Bundesliga

14.12.2016 - 19:00 Uhr


Hoffenheims Niklas Süle: "Gegen Dortmund kommt einiges an Arbeit auf uns zu"

Hoffenheim - Nur noch zwei Mannschaften aus den europäischen Top-Ligen sind ungeschlagen. Dass es sich bei der einen um Real Madrid handelt, mag keine allzu große Überraschung sein. Dass die andere die TSG 1899 Hoffenheim ist, dagegen schon. Vor dem Spiel der Kraichgauer gegen Borussia Dortmund spricht Abwehrspieler Niklas Süle im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de über die Arbeit von Trainer Julian Nagelsmann, über Trainingsduelle mit Sandro Wagner und über die Qualitäten von Marco Reus und Pierre-Emerick Aubameyang.

bundesliga.de: Herr Süle, Hoffenheim ist die einzige deutsche Profi-Mannschaft und neben Real Madrid die einzige Mannschaft einer europäischen Top-Liga überhaupt, die noch ungeschlagen ist. Woher kommt diese Stärke bei einem Team, das vor einem halben Jahr noch auf dem Weg in die 2. Bundesliga schien?

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Niklas Süle: Mit Julian Nagelsmann haben wir einen hervorragenden Trainer, die Mannschaft hat richtig gute Typen und alle ziehen an einem Strang. Und gemeinsam haben wir uns in der Vorbereitung diese Leistungen und diesen Status hart erarbeitet. Und der gute Start hat ein Übriges getan. Wenn man erst einmal einen Lauf hat, fällt vieles leichter.

bundesliga.de: Was ist das Besondere an der Arbeit von Nagelsmann?

Süle: Julian ist ein ganz eigener Typ. Er versteht es wie ein Spieler zu denken, strahlt aber stets Autorität aus. Er ist ein absoluter Fachmann und lässt sich vom Gegner nicht in die Karten schauen. Die Analyse des Gegners ist eine seiner Stärken, bisher waren wir immer sehr gut eingestellt. Wir können zu Null spielen, wie es uns bereits einige Male gelungen ist, schaffen es aber auch immer wieder, uns Chancen herauszuspielen.

bundesliga.de: Auch die Tatsache, dass Nagelsmann ein sehr junger Trainer ist, teilweise jünger als mancher Spieler, scheint seiner Autorität keinen Abbruch zu tun, oder?

Süle: Julian ist ein sehr ehrlicher Typ. Sowohl wir Spieler untereinander als auch die Spieler und das Trainerteam pflegen ein richtig gutes Verhältnis. Das zeichnet unsere Mannschaft aus. Dennoch haben wir nicht vergessen, dass wie es in der vergangenen Saison lief. Wir wissen, dass sich die Dinge im Fußball auch sehr schnell wieder ändern können.

bundesliga.de: Die Mannschaft wirkt gerade taktisch sehr reif, Systemwechsel scheinen ihr keine Probleme zu bereiten...

Süle: Das ist richtig. Der Trainer lässt uns häufig auch während eines Spiels das System wechseln. Das ist eine Fähigkeit, die wir uns in der Vorbereitung erarbeitet haben. Das erschwert es jedem Gegner, uns einzuschätzen. Und wir können uns in einem Spiel nach dem Gegner richten, je nach Situation, aber auch schnell wieder auf unser eigenes Spiel umstellen. Ich denke, das klappt bisher wirklich gut.

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bundesliga.de: Dass Hoffenheim feinen Fußball spielen kann, war bekannt. War das sehr physisch geprägte Spiel in Frankfurt nun der Beweis dafür, dass die Mannschaft in jeder Hinsicht gereift ist?

Süle: In Frankfurt haben wir eine sehr reife Leistung gezeigt. Das war das Top-Spiel des Spieltags und für uns die bisher kämpferischste Partie überhaupt, in der beide Mannschaften gewinnen wollten. Ich denke, dass wir einen Tick reifer waren. Fußballerisch haben wir diesmal zwar kein so gutes Spiel gemacht und uns nur wenige Chancen herausgespielt. Stattdessen aber haben wir mit fairen Mitteln immer dagegengehalten, ohne uns von der Hektik anstecken zu lassen.

bundesliga.de: Auch für Sie ganz persönlich dürfte das vergangene halbe Jahr mit der Olympia-Teilnahme und der Silbermedaille von Rio, mit Ihrem ersten Länderspiel in der A-Nationalmannschaft und mit einer starken Saison für entspannte, glückliche Weihnachten sorgen...

Süle: Glückliche Weihnachten hatte ich mit meiner Familie auch im vergangenen Jahr, obwohl wir in der Tabelle weit unten gestanden haben. Ich versuche grundsätzlich, den Fußball im Privaten etwas außen vorzulassen und zum Beispiel an Weihnachten das Fest mit der Familie zu genießen. Trotzdem steht außer Frage, dass man etwas entspannter sein kann, wenn man oben steht und es auch für einen persönlich ganz gut läuft.

bundesliga.de: Ist es für Sie wichtig, dass Sie Hoffenheims erster deutscher Nationalspieler aus der eigenen Jugend sind?

Süle: Ganz ehrlich, das ist für mich eher eine Randnotiz. Vor allem sehe ich darin eine Auszeichnung für den Verein, der mich über all die Jahre begleitet und gefördert hat. Ich konnte hier meinen Schulabschluss machen, und man hat immer auf mich gebaut. Nichtsdestotrotz muss ich in Zukunft weiter hart arbeiten, damit vielleicht noch das eine oder andere Länderspiel hinzukommt. In erster Linie aber freue ich mich jetzt darüber, dass es bei uns so gut läuft.

bundesliga.de: Dass ein junger Spieler wie Sie eine sehr gute halbe oder auch komplette Serie spielt, ist nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist, wenn er dieses Niveau über einige Jahre halten kann und sich sogar durch eine schwere Verletzung nicht aus der Bahn werfen lässt. Woher kommt diese frühe Konstanz?

Süle: Ich denke, dass es immer mal das eine oder andere schlechte Spiel geben kann. Bei einem Abwehrspieler kann der kleinste Fehler zum Tor führen. Also versuche ich in jedem Spiel, die Fehlerzahl so niedrig zu halten, wie es eben geht und immer mein Bestes zu geben. Bis jetzt ist mir das ganz gut gelungen. Wenn es bei der gesamten Mannschaft gut läuft, wird es für einen selbst noch einfacher. Man hat mehr Selbstvertrauen und spielt befreiter auf. Mir ist aber auch klar, dass ich Woche für Woche Gas geben muss. Denn letztlich zählt nicht, was vorher war, sondern immer nur das nächste Spiel. Wenn man in einem Spiel vier Fehler macht und drei davon führen zu Gegentoren, spricht keiner mehr von guten Leistungen der Vergangenheit, sondern man fragt "Was war denn heute mit dem Süle los?!"

bundesliga.de: Was sagt der Abwehr-Experte Süle über den Offensiv-Profi Sandro Wagner, der in diesem Kalenderjahr der erfolgreichste Stürmer in der Bundesliga ist?

Süle: Sandro ist ein eigener Spielertyp. Von so einem Spieler profitiert jede Mannschaft. Sandro kann man flach, aber wegen seiner Körpergröße auch hoch anspielen. Er polarisiert und zieht uns mit, wenn es vielleicht nicht so gut läuft. Er geht immer vorne weg. Ein solcher Spieler ist unglaublich wichtig für die Truppe.

bundesliga.de: Wie sieht es im Trainingsspiel aus, wenn zwei solche Kleiderschränke wie Sie beide aufeinandertreffen?

Süle: Das hatten wir in dieser Saison tatsächlich schon ein paar Mal, dass mal er, mal ich etwas aus dem Training mitnehmen musste. Allerdings wiege ich sechs, sieben Kilo mehr als Sandro und habe dadurch einen kleinen Vorteil. (lacht)

bundesliga.de: Sie haben selbst eine Vergangenheit als Stürmer und haben in der Jugend mal 100 Tore in einer Saison geschossen. Warum wird einer zum Abwehrspieler, wenn er so viel Freude am Tore schießen hat?

Süle: Ich war wirklich ein Superstürmer, ich kann mir das auch nicht erklären. (lacht) Nein, im Ernst, irgendwann haben mich die Trainer in der Jugend wegen meiner Größe nach hinten gestellt. Und ich habe das wohl ganz gut gemacht. Seitdem bin ich Innenverteidiger.

bundesliga.de: Mit Borussia Dortmund kommt nun ein Team in die WIRSOL Rhein-Neckar-Arena, dass in dieser Saison zwischen Gala-Auftritten wie in der Champions League, aber auch enttäuschenden Performances schwankt...

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Süle: Es ist in dieser Saison tatsächlich etwas schwierig, den BVB einzuschätzen, gerade auswärts scheinen die Borussen manchmal Probleme zu haben. Das ändert aber nichts daran, dass die Truppe eine Riesen-Qualität hat, vor allem auch in der Offensive mit Aubameyang und mit Reus. Da dürfte einiges an Arbeit auf uns zukommen. Aber wir wissen, dass wir zuhause und vor den eigenen Fans eine Macht sind und wollen gewinnen.

bundesliga.de: Sie werden es auf Ihrer Seite gerade auch mit Marco Reus zu tun bekommen, der in bestechender Form ist. Machen Sie sich deswegen Sorgen?

Süle: In der Bundesliga bekommt man es Woche für Woche mit sehr guten Gegenspielern zu tun. In dieser Saison noch mehr als sonst, weil die Liga extrem ausgeglichen ist. Gegen Frankfurt zum Beispiel war es sicherlich nicht weniger schwer als es nun gegen den BVB werden wird. Mit der Dreierkette machen wir es richtig gut und helfen uns gegenseitig, um immer Überzahl herzustellen. Deshalb bin ich überzeugt, dass wir – wenn wir konzentriert arbeiten – auch gegen Dortmund sehr gut verteidigen werden.

Das Gespräch führte Andreas Kötter

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