Bundesliga

17.07.2016 - 12:00 Uhr


Yannick Gerhardt: "Auf diesem neuen Niveau muss ich mich erst einmal beweisen"

Köln - Beim 1. FC Köln durchlief Yannick Gerhardt in 13 Jahren alle Jugendmannschaften und packte den Sprung zu den Profis. Nun peilt der 22-jährige Mittelfeldspieler beim VfL Wolfsburg neue Ziele an. Was sich der deutsche U21-Nationalspieler bei den Wölfen vorgenommen hat, wo die Unterschiede zwischen Wolfsburg und Köln liegen und wie die Gespräche mit Trainer Dieter Hecking liefen, verrät der Blondschopf im Interview mit bundesliga.de.

bundesliga.de: Yannick Gerhardt, der VfL Wolfsburg hat vor zehn Tagen das Training wieder aufgenommen. Sie sind neu vom 1. FC Köln dazugestoßen. Wie sind Ihre ersten Eindrücke?

Yannick Gerhardt: Die Eindrücke sind sehr positiv. Die Bedingungen sind sehr gut, die Mannschaft hat mich nett aufgenommen. Nach dem Training machen wir gemeinsam auch etwas, wir gehen zusammen Essen. Die Integration hat gut geklappt. Ich fühle mich schon wohl. Das Training ist bereits sehr anstrengend. Das ist aber auch in der Vorbereitung auf eine neue Saison normal. Bisher läuft alles nach Plan.

bundesliga.de: Sind Ihre Erwartungen erfüllt worden?

Gerhardt: In der Öffentlichkeit wird Wolfsburg oftmals kritisch dargestellt. Aber ich muss ehrlich sagen, dass man sich hier leicht wohl fühlen kann. Man kann Wolfsburg natürlich nicht mit einer Großstadt wie Köln vergleichen. Es gibt aber auch viele Möglichkeiten, hier etwas zu unternehmen. Ich habe zum Beispiel schon viele gute Restaurants kennengelernt.

Video: Hier spielt der VfL Wolfsburg

bundesliga.de: Aber Sie sind ja nicht wegen der guten Restaurants nach Wolfsburg gewechselt, sondern weil Sie sich dort eine sportlich bessere Perspektive als in Köln erhoffen. Können Sie das vielleicht einmal ein bisschen konkretisieren? Wo ist der VfL dem FC voraus?

Gerhardt: Die Trainingsbedingungen sind noch einmal etwas besser. Die Plätze, die Infrastruktur. Aber vor allem ist auch das Niveau der Mannschaft höher. Ich spiele hier mit vielen Nationalspielern zusammen und mit Spielern, die bereits viel erreicht haben. Auf diesem neuen Niveau muss ich mich erst einmal beweisen.

bundesliga.de: In der Vergangenheit und auch aktuell hatten sogar gestandene Nationalspieler wie Andre Schürrle, Max Kruse oder Julian Draxler in Wolfsburg zumindest mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Sie gehen die neue Herausforderung trotzdem selbstbewusst an?

Gerhardt: Es besteht immer ein gewisses Risiko, wenn man so wie ich von zuhause weggeht. Ich möchte mich aber auf jeden Fall dieser neuen Herausforderung stellen. Das habe ich getan. Ich bin sehr optimistisch, dass ich mich beim VfL durchsetzen kann.

bundesliga.de: Wie sind die Gespräche mit Trainer Dieter Hecking gelaufen? Wie plant er mit Ihnen?

Gerhardt: Zunächst einmal waren die Gespräche mit Dieter Hecking, aber auch Klaus Allofs sehr positiv. Sie sehen mich als zentralen Mittelfeldspieler. Darüber hinaus ist aber sicher auch von Vorteil, dass ich sehr variabel bin und auch andere Positionen bekleiden kann. Wir warten jetzt erst einmal ab, wie die Vorbereitung läuft. Ich versuche, mich anzubieten und für das Vertrauen, das in mich gesetzt wurde, zurückzuzahlen.

bundesliga.de: Spüren Sie im Umfeld, dass die Erwartungen im Umfeld des Vereins sportlich höher sind als in Köln? Ist nach dem 8. Platz in der vergangenen Saison der Druck höher?

Gerhardt: Das würde ich so nicht sagen. Aber die Erwartung in der Mannschaft ist hoch. Jeder Spieler möchte eine bessere Platzierung erreichen. Das gibt auch die Qualität des Kaders her. Man sieht schon im Training, dass wir immer versuchen, Situationen spielerisch zu lösen und dominanten Ballbesitz-Fußball zu spielen. Daran erkennt man, dass die Mannschaft in der Bundesliga viel vor hat.

"Es war an der Zeit, eine neue Herausforderung zu suchen"

bundesliga.de: Was haben Sie sich für die Saison vorgenommen?

Gerhardt: Als Mannschaft haben wir uns noch kein konkretes Ziel gesteckt. Das Ziel dürfte sein, so rasch wie möglich wieder in den internationalen Wettbewerb zu kommen. Ich persönlich möchte mich so schnell wie möglich anpassen und auf viele Einsätze kommen.

bundesliga.de: Wie bewerten Sie im Rückblick Ihre Zeit in Köln? Ist Ihnen der Abschied schwer gefallen?

Gerhardt: Der Abschied ist mir natürlich schon schwer gefallen. Ich habe dort meine ganze Jugend und drei Jahre bei den Profis verbracht. Deswegen habe ich nur gute Erinnerungen an den Verein. Der Trainer hat mir früh das Vertrauen auch im Profibereich geschenkt. So konnte ich meine ersten Erfahrungen sammeln. Die Mannschaft hat mich in den drei Jahren auch immer sehr gut unterstützt. Deswegen war es nicht so leicht, diesen Schritt zu gehen. Aber für mich und meine Entwicklung war es jetzt an der Zeit, aus diesem gewohnten Umfeld herauszutreten und eine neue Herausforderung zu suchen.

bundesliga.de: Wie interessiert haben Sie sich den neuen Bundesliga-Spielplan angeschaut? Sie treffen Ihre alten Kollegen ja bereits am 2. Spieltag wieder.

Gerhardt: Das ist mir natürlich auch direkt aufgefallen. Mir haben auch einige Freunde und ehemalige Mitspieler geschrieben, dass wir direkt aufeinander treffen. Darauf freue ich mich natürlich.

bundesliga.de: Sie haben einen guten Kumpel, der in Berlin spielt. Haben Sie Mitchell Weiser schon in der Hauptstadt besucht?

Gerhardt: Es stimmt, dass er ein guter Freund ist und in der Nähe wohnt. Aber er ist mit der Hertha auch schon mitten in der Vorbereitung. Bisher hat es noch nicht gepasst, weil die Berliner eine Woche im Trainingslager waren. Wir müssen uns jetzt erstmal aufs Training konzentrieren, bis wir einen passenden Zeitpunkt finden.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski

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