Bundesliga

16.02.2017 - 15:33 Uhr


Yuya Osako: "Das Potenzial dieser Mannschaft ist noch längst nicht ausgeschöpft"

Köln - Yuya Osako spielt seine bisher beste Saison im Dress des 1. FC Köln, seit er im Sommer 2014 in die Domstadt wechselte. Im großen Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht der Japaner über die Gründe für seine starken Leistungen und seinen Sturmpartner Anthony Modeste, über die kulturellen Unterschiede zwischen Japan und Deutschland und seine japanischen Landsleute in der Bundesliga und über die vertrackte Suche nach einem passenden Karnevalskostüm.

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bundesliga.de: Herr Osako, Sie sind in der dritten Saison beim 1. FC Köln und spielen Ihre bisher beste Runde. Auch in den beiden ersten Spielzeiten kamen Sie im Schnitt zwar auf 25 Bundesligaspiele, trotzdem hatte man bisweilen den Eindruck, dass Sie Ihr Potenzial längst noch nicht ausgeschöpft hatten...

Yuya Osako:Im Vergleich zu den zwei Vorjahren ist es vielleicht wirklich so, dass ich mich in meiner aktuellen Rolle wohler fühle. Trotzdem möchte ich noch mehr für die Mannschaft tun und mehr Tore erzielen und mehr Vorlagen geben als es bisher der Fall war.

bundesliga.de: "Aktuelle Rolle" bedeutet nicht zuletzt, dass Sie im Sturm, nicht mehr im Mittelfeld agieren. Haben Sie Ihren idealen Platz auf dem Feld gefunden?

Osako:Tatsächlich fühle ich mich ganz vorne am wohlsten, Stürmer war schon in Japan immer meine Lieblingsposition. Letztlich aber entscheidet immer der Trainer. Und dort, wo er mich braucht, versuche ich der Mannschaft zu helfen und meine Arbeit so gut wie möglich zu machen.

bundesliga.de:Trainer Peter Stöger und die weiteren Verantwortlichen beim FC waren von Ihrem großen Potenzial stets überzeugt. War dieser Vertrauensvorschuss bisweilen aber auch so etwas wie eine Belastung?

Osako:Selbstverständlich hat niemand vorsätzlich Druck aufgebaut, und ich wusste immer, dass die Verantwortlichen an mich glauben. Das war und ist einerseits ein sehr schönes Gefühl, hat mich andererseits aber auch etwas traurig gemacht, weil ich wusste, dass ich mich noch verbessern kann. Umso mehr möchte ich dem Club und den Fans nun so oft wie möglich mit meinen Leistungen etwas zurückgeben.

bundesliga.de: Wie in Darmstadt. War dieses Spiel, in dem Sie zwei Treffer selbst erzielten und einen weiteren vorbereiteten, nahe am Optimum?

Osako: Es ist richtig, dass das Spiel in Darmstadt eine gute Leistung war, von uns allen. Ich habe mich in jeder Hinsicht sehr wohl auf dem Platz gefühlt, würde aber dennoch nicht sagen, dass es schon das perfekte Spiel war, das nicht noch zu verbessern wäre. Es gibt immer noch Luft nach oben, aber die Leistung von Darmstadt ist auf jeden Fall eine gute Basis.

bundesliga.de: Gemeinsam mit Anthony Modeste haben Sie sich mittlerweile zum Schreckgespenst für gegnerische Abwehrreihen entwickelt...

Osako: Ich glaube, dass es wirklich ganz gut funktioniert, wenn wir als Sturmduo auf dem Platz stehen. "Tony" ist ein Spieler, der mit einer einzigen Aktion ein Spiel für uns entscheiden kann. Umso mehr müssen die gegnerischen Verteidiger ihn immer genau im Blick haben – was wiederum mehr Platz und Möglichkeiten für mich bedeutet. Und ich glaube, dass das richtig gut funktioniert mit uns beiden.

bundesliga.de: Lassen Sie uns über die Unterschiede zwischen Japan und Deutschland sprechen. Japan ist eine fernöstliche Kulturnation, die vorherrschende, moderne Lebensart aber westlich geprägt. Was macht die Eingewöhnung in Deutschland dennoch schwierig für Japaner?

Osako: In der Tat war es anfangs in vielen Lebensbereichen nicht ganz einfach für mich. Der gesamte Alltag war ganz anders als ich es von Japan kannte. Und es brauchte einfach etwas Zeit, bis man die Unterschiede verstanden und sich an alles gewöhnt hatte. Heute fühlen meine Familie und ich uns sehr wohl in Deutschland, und wir leben sehr gerne hier.

bundesliga.de: Der Karneval steht vor der Tür. Ist diese Tradition für Japaner, die als die Verkörperung von Zurückhaltung gelten, schwer zu verstehen?

Osako: Ist Karneval nicht auch für die meisten anderen Deutschen außerhalb des Rheinlandes nur sehr schwer zu verstehen?! (lacht).

bundesliga.de: Da möchte ich nicht widersprechen, aber kann sich ein Spieler des 1. FC Köln dem wirklich entziehen?

Osako:Nicht wirklich. Und ich suche schon seit Tagen nach einem passenden Kostüm für kommende Woche, habe aber noch keine wirklich gute Idee.

bundesliga.de: Fußball ist im Gegensatz zum rheinischen Karneval eine universelle Sprache. Welche Unterschiede gibt es dennoch zwischen Deutschland und Japan?

Osako:Zunächst einmal muss man festhalten, dass die Qualität in der Bundesliga höher ist als die in der J League. Die Spieler in der Bundesliga haben eine größere individuelle Qualität und sind physisch weit besser geschult als die in der J League. Dort versucht man das eigene Spiel eher über die eigene gute Technik durchzubringen.

bundesliga.de: Welchen Status haben heutige Bundesliga-Spieler aus Japan wie Atsuto Uchida, Shinji Kagawa oder Makato Hasebe oder auch Sie in der Heimat?

Osako: Bitte vergleichen Sie mich nicht mit großen Spielern wie Kagawa oder Uchida. Die beiden können in Japan wahrscheinlich nicht ungestört einkaufen gehen, ohne schnell von Fans umringt zu werden. Für mich dagegen ist das kein Problem.

bundesliga.de: Welchen Ruf genießt die Bundesliga per se in Japan?

Osako: Die Bundesliga wird in Japan sehr respektiert. Und für viele der sehr guten Spieler in der J League sind Europa und hier insbesondere die Bundesliga der logische nächste Karriereschritt.

bundesliga.de: Viele brasilianische Spieler in der Bundesliga pflegen einen engen Kontakt und bilden fast so etwas wie eine eigene Community. Ist das bei den Japanern ähnlich?

Osako: Ja. Das kann man durchaus vergleichen. Ich persönlich pflege zum Beispiel einen sehr engen Kontakt zu Atsuto Uchida vom FC Schalke 04. Uns kommt dabei natürlich zugute, dass die räumliche Distanz zwischen uns nicht so groß ist. Zudem bin ich auch häufiger in Düsseldorf, das ja bekannt ist für seine große japanische Community.

bundesliga.de: Eigentlich sollte Düsseldorf für einen Kölner verbotenes Terrain sein...

Osako: Na, ja. Ich treffe mich dort ja ausschließlich mit Japanern. (lacht)

bundesliga.de: Beim Spiel gegen Schalke am Sonntag treffen Sie auf Uchida, auch wenn es bei ihm kaum für die Startelf reichen dürfte...

Osako: Das stimmt, das käme wohl zu früh nach seiner langwierigen Verletzung. Trotzdem ist es auch so schön, dass wir uns sehen. Als ich Profi wurde und zu den Kashima Antlers kam, war Uchida bereits dort und 2009 konnten wir zusammen den Meistertitel feiern. Seitdem pflegen wir unsere sehr enge Freundschaft.

bundesliga.de: Zwischen Uchida und Ihnen liegen nur zwei Jahre, dennoch scheint der Jüngere dem Älteren großen Respekt entgegen zu bringen. Das ist so in Europa eher ungewöhnlich...

Osako:Dieser Respekt dem Älteren gegenüber ist tatsächlich ein sehr bedeutender Aspekt in der japanischen Kultur, nicht nur im Fußball, sondern in allen Lebensbereichen. Und dabei ist es völlig egal, ob es sich um einen Altersunterschied von zehn oder auch um einen von nur ein, zwei Jahren handelt. Ich empfinde das einerseits als eine sehr gute Sache, sehe aber andererseits auch die möglichen Schwierigkeiten. Dieser gesellschaftlich eingeforderte Respekt kann aber vielleicht auch verhindern, Dinge auszusprechen, die aber angesprochen werden sollten. Respekt ist ohne Frage sehr wichtig in einer Gesellschaft. 

Video: Zweimal Osako - Kölner Kantersieg gegen Darmstadt

bundesliga.de: Stichwort Lebensleistung: Der erste Japaner überhaupt in der Bundesliga spielte auch für den 1. FC Köln...

Osako: Das weiß ich selbstverständlich, das war Yasuhiko Okudera.

bundesliga.de: Okudera wurde mit dem FC gleich in seiner ersten Saison Meister und Pokalsieger. Welchen Ruf genießt dieser Mann heute in Japan?

Osako: Als erster Japaner in der Bundesliga war es damals, 1977, bestimmt nicht einfach für Okudera. Dafür, dass er diesen Weg dennoch gegangen ist und so die Türen für kommende Generationen japanischer Fußballer geöffnet hat, kennt und respektiert ihn heute jeder in Japan, der sich für Fußball interessiert. Und er hat sich diesen großen Respekt auf jeden Fall verdient.

bundesliga.de: Das Double wird die aktuelle FC-Mannschaft in dieser Saison kaum holen, nichtsdestotrotz könnte es die beste FC-Saison seit 25 Jahren werden...

Osako: Wir spielen bisher eine gute Saison, das ist richtig. Trotzdem glaube ich, dass das Potenzial dieser Mannschaft noch längst nicht ausgeschöpft ist. Wächst dieses Team noch besser zusammen, ist noch mehr möglich.

bundesliga.de: Die Chancen dafür stehen gut, schließlich haben nahezu alle Leistungsträger, auch Sie, langfristige Verträge...

Osako:Wenn das ganze Kollektiv daran glaubt, dass wir noch besser werden können, werden wir das auch schaffen. Davon bin ich überzeugt. Ich freue mich jedenfalls sehr darauf den nächsten Schritt gemeinsam mit dieser Mannschaft machen zu können.

bundesliga.de: Die unmittelbare Zukunft lautet Schalke, Leipzig und Bayern München. Fällt in diesen drei Spielen die Vorentscheidung, ob es eine gute oder eine sehr gute Saison für den FC wird?

Osako: In der Bundesliga gibt es sehr viele sehr gute Teams, nicht nur die drei Genannten. Deshalb macht es keinen Sinn gleich mehrere Wochen vorauszuschauen. Wir sollten immer nur auf das jeweils nächste Spiel blicken, 'one game at a time' sozusagen.

bundesliga.de: Klingt als würde Ihnen Schalke, Leipzig oder Bayern München tatsächlich weniger Kopfzerbrechen bereiten als die Frage nach dem passenden Karnevalskostüm...

Osako:Ganz genau! Genauso kann man das sagen! (lacht)

Das Gespräch führte Andreas Kötter

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