Bundesliga

30.05.2017 - 10:40 Uhr


Erleichterung pur: Wölfe nehmen letzte Ausfahrt

Braunschweig - Mit dem Umweg über die Relegation hat der VfL Wolfsburg auf den allerletzten Drücker den ersten Abstieg aus der Bundesliga doch noch verhindert. Dementsprechend war die Erleichterung nach dem 1:0-Sieg bei Eintracht Braunschweig bei allen Beteiligten riesengroß. Eine mehr als durchwachsene Saison wurde doch noch am Ende mit einem positiven Erlebnis abgeschlossen.

Als Mario Gomez in der 90. Minute ausgewechselt wurde, war die Partie bereits entschieden. Der Wolfsburger Top-Angreifer lächelte als er den Platz verließ und umarmte seinen Trainer Andries Jonker sehr innig. Beiden sah man an, wie erleichtert sie waren. Es war geschafft. Im Relegations-Duell mit dem Lokalrivalen Eintracht Braunschweig setzte sich der VfL am Ende doch souverän durch.

VfL musste kurz zittern

Dennoch mussten die Grün-Weißen vor allem in der ersten Halbzeit noch einmal zittern, denn die Gastgeber hätten durchaus in Führung gehen können. Nach dem 0:1 durch den portugiesischen Europameister Vieirinha kurz nach der Halbzeit war die Partie dann aber entschieden. "Ich bin wirklich stolz auf die Mannschaft. Heute war der Tag der Wahrheit, es gab keine zweite Chance. Man hat gesehen, dass den Spielern doch etwas am Verein liegt", erklärte Gomez.

Der deutsche Nationalspieler stand wie schon im Hinspiel am Donnerstag im Fokus. Er sah sich immer wieder harten Duellen mit seinen Gegenspielern Decarli und Valsvik ausgesetzt und musste viel einstecken. Doch Gomez ließ sich nicht beeindrucken und war einer Besten im Team von Trainer Andries Jonker. "Es war brutal. Das hatte alles nichts mehr mit Fußball zu tun. Es ging nur noch um die Birne", erklärte Gomez.

Nicht nur bei Gomez war die Erleichterung groß den Klassenerhalt nun doch geschafft zu haben. Auch Sportdirektor Olaf Rebbe könnte man förmlich ansehen, welche Last von ihm fiel. "Das war eine wahre Erlösung. Wir sind glücklich an der letzten Ausfahrt, doch richtig abgebogen zu sein." Auch bei Mittelfeldspieler Daniel Didavi hörten man die Steine plumpsen. "Der riesige Druck der auf uns lastete, ist jetzt abgefallen. Für mich wäre ein zweiter Abstieg hintereinander eine Katastrophe gewesen." Didavi war in der vergangenen Saison mit dem VfB Stuttgart abgestiegen, bevor er dann zum VfL Wolfsburg wechselte. 

Vieirinhas Treffer entspannt die Lage

Das einzige Tor des Tages erzielte ausgerechnet Vieirinha. Der Offensivspieler ist nicht gerade für seine Torgfährlichkeit bekannt (162 Spiele, 6 Tore für den VfL), doch in der 49. Minute passte bei seinem Schuss aus 16 Metern alles. Der Ball flog unhaltbar für Eintracht-Keeper Fejzic in den Winkel. Es war der erste Treffer des Portugiesen seit 538 Tagen. Am 8. Dezember 2015 traf Vieirinha in der Champions League-Gruppenphase beim 3:2-Heimsieg über Manchester United. Nach dem Tor des VfL war der Widerstand der tapferen Braunschweiger gebrochen.

"In der zweiten Halbzeit hat das frühe Tor die Situation sehr entspannt. Leider haben wir keine der Chancen aufs zweite Tor mehr genutzt. Aber insgesamt bin ich natürlich sehr, sehr erleichtert und froh. Ich freue mich unglaublich für den Verein, die Stadt und unsere Fans, die in dieser Saison einfach überragend gewesen sind", bilanzierte VfL-Coach Andries Jonker auf der Pressekonferenz.

Nach dem Abpfiff lagen sich die VfL-Spieler in Armen und feierten das Minimalziel. Richtig freuen wollten sie sich aber auch nicht, dafür war in der abgelaufenen Saison zu viel schief gelaufen bei den Wölfen. "Das war eine grottenschlechte Saison mit Happyend", gab Rechtsverteidiger Christian Träsch zu. Doch er sah auch einen positiven Aspekt in den beiden erfolgreich absolvierten Relegationsspielen: "So eine Drucksituation kann die Mannschaft auch zusammenschweißen. Mönchenglabach hat auch mal die Relegation gerade so überstanden und spielte anschließend eine Riesensaison."

Jetzt ist aber erst einmal Urlaub angesagt für die Spieler des VfL. "Ich habe mich noch nie so sehr auf die Ferien gefreut, wie dieses Jahr. Abstiegskampf ist brutal. Diese Drucksituation ist schwieriger als ein Champions League-Finale", erklärte Gomez. Zu seiner Zukunft äußerte sich der Torjäger dann auch noch. "Mein Gefühl ist gut. Ich kann immer wieder nur sagen, dass ich mich beim VfL wahnsinnig wohlfühle."

Aus Braunschweig berichtet Alexander Barklage

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