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Bundesliga

14.03.2016 - 14:59 Uhr


Thomas Müller: "Es geht ums richtige Timing"

München - Thomas Müller spielt bisher eine Traumsaison - persönlich und mit dem FC Bayern München. Zuletzt traf er doppelt beim 5:0 gegen Werder Bremen. Im großen bundesliga.de-Interview spricht er gewohnt locker über sein Muskel-Verletzungs-Geheimnis, seine Ziele mit dem FCB und natürlich über das wichtige Rückspiel im Champions-League-Achtelfinale gegen Juventus Turin.

bundesliga.de: Thomas Müller, wie spielt es sich als Fußball-Profi ohne Muskeln?

Thomas Müller: (lacht)...

bundesliga.de: Arjen Robben hat das neulich gesagt und damit erklärt, dass Sie deshalb nie verletzt sind?

Müller: (lacht) Glauben Sie es oder nicht, ich habe das auch gehört. Und ich verrate ihnen ein Geheimnis - wenn Sie es nicht weiter sagen.

bundesliga.de: Jetzt sind wir gespannt.

Müller: Arjen Robben irrt sich.

bundesliga.de: Das heißt Sie haben Muskeln?

Müller: (lacht) Ja. Jetzt ist es raus. Aber im Ernst, ich denke auch darüber nach, warum es mich nicht erwischt. Da sind sicher viele Spieler, deren Muskeln anders verteilt sind. Ich bin vielleicht eher der zähe Typ.

bundesliga.de: Und Ihr Muskel-Verletzungs-Geheimnis?

Müller: Da gibt es keines. Es ist in vielen Situationen ein 50:50 Fall. Wenn es im Training mal enger zugeht, halte ich es für sinnvoll lieber eine Spur vorsichtiger zu sein. Im Spiel mag das anders sein, da geht es manchmal nicht ohne mehr Risiko. Aber grundsätzlich geht es darum, Spiel-Situationen richtig einzuschätzen. Wenn es nicht anders geht und ein Gegenspieler mit großem Tempo kommt, hilft oft nur ein Sprung. Das sieht vielleicht spektakulär aus und mancher Kommentator sagt, der hebt zu früh ab. Ich aber sehe das auch als Selbstschutz und Vorsichtsmaßnahme. Bei einem Sprung sinkt das Risiko, verletzt zu werden. (lacht) Wenn es gut geht und man dann oben auf der Lawine schwimmt. 

bundesliga.de:  Sie gelten als der unkonventionellste Fußballprofi überhaupt. Müller, so heißt es, ist überall, wo andere nicht sind. Sind Sie der Meister der Fußball-Anarchie?

Müller: Wieder gibt es kein Geheimnis. Ich versuche einfach, die Spots zu suchen, wo kein Gegenspieler ist. Gegen uns bietet der Gegner oft eine Fünferkette auf, dann triffst du auf drei 1,90 große Innenverteidiger. Der Strafraum ist voll. Da ist es wichtig, andere Wege zu suchen, weil man im direkten Zweikampf wahrscheinlich den Kürzeren zieht. Grundsätzlich aber geht es um eine gute Organisation im Strafraum.

bundesliga.de: Zum Beispiel?

Müller: Wir schwirren ja nicht herum wie die wilden Bienen. Es geht ums richtige Timing und darum, nicht in direkter Linie hinter dem Sturmkollegen zu stehen.

bundesliga.de: Das Geschäftsmodel Müller besteht also daraus, Nischen zu finden?

Müller: Das ist nicht mein Geschäftsmodel, das ist für jeden Stürmer wichtig. Antizipieren ist wichtig. Versuchen zu sehen, was wie kommt und darauf reagieren – so könnte man es zusammenfassen.

bundesliga.de: Das scheint bei Ihnen und Robert Lewandowski gut zu passen. Sie trafen 19 Mal in der Bundesliga (26 Spiele) und sechs Mal in der Champions League (7 Spiele), Robert Lewandowski 24 Mal in der Bundesliga (25 Spiele) und sieben Mal in der Champions League (7 Spiele).

Müller: (lacht) Hab ich auch gehört. Mit der Zeit entwickelt man ein Gefühl füreinander. Wo muss ich jetzt ran und wo ist der Mitspieler, der, der in eine gute Position kommt.  

bundesliga.de: Stichwort gute Position. Im Hinspiel im Achtelfinale der Champions League gab es bei Juventus Turin ein 2:2 (Spielbericht). Bedeutet das, Juve muss im Rückspiel am Mittwoch offensiver auftreten?

Müller: Das glaube ich nicht. Theoretisch reicht Juve ein Tor, wenn wir nicht treffen, um weiter zu kommen. Ich erwarte, dass sie ähnlich spielen wie im Hinspiel. Aber es ist immer wichtig, auf alles vorbereitet zu sein. Das sind wir.

bundesliga.de: Bayern München gilt neben dem FC Barcelona und Real Madrid zu den großen Favoriten auf den Champions-League-Sieg...

Müller: Hab ich was verpasst? Bisher dachte ich, wir spielen Mittwoch gegen Juventus. Über etwas zu sprechen, was danach kommt, gibt mir ein komisches Gefühl. Am Mittwoch müssen wir voll konzentriert sein. Juve ist eine internationale Top-Mannschaft, die 2015 im Finale stand. Für uns geht die Champions League deshalb zunächst bis Mittwoch. Dann sehen wir weiter.

bundesliga.de: Pep Guardiola verlässt die Bayern am Saisonende – damit kommen Mannschaft und Trainer offenbar gut zurecht?

Müller: Wir haben gemeinsame Ziele. Darum geht es. Nicht darum, was ist im Sommer. Das ist weit weg und dann kommt die EM. Für die Champions League und die EM gilt, da sind viele sehr gute Mannschaften, die ähnliche Ziele haben. Am Ende ganz oben zu stehen, ist etwas Besonderes. Das versuchen wir, wie die anderen.

bundesliga.de:  Das heißt, es macht wenig Sinn, einen ganz bestimmten Matchplan zu haben und dem strikt zu folgen?

Müller: Ich denke, dann sinken deine Chancen, das Spiel zu gewinnen. Wir haben bewiesen, dass wir auf alles vorbereitet sind. Ich halte das für den richtigen Weg, verschiedene taktische Varianten zu haben und je nach Situation auf den Spielverlauf zu reagieren. Das gilt auch für den Mittwoch.

Das Gespräch führte Oliver Trust

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