Bundesliga

02.03.2016 - 18:50 Uhr


Stuttgart-Keeper Tyton: Der Ruhepol im Tor

Przemyslaw Tyton, vor der Saison vom spanischen Verein FC Elche verpflichtet, hatte keinen einfachen Start beim VfB Stuttgart

Mittlerweile ist der 28-Jährige, der verheiratet und Vater einer dreijährigen Tochter ist, die Nummer eins im Tor der Schwaben

Zu einem "Ruhepol“ habe sich Tyton entwickelt, und er sei ein Typ, "an dem sich die Mannschaft aufrichten kann", sagt Sportvorstand Robin Dutt über Tyton

Stuttgart - Schlechter hätte sein Start in Stuttgart kaum laufen können. Jetzt aber schätzen ihn die Fans – Keeper Przemyslaw Tyton ist angekommen beim VfB Stuttgart. Das Porträt eines schwäbischen Leistungsträgers.

Was war denn da los? Sage und schreibe acht Bundesliga-Spiele in Folge hatte der VfB Stuttgart nicht verloren, dann kam der Letzte aus Hannover und wirbelte am vergangenen Samstag in den ersten Minuten die Schwaben gehörig durcheinander. Nur einer behielt die Ruhe, fast wie immer in den letzten Wochen: Einen Schuss nach dem anderen fischte Przemyslaw Tyton sicher weg und sorgte dafür, dass seine Stuttgarter wenigstens bis zum Ende von einem Erfolg träumen durften. Mittlerweile gibt es in Stuttgart kaum noch jemanden, der nicht von den Qualitäten des Polen überzeugt ist. Dass aber war schon einmal anders – und es ist noch nicht allzu lange her.

Schwerer Start für Tyton

Vom spanischen Verein FC Elche vor der Saison verpflichtet, hatte der Mann mit dem beinahe unaussprechlichen Vornamen einen schweren Start in der Neckar-Metropole. Fast schon slapstickartige Patzer, verschuldete Foulelfmeter und ein überwiegend nervöses Auftreten bereiteten dem 28-Jährigen einen schweren Stand bei den Stuttgartern Anhängern. Höhepunkt war die Rote Karte gegen Eintracht Frankfurt. Hinzu kam, dass Tyton mit Sven Ulreich einen Stuttgarter Publikumsliebling im VfB-Tor ablöste. Was folgte, waren Pfiffe, Misstrauen und bei vielen die Erkenntnis, dass es Zeit wird, dass der andere verletzte Neuzugang für das Tor, Mitchell Langerak, endlich wieder fit werden würde.

Dann aber hatte Tyton auch ein wenig Glück: Der VfB entließ seinen glücklosen Trainer Alexander Zorniger und wendete sich ab von dessen kompromisslosem "Jag-den-Gegner"-Fußball, der auch Tyton regelmäßig in große Schwierigkeiten brachte. Immer wieder sah sich "Titi", wie sie ihn in Bad Cannstatt nennen, Eins-zu-Eins-Situationen ausgesetzt. Höchst riskant – und viel zu oft mit üblem Ausgang.

Das ist seit dem neuen Trainer Jürgen Kramny anders. Der hat es geschafft, seiner Mannschaft defensive Stabilität zu verleihen. Davon profitiert in erster Linie auch Tyton, der jetzt seine Stärken voll zeigen kann. Sicher auf der Linie, ausgestattet mit tollen Reflexen und überzeugend in der Organisation der Abwehr – so hat er einen großen Anteil am Stuttgarter Aufschwung. Einzig an der Strafraumbeherrschung und dem Abfangen der Flanken darf Tyton noch arbeiten. Da hat er Luft nach oben.

Tyton ist angekommen

In Stuttgart sind die Verantwortlichen mittlerweile hochzufrieden mit ihrem Neuzugang. "Die meisten finden ihn richtig klasse", sagt Sportvorstand Robin Dutt. Zu einem "Ruhepol" habe sich Tyton entwickelt, und er sei ein Typ, "an dem sich die Mannschaft aufrichten kann". Endlich Ruhe also hinten im Stuttgarter Tor, davon profitieren auch Tytons Vorderleute. Derzeit heißen die beiden Innenverteidiger Georg Niedermeier und Daniel Schwaab. Das Duo, auch nicht immer völlig von Kritik befreit, machte in den letzten Wochen einen stabilen Eindruck und einen guten Job.

Ganz klar: Tyton, verheiratet und Vater einer dreijährigen Tochter, ist angekommen im Schwabenland. Kraft zieht er vor allem aus seiner inneren Ruhe.  "Als Torhüter", sagt er, "darf ich nicht zu viele Emotionen zeigen. Ich muss immer konzentriert sein. Deshalb fokussiere ich mich nur auf die nächste Aktion" – so hat er in den "Stuttgarter Nachrichten" einmal seinen eigenen Arbeitsauftrag umschrieben. Das innere Gleichgewicht hierzu holt er sich in seinen freien Stunden bei langen Spaziergängen mit der Familie. Auch Deutsch spricht er mittlerweile sehr passabel, seine fünfte Sprache nach Polnisch, Englisch, Niederländisch und Spanisch.

Übrigens: Von Tytons Konkurrenten Langerak spricht in Stuttgart beinahe niemand mehr. Früh legte sich Trainer Kramny in der Winterpause auf Tyton als Nummer eins fest. Ein Vertrauensbeweis, den der Pole nun zurückzahlt. Spiel für Spiel.

Von Jens Fischer

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