Bundesliga

22.04.2017 - 22:00 Uhr


Zwischenziel Europa: Die TSG will den "maximalen Erfolg"

Köln - Das erste Etappenziel hat die TSG 1899 Hoffenheim erreicht. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte qualifizierten sich die Kraichgauer dank des 1:1-Unentschiedens beim 1. FC Köln für den internationalen Wettbewerb. Doch damit will sich die Mannschaft von Julian Nagelsmann nicht zufrieden geben. Das Ziel heißt: Champions League.

Hoffenheim trat in Köln im Stile einer Klassemannschaft auf. Unbeeindruckt vom 0:1-Rückstand baute der Tabellen-Dritte in der Schlussphase kontinuierlich immer mehr Druck auf die Kölner auf, bis sich dann in der dritten Minute der Nachspiel endlich die entscheidende Lücke auftat. Mit viel Übersicht und technischem Können schob Kerem Demirbay dann die Kugel ruhig und abgeklärt zum verdienten Ausgleich über die Linie.

So belohnte er sich und die Mannschaft für den hohen Aufwand, den sie betrieben. Statt des knallharten Abschlusses wählte Demirbay den platzierten Schuss mit Übersicht. "Vielleicht muss man so kaputt sein, dass man keine Kraft mehr hat, um das Ding reinzuhämmern", scherzte der 23-Jährige nach dem Abpfiff. Mit diesem Punktgewinn schrieb Hoffenheim bereits Vereinsgeschichte.

Video: "Straßenkicker" Demirbay im Portrait

Denn in ihrem zehnten Bundesliga-Jahr gelang der TSG zum ersten Mal die Qualifikation für Europa. Doch bei der Europa League soll es nicht bleiben. Egal, mit welchem Hoffenheimer man nach Spielende in der Mixed-Zone des RheinEnergieStadions sprach, alle nahmen das Wort "maximal" in den Mund. "Wir wollen alles daran setzen, die Saison zu maximieren", sagte Sportdirektor Alexander Rosen: "Wir werden nicht nachlassen." (Stimmen zum Spiel)

Imponierender Auftritt in Köln

"Wir wollen das Maximale herausholen", kündigte auch Ermin Bicakcic an. "Da ist noch mehr drin." Das fand auch Kerem Demirbay. "Wir sind gut genug, um die Champions League zu erreichen", meinte der Torschütze. "Wir sind doch alle Fußballer geworden, um den maximalen Erfolg zu erreichen. Dafür arbeiten wir tagtäglich. Und realistisch ist es auch."

"Maximal" war die Ausbeute in Köln zwar nicht, doch der Auftritt imponierte insgesamt doch. Im Kraichgau ist unter dem jüngsten Bundesliga-Trainer eine Mannschaft herangereift, die im Gegensatz zu früheren Hoffenheimer Teams ihr Ding durchzieht und nach einer starken Vorrunde nicht einbricht. Ungeschlagen hatten sie die Hinrunde überstanden und dann auch die ersten Niederlagen im Jahr 2017 souverän weggesteckt.

"Mannschaft findet immer wieder Antworten"

Wir sind sehr stabil, spielen einen guten und ansehnlichen Fußball. Wir haben einfach eine gute Truppe. Die Jungs haben Bock drauf und ziehen alle gut mit", erklärt Oliver Baumann die Klassesaison, in der Hoffenheim nur in drei von 30 Punktspielen leer ausging. Die Mannschaft findet immer wieder Antworten auch auf neue Anforderungen.

"Das Spiel in Köln war nicht einfach, es war kompliziert für uns, weil Köln etwas anders verteidigt hat als zuletzt", analysierte Julian Nagelsmann. "Damit haben sie uns ein bisschen überrascht. Aber in den letzten Minuten war unser Druck sehr, sehr hoch. Deshalb geht der Punkt auch in Ordnung." Es war der 55. Zähler in dieser Saison und damit die Einstellung des Hoffenheimer Punkterekords aus der Saison 2008/09.

Niemand zweifelt daran, dass die TSG diesen 55 Punkten in den letzten vier Partien noch weitere folgen lässt und das Rennen um einen direkten Platz in der Champions League spannend bleibt. Julian Nagelsmann ist schon jetzt der erfolgreichste Coach in Hoffenheim. 78 Punkte und damit 1,77 pro Bundesliga-Partie holte die TSG unter ihm.

In höchster Abstiegsgefahr hatte der Trainer Hoffenheim in der vergangenen Saison nach einer 0:2-Heimniederlage gegen Darmstadt 98 am 20. Spieltag auf Platz 17 liegend übernommen. Sieben Punkte betrug der Rückstand zum rettenden Ufer. Nur 14 Punkte und zwei Siege standen auf der Habenseite. Der Klassenerhalt gelang trotzdem - und sogar vorzeitig. Das Fußballmärchen ging weiter. Ob es noch den "maximalen Erfolg" zum Saisonabschluss gibt?

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski

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