Bundesliga

14.05.2017 - 15:00 Uhr


KieSSling: "So eine Saison wird nicht noch einmal passieren"

Stefan Kießling bejubelt seinen Treffer gegen Köln und den Klassenerhalt

Leverkusen - Mit der wohl besten Leistung in einem Heimspiel im Jahr 2017 hat Bayer 04 Leverkusen den Klassenerhalt perfekt gemacht. Die Werkself holte trotz eines zwischenzeitlichen 0:2-Rückstandes noch ein 2:2-Unentschieden im rheinischen Derby gegen den 1. FC Köln. Damit hat Leverkusen sein Minimalziel erreicht und Planungssicherheit für die kommende Saison, in der dann Tayfun Korkut nicht mehr Trainer von Bayer 04 sein wird. Ob der Publikumsliebling und Torjäger Stefan Kießling weitermacht, ließ er im emotionalen Interview nach dem Abpfiff offen.

Frage: Stefan Kießling, wenn man vom Sportchef in der Mixed-Zone einen Kuss bekommt, muss die Erleichterung in Leverkusen wohl groß sein?

Stefan Kießling: Es war unglaublich, was die Mannschaft über diese 90 Minuten gezeigt hat. Wir bekommen zwei Torschüsse auf unser Tor, und beide sind drin. Das war auf dem Spielfeld schon ein extremer Nackenschlag und ein Schock. Aber wir haben es irgendwie hinbekommen, aus dieser Situation wieder herauszukommen. Es war ein Wahnsinnskampf, und nach dem 2:2 hatten wir sogar noch die Möglichkeiten, das Spiel zu drehen. Jetzt müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein. Insgesamt war es ein ordentlicher Abschluss, so wie man Leverkusen auch kennt. Wir haben in einem Derby einen 0:2-Rückstand aufgeholt und dadurch den Klassenerhalt sichergestellt. Deswegen können wir glücklich und zufrieden sein.

>>> Hast du Stefan Kießling schon im Fantasy Manager?

Frage: Sie sind in dieser schwierigen Situation vorangegangen und haben viel mit den Fans gesprochen. Auch auf dem Spielfeld waren Sie überall zu finden. Wie ärgerlich war es, dass es trotz der Überlegenheit und zwei Aluminiumtreffern nur zu einem Punkt gereicht hat?

Kießling: Das ist natürlich bitter. Ich habe in dieser Saison nicht so viele Spiele von Anfang an gemacht. Es ist einfach wichtig für einen Stürmer, dass die Bälle vorne reinkommen. Jeder, der mich kennt, weiß, dass es dann auch gefährlich werden kann. Heute war das so. Außerdem hat Timo Horn überragend gehalten. Zweimal hatten wir Pech mit Pfosten und Latte. Aber ich bin wieder da und habe die Möglichkeiten. Das ist das Gute. Dann fallen auch irgendwann wieder die Tore.

"Diese Saison musst du abhaken und sacken lassen"

Frage: Haben Sie den Zusammenhalt mit den Fans, die zum Spiel ganz in rot gekommen sind, gespürt?

Kießling: Das war schon vor dem Spiel zu merken und zu sehen. Es war unglaublich, was schon bei unserer Anfahrt passiert ist. Das hat jeden einzelnen Spieler noch einmal gepusht. Wir haben uns über 90 Minuten gegenseitig gepusht. Ich habe auch immer wieder versucht, die Jungs wachzuhalten und zu ihnen gesagt, dass wir nicht aufgeben dürfen und wir das Spiel noch drehen werden. Das hat gut funktioniert.

>>> Alle Infos zum Match #B04KOE gibt es im Matchcenter

Frage: Die Erleichterung über den Ausgang des Derbys ist groß. Aber wie bewerten Sie die Saison insgesamt?

Kießling: Darüber brauchen wir nicht zu reden. Diese Saison musst du jetzt abhaken und sacken lassen. Gleichzeitig ist es aber auch so, dass du über das, was in den letzten eineinhalb Jahren passiert ist, reden musst. Ich bin aber auch davon überzeugt, dass so eine Saison nicht noch einmal passieren wird.

Frage: Verraten Sie uns, wo der Jungbrunnen steht, in den Sie offensichtlich gefallen sein müssen? Sie haben heute gespielt wie in Ihren besten Zeiten.

Kießling: Es gibt keinen Jungbrunnen, sondern in der Hinsicht nur einen Trainer, der mich aufstellt. Ich hatte natürlich im Sommer eine schwierige Situation. Nachdem ich die in den Griff bekommen habe, habe ich aber immer mittrainiert. Ich habe immer gesagt, dass ich fit bin, spielen und der Mannschaft helfen kann. Wenn ich das Vertrauen bekomme, kann ich es auch zurückgeben. Dass meine Hüfte und mein körperlicher Zustand nicht der frischeste ist und ich am Sonntag auch mit Sicherheit auf meiner Couch liegen bleiben werde, damit muss ich auch umgehen können. Deswegen werde ich mir überlegen, ob ich überhaupt weitermachen werde.

"Wenn ich fit bin, will ich auch spielen"

Frage: Diese Option halten Sie sich offen?

Kießling: Ja, weil ich nicht weiß, was in der nächsten Saison ist.

Frage: Hängt Ihre Entscheidung auch davon ab, wer neuer Trainer der Werkself werden wird?

Kießling: Diesen Mist, der in den letzten eineinhalb Jahren passiert ist, mache ich nicht mehr mit. Das kann ich vom Kopf her nicht. Wenn ich da bin und mittrainiere, möchte ich auch spielen. Wie man sieht, kann ich dann auch etwas zurückgeben. Ich habe in dieser Saison fünf Spiele von Anfang an gemacht und dabei drei Tore gemacht. Ich glaube, das sagt alles.

Frage: Wen wünschen Sie sich als neuen Trainer?

Kießling: Damit habe ich nichts zu tun. Ich wünsche mir einen, der mich aufstellt, und die Truppe im Griff hat.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski

Weitere Artikel
Die Bundesliga APP
Service

© 2017 DFL Deutsche Fußball Liga GmbH