EM 2016

07.07.2016 - 22:54 Uhr


Griezmann und Frankreich beenden Deutschlands Traum

Antoine Griezmann (l.) wird zum Deutschland-Schreck: Der Angreifer erzielt hier das 2:0 für Frankreich, nachdem er...

...in der Nachspielzeit der ersten Hälfte schon einen Elfmeter verwandelt hat

Der bis dahin bärenstarke DFB-Kapitän Bastian Schweinsteiger hat diesen mit einem Handspiel im eigenen Strafraum verursacht

Nach einem druckvollen Beginn der Gastgeber bekommt Weltmeister Deutschland - hier Joshua Kimmich (h.) gegen Dimitri Payet - die Partie besser in den Griff

Allein ein Tor will Julian Draxler und Co. nicht gelingen

Auch Thomas Müller (r.) ist bemüht wie immer, aber es fehlt an diesem abend in Marseille einfach die letzte Konsequenz im Angriff

Letztlich scheidet Deutschland aus und verpasst nach dem WM-Triumph 2014 den zweiten großen Titel in Folge

Marseille - Aus der Traum! Kurz vor dem großen Ziel Paris sind die deutschen Weltmeister bei der EM dramatisch gescheitert. Nach einem Handspiel des zuvor überragenden Bastian Schweinsteiger und einem Abwehrfehler verlor die deutsche Mannschaft ein packendes Halbfinale gegen den Gastgeber Frankreich mit 0:2 (0:1).

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Antoine Griezmann verwandelte vor 64.078 Zuschauern in Marseille zunächst den von Schweinsteiger verursachten Handelfmeter (45.+2). Dann machte er der Hoffnung auf das zweite deutsche Double aus WM und EM nach 1974 mit seinem zweiten Tor ein Ende (72.). In dieser Szene patzten Benedikt Höwedes, Joshua Kimmich, Shkodran Mustafi und am Ende sogar Torhüter Manuel Neuer.

Boateng muss verletzt raus

Frankreich erwartet in seinem dritten EM-Finale nach 1984 und 2000 am Sonntagabend (21:00 Uhr) Portugal - die Equipe Tricolore hat noch kein Endspiel verloren. 1984 (EM) und 1998 (WM) gewann sie ihre Heimturniere. Die DFB-Auswahl verlor erstmals seit 50 Jahren gegen einen Turniergastgeber.

Bis Schweinsteiger im Kopfballduell mit Patrice Evra seinen rechten Arm hochriss und den Ball blockte, hatte die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw das Spiel im Griff gehabt. Nach anfänglichen Problemen waren die Räume eng, der Ball lief gut, es gab mehrere Chancen - und Schweinsteiger war der stärkste Mann auf dem Platz.

Der berechtigte Elfmeter war ein Schock. Er zwang die Deutschen in die Offensive, Löw zeterte an der Seitenlinie. In der 61. Minute musste auch noch Abwehrchef Jerome Boateng verletzt raus. Beim Versuch, einen langen Pass zu schlagen, schmerzte sein rechter Oberschenkel.

Höwedes für Hummels - auch Can beginnt

Mit seiner Aufstellung hatte Löw überrascht. Dass Schweinsteiger beginnen würde, hatte der Bundestrainer verraten, und doch stand beim Anpfiff auch Emre Can auf dem Spielfeld. In seinen bisherigen sechs Länderspielen hatte der 22-Jährige als Rechtsverteidiger gespielt, diesmal sollte er helfen, das Zentrum zu verdichten.

Der gelbgesperrte Mats Hummels und der verletzte Sami Khedira fanden sich in der Rolle der Mutmacher wieder: "Auf geht's Jungs, ihr schafft das", schrieben sie in einem Tweet kurz vor dem Anpfiff vom Spielfeldrand. Für Hummels spielte Höwedes, mit dem die DFB-Auswahl erstmals ein Pflichtspiel verlor. Für Boateng kam Mustafi ins Spiel.

Die deutsche Defensive kam anfangs gewaltig ins Schwimmen. In den ersten Minuten übten die Franzosen enormen Druck aus, die deutsche Mannschaft wirkte überrascht. Neuer vereitelte einen Rückstand, indem er einen Schuss Griezmanns parierte, der Franzose war zuvor an Mesut Özil und Höwedes vorbeigestürmt (7.).

Kimmich ans Aluminium

Erst nach dieser Szene gelang es der deutschen Mannschaft, das Spiel zu beruhigen. Prompt ergaben sich gute Gelegenheiten: Nach Vorlage Cans verpasste Thomas Müller knapp den Ball (13.), kurz darauf war es der französische Torhüter Hugo Lloris, der einen Linksschuss von Can nach Vorlage von Özil glänzend parierte. Mario Gomez (Muskelfaserriss) fehlte im Sturmzentrum schmerzlich.

Aber, keine Frage, die deutsche Mannschaft war jetzt im Spiel. Can und Kimmich bildeten auf der rechten Seite lange ein ordentliches Tandem, auch wenn es bei Kontern der Franzosen stets etwas unsicher wirkte. Der Chef auf dem Spielfeld war jetzt Schweinsteiger, und er prüfte zwischendurch in der 25. Minute Lloris mit einem Schlenzer.

Die beste Chance ergab sich dann aber doch für die Franzosen: Olivier Giroud gewann auf Höhe der Mittellinie ein Kopfballduell mit Boateng und lief auf und davon, verfolgt allein von Höwedes - im letzten Moment klärte der Schalker im Strafraum mit einer herausragenden Grätsche (42.).

Löw hoffte dann, dass sich Geschichte wiederholt - er brachte den WM-Helden Mario Götze für Can. Die deutsche Mannschaft mühte sich, aber eine Fehlerkette nach der Auswechslung von Boateng machte alles zunichte. Mustafi ließ sich von Paul Pogba austanzen, die folgende Flanke erreichte Neuer nur mit den Fingerspitzen, der Ball fiel Griezmann vor die Füße - 0:2.

Kurz drauf traf Kimmich mit einem Schlenzer das Lattenkreuz (74.). Fünf Minuten später hatte der eingewechselte EM-Debütant Leroy Sané das 1:2 auf dem Fuß. Das Aufbäumen kam spät. Zu spät.

SID

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