Bundesliga

03.02.2017 - 11:05 Uhr


Terrence Boyd: "Wir haben nichts mehr zu verlieren"

Köln - Sein Bundesliga-Debüt hat sich Terrence Boyd sicher anders vorgestellt. Das 1:6 seines neuen Arbeitgebers Darmstadt 98 gegen den 1. FC Köln trübte die Freude des Amerikaners. Doch davon wollen sich er und sein Team nicht unterkriegen lassen. Im Interview mit bundesliga.de spricht der 25-Jährige über seine Ambitionen bei den Lilien, Trainer Torsten Frings und sein Verhältnis zu den weiteren Amerikanern in der Bundesliga.

>>> Hol Dir jetzt Terrence Boyd im offiziellen Bundesliga Fantasy Manager

bundesliga.de: Terrence Boyd, Sie sind von RB Leipzig zu Damrstadt 98 gewechselt. Von den Rahmenbedingungen könnte der Unterschied zwischen Leipzig und Darmstadt kaum größer sein. Was reizt Sie an der Aufgabe in Darmstadt? Mit welchen persönlichen Zielen sind Sie gekommen?

Terrence Boyd: Mich reizt die ehrliche Chance darauf, auf meine Einsätze in der Bundesliga zu kommen, die ich mir im täglichen Training verdienen kann. Meine Ziele sind denen des Teams untergeordnet, sprich: Wenn wir die Klasse halten, dann haben sich auch meine Vorstellungen erfüllt.

"War eine Ehre, als Frings mich angerufen hat"

bundesliga.de: Welche Rolle spielte Trainer Torsten Frings bei dem Wechsel? Wie konnte er Sie überzeugen?

Boyd: Torsten Frings hat eine sehr große Rolle eingenommen. Als gebürtiger Bremer verbinde ich natürlich einiges mit dem Namen Frings. Von daher war es schon eine Ehre, als er mich angerufen und signalisiert hat, dass er mich in seinem Team haben möchte. Umso größer ist dann auch die Lust darauf, diesen Weg mitzugehen, auch wenn es mit Sicherheit kein einfacher ist. Aber man sagt ja auch, einfach ist oft auch langweilig. (lacht)

bundesliga.de: In Leipzig hat es nicht geklappt, bei den Lilien haben Sie nun Ihr Debüt in der Bundesliga gegeben. War das der einzig positive Aspekt bei der 1:6-Niederlage gegen Köln?

Boyd: Natürlich hatte ich mir mein erstes Bundesligaspiel anders vorgestellt. Aber wichtig ist, dass wir aus dem Spiel und Ergebnis die richtigen Lehren ziehen, damit wir gestärkt aus der Partie hervorgehen.

"Wir wollen die Experten widerlegen"

bundesliga.de: Die meisten Experten sehen in Darmstadt den Abstiegskandidaten Nummer eins. Das Ergebnis gegen Köln spricht für deren These. Besteht darin sogar eine Chance, weil alle Darmstadt abschreiben und kaum noch auf der Rechnung haben? Wie geht man mit der Rolle des Underdogs um?

Boyd: Wir haben nichts mehr zu verlieren, genauso müssen wir in den restlichen Partien auftreten, so spielt es sich ja oft auch am leichtesten. Wir glauben an uns, wollen frei aufspielen und die Experten schlussendlich widerlegen.

bundesliga.de: Sie haben auch einen amerikanischen Pass und spielen für die Nationalmannschaft der USA. Welchen Stellenwert hat die Bundesliga in Amerika? Wie aufmerksam wird sie verfolgt?

Boyd: Da ich nicht in den Staaten lebe, bekomme ich immer nur die Rückmeldung von den Nationalmannschaftskollegen, insbesondere bei den Trainingscamps. Die Bundesliga ist ganz oben angesiedelt in Amerika.

"Es gibt eine Zusammengehörigkeit unter den US-Spielern"

bundesliga.de: In den USA ist der Hype um Chicharito von Bayer Leverkusen riesengroß. Welche Spieler der Bundesliga sind in den USA noch große Stars?

Boyd: Bastian Schweinsteiger war immer extrem gefragt, aber natürlich auch Spieler wie Marco Reus, Thomas Müller oder Robert Lewandowski. Dazu kommt Christian Pulisic, der das nächste große Ding ist, als so junger Spieler, der regelmäßig in Dortmund zum Einsatz kommt.

bundesliga.de: In der Bundesliga spielen auch viele Amerikaner. Haben Sie viel Kontakt zu den Kollegen Timothy Chandler, John Anthony Brooks, Fabian Johnson, Bobby Wood oder eben Pulisic? Gibt es ein Zusammengehörigkeitsgefühl?

Boyd: Wir schreiben uns ab und zu und freuen uns immer, wenn wir uns bei den Trainingscamps wiedersehen. Jetzt regelmäßig in der Bundesliga aufeinanderzutreffen, ist natürlich lustig. Klar gibt es auf dem Platz keine Freundschaften, aber danach wird natürlich wieder gequatscht. Da gibt es schon eine Art Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen uns.

bundesliga.de: Am Wochenende spielen Sie gegen Eintracht Frankfurt, bei der Ihr Landsmann Timothy Chandler unter Vertrag ist, eine Woche später gegen Borussia Dortmund und Christian Pulisic. Sind diese Duelle etwas Besonderes für Sie? Wie beeindruckt sind Sie von Pulisic?

Boyd: Timothy und ich haben schon geschrieben, das machen wir regelmäßig. Er ist ein sehr guter Junge, ein super Spieler, aber trotzdem werden wir uns am Wochenende nicht schenken, schon gar nicht in einem Derby. Danach darf gerne wieder geflachst werden, aber vorher wird es ernst (grinst). Mit Pulisic habe ich bei der Nationalmannschaft noch nicht zusammengespielt, aber er ist natürlich ein unfassbar talentierter Junge. Absolut auf dem Boden geblieben und man freut sich, seinen Werdegang mitzuerleben.

bundesliga.de: Zurück zu Darmstadt 98. Wie groß ist Ihre Hoffnung, den Klassenerhalt zu packen?

Boyd: Die Hoffnung ist groß. Ich bin noch nicht lange da, aber man merkt einfach, dass Bundesliga für das ganze Umfeld ein großes Ding ist. Die Fans schreiben mir, wollen uns in Gesprächen motivieren und wir werden alles versuchen, um ihnen etwas zurückzugeben.

"Ist an der Zeit, die Fans mit gutem Gefühl nach Hause zu schicken"

bundesliga.de: Am Sonntag gastieren die Lilien im Derby bei Eintracht Frankfurt. Gegen die Eintracht wurden zuletzt zwei von drei Spielen gewonnen, auch das Hinspiel. Wie wollen Sie auch diesmal gegen den Tabellen-Dritten bestehen?

Boyd: Diese Statistik zeigt, dass es für uns machbar ist. Egal wie die Vorzeichen sind, in einem Derby kann alles passieren. Genauso müssen wir auftreten, denn wir haben nichts zu verlieren und wollen unsere Fans mitnehmen. Sie haben uns nach dem Köln-Spiel beklatscht und damit Mut gemacht, was sicherlich nicht selbstverständlich ist. Jetzt ist es an der Zeit, dass wir sie mit einem guten Gefühl auf den Heimweg schicken. Das wollen wir bis Saisonende tun, alles raushauen, um immer in den Spiegel gucken zu können.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski

Weitere Artikel

© 2017 DFL Deutsche Fußball Liga GmbH