Bundesliga

03.04.2016 - 23:18 Uhr


Tuchels Händchen - 5 Gründe für die Top-Saison des BVB

Adrian Ramos feiert den Treffer zum 3:2 gegen Werder Bremen

Shinji Kagawa nimmt sich hingegen keine Zeit zum Jubeln, sondern will nach dem 2:2-Ausgleich sofort weitermachen

Thomas Tuchel nach Schlusspfiff - ein wichtiger Sieg trotz nicht so großer Bedeutung

Dortmund - Als Borussia Dortmund gegen Bremen plötzlich zurücklag, wechselte Thomas Tuchel nicht nur den Sieg ein. Der Trainer mit dem Glückshändchen demonstrierte auch eindrucksvoll, dass der schwarz-gelbe Kader inzwischen auch in der Breite höheren Ansprüchen genügt und mit Christian Pulisic noch ein echtes Juwel verbirgt. Am Ende standen fünf Fakten, die zusätzlich Mut machen für den Endspurt der Saison.

Fakt 1: Der BVB hat Moral – und Thomas Tuchel immer einen Plan. Obwohl man gegen Werder nach 75 Minuten in Rückstand geriet (zum Spielbericht), obwohl ein Punktverlust in der Tabelle kaum weh getan hätte und obwohl am Donnerstag das schwere Spiel gegen Liverpool wartet, drückte die Mannschaft direkt aufs Gaspedal und setzte den Gegner richtig unter Druck. "Wir haben nach dem 1:2 kein bisschen den Kopf hängen lassen und sofort die Antwort gegeben. Das zeigt auch uns wieder einmal, dass wir uns nicht abschreiben müssen – egal, wie der Spielstand ist", stellte Julian Weigl zufrieden fest.

Zumal Taktikfuchs Thomas Tuchel von außen einmal mehr die richtigen Impulse setzte. Dabei reagiert der Trainer nicht nur immer wieder auf aktuelle Spielverläufe und dreht auch während des Spiels immer wieder an den taktischen und personellen Stellschrauben, sondern beweist auch bei seinen Wechseln ein gutes Gespür. Gegen Werder brachte Tuchel in der Schlussphase Shinji Kagawa, Adrian Ramos und Christian Pulisic – alle drei Spieler waren maßgeblich daran beteiligt, den BVB doch noch zum 14. Sieg im 16. Pflichtspiel des Jahres zu schießen (zu den Topdaten).

Fakt 2: Christian Pulisic ist nicht nur ein hochtalentierter Youngster, sondern für den BVB schon jetzt ein echter Gewinn. Wenn er nochmal für frischen Schwung sorgen will, zieht Tuchel die Jokerkarte Pulisic – gegen Bremen schon zum vierten Mal in einem Bundesligaspiel. Und der technisch versierte und schnelle US-Boy lieferte ab, holte die Ecke raus, die schließlich zum Siegtor führte.

Mit seinen gerade mal 17 Jahren startet Pulisic in dieser Rückrunde seit seinem Debüt gegen Ingolstadt durch und setzt immer wieder Duftmarken, auf der linken Offensivseite ebenso wie auf der rechten Außenbahn. "Es ist eine große Freude, den Jungen dabei zu haben", hat Tuchel mehrfach betont. Das sieht wohl auch Jürgen Klinsmann so, der Christian Pulisic gerade gegen Guatemala in der amerikanischen Nationalmannschaft debütieren ließ – als jüngsten US-Spieler, der je in einer WM-Qualifikation zum Einsatz kam.

Fakt 3: Adrian Ramos hat sich bei der Borussia zum Top-Joker gemausert. Sein Kopfball nach der Ecke von Henrikh Mkhitaryan bescherte dem BVB die drei Punkte gegen Bremen. Keine zwei Minuten brauchte der Stürmer, um den Ball im Netz zu versenken und ist ligaweit ganz vorne, wenn es um die Effektivität auf dem Platz geht. Vier seiner jetzt sechs Saisontore erzielte der Kolumbianer nach einer Einwechslung.

Dazu bereitete der 30-Jährige als Joker zwei weitere Treffer vor. "Adrian hat sich nach der Winterpause nochmal richtig gestrafft und auch bei Spielen wie in Darmstadt, wo er von Beginn an gespielt hat, eine gute Figur gemacht. Und seine Kopfballstärke ist nochmal eine Qualität, die wir gut gebrauchen können", lobte Sportdirektor Michael Zorc.

Fakt 4: Auf Shinji Kagawa ist Verlass, auch wenn der Japaner zuletzt nicht immer erste Wahl war unter Thomas Tuchel. Gegen Bremen stach er ebenfalls als Joker nur drei Minuten nach seiner Einwechslung. Seine Treffsicherheit hat er auch gerade erst in der WM-Qualifikation unter Beweis gestellt, in der er für sein Heimatland gegen Syrien gleich einen Doppelpack schnüren konnte.

In der Bundesliga stehen für Kagawa jetzt sechs Saisontore und acht Vorlagen zu Buche (zur Scorerliste). Dass er auch seine Rolle als Ersatzspieler wie jetzt gegen Bremen klaglos akzeptiert und trotzdem abliefert, nötigte Tuchel ein Extralob ab: "Es ist ein großes Geschenk, Spieler zu haben, auf die man sich verlassen kann, die darauf brennen, reinzukommen. Die ihr Ego zurückstecken und ihren Groll, nicht von Beginn an zu spielen"

Fakt 5: Nicht zuletzt die Partie gegen Werder Bremen hat gezeigt, dass der BVB-Kader auch in der Breite inzwischen höheren Ansprüchen genügt. Mit Hummels, Sokratis und Subotic fehlten gegen die Hanseaten gleich alle drei gelernten Innenverteidiger, was die Dortmunder mit dem Abwehr-Duo Sven Bender/Matthias Ginter kompensieren konnten. Gündogan ist weiter verletzt, Sahin wurde geschont – also setzte diesmal Gonzalo Castro im Mittelfeld die Akzente. Erik Durm hat nicht zum ersten Mal seine Vielseitigkeit auch in der Offensive unterstrichen. Und wer dann noch Kagawa, Ramos und Pulisic von der Bank bringen kann, hat einen zusätzlichen Trumpf.

Der BVB ist also gewappnet für den Saison-Endspurt. Und für eine Highlight-Woche, die es in sich hat. Zwei Europapokal-Duelle gegen Jürgen Klopp und seinen FC Liverpool warten jetzt auf die Borussia, dazwischen am nächsten Wochenende das Derby gegen Schalke 04 – mehr geht kaum. Ob dies wohl die aufregendsten Tage seiner jungen Karriere seien, wurde Julian Weigl gefragt. Der grinste breit, die Augen strahlten: "Das kann man wohl sagen. Die Vorfreude ist riesig!"

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte

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