Bundesliga

04.04.2016 - 16:05 Uhr


Standing Ovations für Thorgan Hazard

Thorgan Hazard macht sein zweites Tor gegen die Hertha und damit seinen ersten Bundesliga-Doppelpack

An 10 der 17 Torschüsse der Borussia gegen die Berliner war Hazard beteiligt

Mönchengladbach - Nach dem fünften Heimsieg in Folge bei 18:1 Toren kletterte Borussia Mönchengladbach wieder auf einen Champions-League-Platz. Im Topspiel des 28. Spieltages besiegten die Fohlen nach einer eindrucksvollen Vorstellung Hertha BSC auch in der Höhe verdient mit 5:0 (zum Spielbericht). Zum besten Mann auf dem Platz avancierte bei der Gala Thorgan Hazard mit zwei Treffern und einem Assist.

Seit 21 Monaten trägt Thorgan Hazard das Trikot von Borussia Mönchengladbach. Vor dem denkwürdigen Auftritt gegen die bis dato drittbeste Mannschaft der Bundesliga hatte der 23 Jahre alte Belgier genau 50 Bundesliga-Partien für die Borussia bestritten und dabei zwei Tore erzielt. Gegen Hertha kam es nun zur schon länger erwarteten Leistungsexplosion des Supertalents, das bislang nur sporadisch sein großes Können andeuten konnte.

Gegen die Berliner war es nun so weit. Zusammen mit André Hahn bildete der 1,74 Meter große Angreifer in Abwesenheit des bislang besten Gladbacher Torjäger, Raffael (13 Tore), das Sturmduo. Die beiden harmonierten prächtig. Der wuchtige Deutsche schuf Freiräume für den wuseligen Belgier, der endlich seine Scorerqualitäten unter Beweis stellen konnte.

"Das war ein tolles Spiel für mich und den Verein", freute sich der Matchwinner nach der Partie. "Es ist lange her, dass ich mal zwei Tore gemacht habe. Ich bin sehr glücklich darüber. Früher habe ich einige Chancen vergeben, ich habe aber nie aufgegeben, mich immer auf meinen Job konzentriert und will in jedem Spiel treffen. Diesmal konnte ich dem Team helfen." An zehn der 17 Torschüsse gegen die Hertha war er beteiligt (zu den Topdaten der Partie).

Thorgan Hazard empfahl sich eindrucksvoll für weitere Aufgaben in der Elf vom Niederrhein, in der der Kampf um die Plätze nach der Rückkehr einiger Verletzter voll entbrannt ist. Vor allem im Offensivbereich hat Borussia-Trainer Andre Schubert die Qual der Wahl - erst recht nach dem Schützenfest gegen die Berliner, bei dem auch André Hahn sowie die Joker Patrick Herrmann und Ibrahima Traoré trafen. Auf der Bank schmorte dazu noch Jonas Hofmann, auf der Tribüne verfolgte der angeschlagene Raffael begeistert das Geschehen.

Der Brasilianer sah sich in seiner Vorahnung bestätigt, hatte er Thorgan Hazard doch vor dem Spiel zwei Tore prophezeit, wie der Belgier nach dem Abpfiff verriet. "Wir haben ein tolles Team und viel Konkurrenz. Und das ist gut so", sagte Hazard nach seinem ersten Doppelpack in der Bundesliga, in der sich zuvor erstaunlich schwer getan hatte. "Ich fühle mich besser, weil ich seit zwei Jahren hier bin", bekannte der Stürmer. "Am Anfang war es nicht einfach für mich, weil die Bundesliga viel intensiver ist als die belgische Liga."

Inzwischen hat er sich aber akklimatisiert. "Thorgan hat einen überragenden Job gemacht", lobte Teamkollege Ibrahima Traoré, "aber den macht er schon seit Wochen. Ich habe ihm vor dem Spiel gesagt, dass heute auch mal ein Tor kommen muss. Er hat das sehr gut gemacht." Die Mitspieler wissen, was sie am Belgier haben und ihn durch die ihre Aussagen weiter gekitzelt.

In der Hinrunde noch schien es so, als würde Hazard den ganz großen Durchbruch auch in seinem zweiten Jahr nicht schaffen. Bei acht seiner 13 Einsätze wurde er eingewechselt, oft nur für ein paar Minuten. Erst 2016 bekam er die Kurve, stand zuletzt neun Mal in Folge in der Startelf (insgesamt lief er unter Schubert zehn Mal als Starter auf). Er war in den letzten Wochen der Aktivposten neben Raffael in Mönchengladbachs Offensive.

In der aktuellen Saison gab Hazard die drittmeisten Torschüsse seiner Mannschaft ab (38), vier Mal zappelte der Ball im Netz. Im Schnitt probierte er es alle 34 Minuten, kein Fohlen benötigt weniger Minuten für einen Torschuss. Hazard gab auch die drittmeisten Torschussvorlagen bei den Borussen, drei führten bislang zu Toren. Dass er trotz relativ geringer Einsatzzeit effektiv sein kann, zeigte Hazard auch in der vergangenen Saison, als der Edeljoker trotz der vielen Einwechslungen immerhin an acht Toren beteiligt war. Speziell als Vorbereiter war er stark und legte damals sieben Treffer vor.

Hazard ist viel unterwegs (12 Kilometer pro Spiel, nur Dahoud ist noch laufstärker bei den Fohlen) und das in hohem Tempo. 31 Sprints pro Spiel sind Bestwert bei der Borussia aus Mönchengladbach. "Ich mag es zu rennen. Das ist kein Problem für mich", meinte der 23-Jährige, als er auf seine Sprinterqualitäten angesprochen wurde.

Nach 83 Minuten war gegen die Hertha dann Feierabend für ihn. Bei seiner Auswechslung gab es Standing Ovations. "Das war ein großartiges Gefühl, den Platz unter dem Applaus der Fans zu verlassen", strahlte Hazard. Es dürfte nicht das letzte Mal gewesen sein.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski

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