen uns riesig über die drei Punkte. Ein Derbysieg ist immer etwas Besonderes, und ich freue mich vor allen Dingen für unsere Fans, dass wir ihnen diesen Erfolg schenken konnten", wird Dahoud auf der Internetseite seines Clubs zitiert. "Natürlich habe ich mich auch über mein Tor gefreut, aber der Sieg war ein Verdienst der gesamten Mannschaft. Bei meinem Tor war es ein Klasse-Zuspiel von Raffael, das diese Chance erst ermöglicht hat. Das unterstreicht, wie gut wir heute als Mannschaft zusammengespielt haben."

In der Mixed-Zone selbst lehnte der zurückhaltende Mittelfeldstar alle Interviewanfragen lächelnd mit einem freundlichen "Danke" ab, bevor er rasch in der schützenden Kabine verschwand. Borussias Sportdirektor zeigt Verständnis. "Es ist kein böser Wille von Mo, dass er nicht mit der Presse spricht", versichert Max Eberl. "Er ist ein klassischer Straßenfußballer, der nur Fußball spielen möchte. Er möchte das ganze Ballyhoo drumherum nicht haben."

"Bemerkenswerte fußballerische Genialität"

Mahmoud Dahoud lässt lieber seine Leistung sprechen. "Er ist ein intuitiver Spieler, der aus dem Bauch heraus sehr viele Dinge richtig macht", lobt Eberl. "Bei der Balleroberung ist er manchmal nicht kompromisslos genug. Er will es immer spielerisch lösen. Das funktioniert oft, aber manchmal ist es auch riskant. Aber seine fußballerische Genialität und wie er das Tor macht, sind schon bemerkenswert für einen 20-Jährigen."

Dahoud ist technisch beschlagen und in der Mannschaft voll integriert und anerkannt. "Dahoud hat gegen Köln eine super Leistung gezeigt. Der Junge ist erst 20 Jahre alt. Er soll so weitermachen. Er ist enorm wichtig für uns, noch jung und kann noch viel lernen", urteilt Borussia-Kapitän Granit Xhaka, sein Partner auf der Doppelsechs.

Zu Dahouds engeren Freunden in der Mannschaft zählt der 19-jährige Nico Elvedi, der auch andere Seiten des Supertalents kennt. "Eigentlich ist er gar nicht so ruhig, er sagt auch mal etwas", meint der Abwehrspieler ohne weiter ins Detail gehen zu wollen. Routinier Martin Stranzl sieht die Entwicklung von Dahoud, der am 28. Spieltag der vergangenen Saison beim Gladbacher 3:1-Sieg gegen Dortmund debütierte, sehr positiv. Er hat aber auch einen Tipp: "Er ist ein super Fußballer, hat aber manchmal noch ein paar Schwankungen in seinem Spiel. Aber das ist völlig normal in seinem Alter. Er muss lernen, auch mal ruhiger zu agieren und in seinem Zweikampfverhalten zulegen", meint Stranzl. "Das ist im Training und in den Spielen auch schon immer besser geworden." Das hat Derbyheld Dahoud gegen Köln bewiesen.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski

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