Bundesliga

03.04.2017 - 21:18 Uhr


Thomas Delaney: "In der Bundesliga muss man jedes Spiel mit Volldampf angehen"

Bremen - Der SV Werder Bremen ist das Team der Stunde. In den letzten sechs Partien holten die Bremer 16 Punkte und blieben dabei ungeschlagen. Einen sehr großen Anteil an diesem Erfolg hat Thomas Delaney, nicht zuletzt nach seinem fulminanten Dreierpack beim 5:2 in Freiburg. Der 25-Jährige Däne wechselte in der Winterpause an die Weser und ist die erhoffte Verstärkung im Bremer Mittelfeld. Vor dem Heimspiel am Dienstag gegen Schalke 04 spricht der dänische Nationalspieler im Interview mit bundesliga.de über seine neugewonnene Torgefährlichkeit und erklärt, warum die Bundesliga für ihn reizvoller ist als die Champions League.

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bundesliga.de: Nach Ihren drei Toren in Freiburg sind Sie derzeit in aller Munde. Was ist in den letzten Tagen alles auf Sie eingestürzt?

Thomas Delaney: Ich habe in meiner Karriere nicht so viele Tore geschossen und dann auf einmal drei in einem Spiel, das war schwierig zu begreifen.

bundesliga.de: Nach dem Schlusspfiff haben Sie sich nicht, wie es oft üblich ist, den Ball geschnappt.

Delaney: Nein, daran habe ich gar nicht gedacht. Das habe ich wohl vergessen.

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bundesliga.de: Wissen Sie, dass Sie bereits Bundesliga-Geschichte geschrieben haben? Nur drei andere dänische Spieler haben in der Bundesliga drei Tore in einem Spiel geschossen. Können Sie sich vorstellen, welches es waren?

Delaney: Nein, das wusste ich vorher nicht. Ich schätze mal zwei der drei Spieler sind Ebbe Sand und Allan Simonsen, oder?

bundesliga.de: Ja, das stimmt. Bekommen Sie den Dritten auch noch hin?

Delaney: Nee, da fällt mir gerade keiner mehr ein.

bundesliga.de: Kein Problem. Es war Sören Lerby für den FC Bayern. Sie haben gesagt, dass Sie zwar nie mehr als ein Tor in einem Spiel geschossen haben, es aber nicht ungewöhnlich ist, dass Sie Tore erzielen. Beim FC Kopenhagen haben Sie in 245 Partien immerhin 24 Tore geschossen und 17 vorbereitet. Nicht so schlecht für einen defensiven Mittelfeldspieler.

Delaney: Ja, das stimmt. Vor meinem Wechsel im Winter habe ich einige Tore in der dänischen Liga erzielt (6 Tore in 19 Spielen, Ann. d. Redaktion). Aber in den Jahren davor habe ich immer so ein, zwei Tore in der Saison erzielt. Irgendetwas scheint sich geändert zu haben.

bundesliga.de: Vielleicht die Position? Gegen Freiburg haben Sie etwas offensiver gespielt als sonst bei Werder.

Delaney: Nein, an der Position liegt es, glaube ich nicht, denn in Kopenhagen haben wir mit zwei defensiven Sechsern gespielt in einem 4-4-2-System. Gegen Leipzig war ich einziger Sechser in einem Fünfer-Mittelfeld, da wäre es unmöglich für mich gewesen, drei Tore in einem Spiel zu schießen (lacht). Es liegt immer daran, welche Rolle der Trainer mir zugedacht hat.

bundesliga.de: Welche Rolle oder Position würde Ihnen denn am besten gefallen?

Delaney: Wenn Sie mich fragen: Die Position auf der ich immer drei Tore schießen kann (lacht).

bundesliga.de: Sie hatten mit Werder einen sehr schweren Start ins Jahr. Zunächst gab es zwei Niederlagen gegen den BVB (1:2) und gegen Bayern (1:2), dann gingen auch die Partien in Augsburg (2:3) und gegen Gladbach (0:1) verloren. Was ging Ihnen zu dieser für den Verein so schweren Zeit durch den Kopf?

Delaney: Der Start in Bremen war für mich die größte Herausforderung, denn ich musste mich darauf einstellen, dass wir nicht jedes Spiel gewinnen werden. Beim FC Kopenhagen haben wir fast jedes Spiel erfolgreich bestritten. Im letzten Jahr hatte ich mit dem FC Kopenhagen insgesamt nur zwei Partien verloren und dann hier gleich vier in Folge. Ich musste mich komplett umstellen, aber dessen war ich mir vor meinem Wechsel bewusst. Ich war vorbereitet, trotzdem war es sehr schwierig mich darauf einzustellen. Aber das einzig Positive an den Niederlagen war, dass wir guten Fußball gespielt haben. Wir haben die vier Spiele jeweils nur mit einem Tor verloren. Das Augsburg-Spiel muss man da etwas herausnehmen, diese Partie hätten wir eigentlich gewinnen müssen. Es war aber ein gutes Gefühl, dass wir gegen die Topteams wie Dortmund, Bayern und auch Gladbach im Spiel waren. Ich wusste, dass sich die Punkte dann auch irgendwann einstellen werden.

bundesliga.de: Vor Ihrem Wechsel nach Bremen, der schon in der vergangenen Sommerpause feststand, hatten Sie auch andere Angebote. Warum haben Sie sich für Werder Bremen entschieden?

Delaney: Ich wollte einfach sicher sein, dass ich meine Einsatzzeiten bekomme. In Dänemark ist es oft so, dass Spieler wechseln und nach einem oder zwei Jahren wieder zurückkehren, weil sie bei ihrem neuen Verein nur auf der Bank saßen. Das wollte ich verhindern. Deshalb bin ich bewusst zu Werder gegangen. Es sollte ein großer Schritt für mich sein, aber auch einer, wo ich meine Leistung zeigen kann. Das war für mich das Ausschlaggebende.

bundesliga.de: Haben Sie sich vor Ihrem Wechsel mit einigen dänischen Spielern aus der Bundesliga unterhalten und sich Rat geholt? Ihr Trainer beim FC Kopenhagen, Stale Solbakken, war ja auch schon einmal in der Bundesliga als Coach des 1. FC Köln.

Delaney: Ja, ich habe mich mit Solbakken über das Angebot von Werder unterhalten und er hat gemeint, dass das ein guter und sinnvoller Wechsel wäre. Ich habe natürlich auch mit Jannik (Vestergaard, An. d. Redaktion) geredet, aber auch mit Daniel Jensen, der ja für Werder gespielt hat. Alle haben mir dazu geraten, diesen Schritt zu gehen.

bundesliga.de: War es als 25-jähriger Kapitän des FC Kopenhagen genau der richtige Schritt zur richtigen Zeit?

Delaney: Ja, ganz bestimmt. Für mich war der Wechsel in der Winterpause auch total nachvollziehbar. Ich wollte einfach auch die Chance ergreifen mit dem FC Kopenhagen in der Champions League zu spielen. Bei meinem Wechsel stand es aber noch gar nicht fest, dass wir die Gruppenphase erreichen. In der Königsklasse zu spielen, war eine riesige Erfahrung für mich. Jetzt bin ich aber sehr froh in der Bundesliga zu spielen.

bundesliga.de: Jetzt sind Sie mit Werder im Abstiegskampf. Das ist schon eine andere Welt, oder?

Delaney: In der Champions League zu spielen war überragend. Aber es sind meistens nur sechs Spiele im Jahr. Jetzt spiele ich in der Bundesliga, die eine der stärksten der Welt ist. Es ist vielleicht auch schwieriger in der Bundesliga zu spielen, als in der Champions League, wo es aufgrund der Gruppenphase sehr taktisch zu geht. In der Bundesliga muss man jedes Spiel mit Volldampf angehen, das ist die große Herausforderung.

bundesliga.de: Was ist der große Unterschied zwischen der Bundesliga und der Superliga in Dänemark?

Delaney: Die Bundesliga ist verrückt, im positiven Sinne. In Dänemark steht die Taktik im Vordergrund. Mit dem FC Kopenhagen war es immer unsere Maxime, kein Gegentor zu bekommen. In der Bundesliga wollen wir Tore erzielen. Nicht umsonst ist die Bundesliga die europäische Topliga, in der die meisten Tore geschossen werden.

bundesliga.de: Sie haben gerade gesagt, die Bundesliga sei verrückt. Wie meinen Sie das?

Delaney: Tja, es sind Spiele wie gegen Augsburg, wo du denkst, dass gewinnen wir und dann verlieren wir in der letzten Minute. Oder in Leverkusen, als Bayer in der letzten Minute noch einen Elfmeter bekommen hat und Felix (Wiedwald, Anm. d. Redaktion) den Ball dann parierte. Oder meine drei Tore in einem Spiel. Das würde in Dänemark nie passieren (lacht).

bundesliga.de: Sie haben erst acht Spiele für Werder gemacht, aber man könnte denken, sie tragen schon viele Jahre das Werder-Trikot. Ihr Trainer Alexander Nouri hat gesagt, dass Sie ein geborener Anführer sind. Wie ist es Ihnen gelungen sich so schnell an alles zu gewöhnen?

Delaney: Die Bundesliga passt einfach zu mir, sie ist laufintensiv und es gibt viele Zweikämpfe. Das ist auch mein Spielstil. Die Mannschaft hat es mir zu Beginn auch sehr leicht gemacht und mich super aufgenommen. Der Trainer hat mir sofort Vertrauen geschenkt. Ich durfte Fehler machen. Aber ich bin auch immer noch ein wenig überrascht, wie schnell die Eingewöhnung ging. Im Moment ist es auch wichtig, dass jeder Einzelne Verantwortung übernimmt. Unser Kapitän Clemens Fritz ist einer von vielen Verletzten. Jeder von uns muss sich einbringen.

Video: Thomas Delaney führt Bremen in Mainz zum Sieg

bundesliga.de: In Wolfsburg war es dann genau das Gegenteil. Werder hat schlecht gespielt und trotzdem mit 2:1 gewonnen.

Delaney: Ja, das sind eigentlich die besten Siege, wenn man schlecht spielt und trotzdem gewinnt. Aber das ist für Mannschaften, die unten drin stehen, eigentlich nicht die Regel. Da verliert man normalerweise solche Spiele. Wir haben uns das aber irgendwie erarbeitet, weil wir zuvor oft gut gespielt haben und nicht mit Punkten belohnt wurden.

bundesliga.de: Trotz der Serie mit 16 Punkten aus den letzten sechs Spielen hat Werder auf Rang zwölf nur drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Das ist schon verrückt, oder?

Delaney: Ja, das ist schon unglücklich, dass wir nach so einer Serie nur drei Punkte Vorsprung haben. Fast jedes Team im Tabellenkeller punktet gerade. Dazu kommen jetzt noch Mainz und Augsburg, die in den Abstiegskampf gerutscht sind. Es wäre natürlich schöner, wenn der Abstand auf den Relegationsplatz etwas größer wäre.

bundesliga.de: Anderseits sind es auch nur fünf Punkte Rückstand auf Rang sechs.

Delaney: Ja, das stimmt, aber damit befassen wir uns wirklich nicht. Wir müssen uns weiter von den unteren Plätzen lösen.

bundesliga.de: Was erwarten Sie von dem Heimspiel am Dienstag gegen Schalke?

Delaney: Wir haben gerade einen Lauf und werden mit sehr viel Selbstbewusstsein auftreten.

bundesliga.de: Nach dem Schalke-Heimspiel geht es am Freitag nach Frankfurt, bevor dann am Ostersonntag das Nordderby gegen den HSV ansteht. Es ist für Sie das erste Duell mit dem Hamburger SV. Denken Sie schon an dieses ewige Duell der Bundesliga?

Delaney: Nein, das Spiel ist noch sehr weit weg. Wir haben im Moment sehr viele Spiele und wenig Zeit zur Regeneration. Es dreht sich alles um das nächste Spiel.

bundesliga.de: Trotzdem wird das Nordderby im Weserstadion sicherlich ein richtungsweisendes Spiel für beide Teams sein.

Delaney: Klar, wenn wir gewinnen, können wir den Abstand auf den HSV vergrößern, aber wie gesagt, vorher stehen zwei ähnlich wichtige Spiele an.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass Werder bis zum letzten Spieltag, um den Klassenerhalt kämpfen muss?

Delaney: Wahrscheinlich, da alle Teams in der unteren Tabellenhälfte punkten. Natürlich wünschen wir uns, dass wir schon weit vor dem letzten Spieltag gerettet sind.

bundesliga.de: Sie haben jetzt auch eine Wohnung gefunden. Fühlen Sie sich in Bremen schon wohl?

Delaney: Ja, wir haben eine Wohnung gefunden und so langsam kenne ich mich in der Stadt auch ganz gut aus. Es ist ein wenig wie in Dänemark. Es schneit, es regnet und wenn die Sonne scheint, gehen die Leute nach draußen und genießen das Wetter.

bundesliga.de: Sie haben einen langfristigen Vertrag bis 2021. Was sind Ihre langfristigen Ziele, die Sie mit Werder noch erreichen wollen?

Delaney: Ich möchte nicht jedes Jahr gegen den Abstieg spielen (lacht). Werder Bremen ist ein großer Club mit einer großen Geschichte. Ich möchte Werder dabei helfen, dass Werder wieder in ruhiges Fahrwasser gelangt.

Das Interview führte Alexander Barklage

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