Champions League

13.04.2016 - 22:39 Uhr


Bayern nach 2:2 in Lissabon wieder im Halbfinale

Arturo Vidal zieht ab - das 1:1 des Chilenen bringt Bayern Richtung Halbfinale

Angeführt von Kapitän Philipp Lahm in seinem 103. Champions-League-Spiel tut sich Bayern zunächst schwer

Überraschend kommt der Führungstreffer für Benfica durch Jimenez

Doch Arturo Vidal kann noch vor der Pause mit einem satten Schuss ausgleichen

Thomas Müller macht schließlich das 2:1 - die Vorentscheidung

Benfica kommt zwar noch zum 2:2, doch das reicht am Ende gegen überlegene Münchner nicht mehr

Lissabon - Der FC Bayern München hat sich im Hexenkessel von Lissabon zum fünften Mal nacheinander ins Halbfinale der Champions League gespielt und darf weiter vom Triple träumen. Vor den Augen des mitgereisten Edelfans Uli Hoeneß erkämpften sich die Bayern ein 2:2 (1:1) im Viertelfinal-Rückspiel beim portugiesischen Meister Benfica Lissabon.

Die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola trennen damit nur noch zwei Schritte vom großen Finale in Mailand. Dort gelang 2001 der vierte von inzwischen fünf Siegen in der Königsklasse. Doch wenn am 28. Mai Titel Nummer sechs folgen soll, brauchen die Münchner eine Leistungssteigerung. Die Halbfinalspiele steigen am 26./27. April und 3./4. Mai, Bayerns Gegner wird bei der Auslosung am Freitag (11:30 Uhr) ermittelt.

Vidal mit fulminantem Schuss zum Ausgleich

Nach dem Führungstreffer Benficas durch Raúl Jiménez (27.) schienen die Bayern kurz zu taumeln, doch der überragenden "Krieger" Arturo Vidal (38.) sorgte mit einem fulminanten Schuss mit dem Spann für den Ausgleich. Thomas Müller (52.) ließ die etwa 4000 mitgereisten Bayern-Fans in der portugiesischen Hauptstadt jubeln, ehe ein herrlicher Freistoß von Anderson Talisca (76.) noch einmal vor Spannung sorgte.

"Natürlich hatten wir uns das nicht so vorgestellt, dass wir 1:0 in Rückstand geraten. Aber wir wussten, dass die Welt ganz anders aussieht, wenn wir treffen", sagte Müller. "Es war ein bisschen wie im Hinspiel. Wir waren tonangebend, aber Benfica hat gezeigt, wieso sie auch von uns immer wieder als unangenehm betitelt wurden."

Letztlich reichte das 1:0 aus dem Hinspiel vor einer Woche aber zum Weiterkommen. Guardiola steht damit in seiner siebten Saison als Trainer in der Königsklasse auch zum siebten Mal im Halbfinale - in den vergangenen zwei Jahren war dort mit den Bayern aber jeweils Endstation.

Vor dem Spiel kreiste Benfica-Adler Vitória über dem Estádio da Luz, und 63.235 heißblütige Portugiesen verwandelten das feuerrote Rund darauf in das versprochene "Inferno". Doch die Bayern, die überraschend ohne den gelb vorbelasteten Topstürmer Robert Lewandowski, der Medienberichten zufolge in einen leichten Verkehrsunfall verwickelt gewesen sein soll, begannen, bewahrten in der aufgeheizten Atmosphäre zunächst kühlen Kopf. 

Trainer Guardiola setzte auf defensive Stabilität. In seinem 4-1-4-1-System fehlte im Vergleich zum Hinspiel neben Lewandowski auch Juan Bernat. Dafür begannen Javi Martínez im Abwehrzentrum und "Sechser" Xabi Alonso, der das Spiel mit seinen Präzisionspässen immer wieder zu verlagern suchte.

Lahm stellt Rekord ein

Die erste brenzlige Situation hatten die Bayern schon in der 3. Minute zu überstehen, als Eliseus Freistoß am Tor vorbeistrich. Angeführt vom starken Kapitän Philipp Lahm, der mit seinem 103. Spiel in der Königsklasse den deutschen Rekord von Oliver Kahn einstellte, übernahmen sie bald die Ballkontrolle. Doch wie zuletzt so oft fehlten dem Offensivspiel Präzision und Effektivität. Guardiolas Plan sah vor, über die Außen Douglas Costa und Franck Ribéry Stürmer Thomas Müller zu suchen. Das klappte erstmals, als Costa Platz für Lahm machte, Müller dessen Flanke aber neben das Tor setzte (19.).

Benfica tat sich ohne den gesperrten Toptorjäger Jonas und den verletzten Regisseur Nicolas Gaitán schwer. Meist ging der Ball schon im Aufbau verloren, wo die Bayern aggressiv störten. Auch bei langen Bällen auf den großen Angreifer Jiménez waren Martínez und Co. da - bis sich Neuer verschätzte. Der Torwart segelte am Ball vorbei, Jiménez setzte sich gegen David Alaba und Martínez durch und köpfte zur Führung ein.

Kurz darauf bügelte Neuer seinen Fehler wieder aus, als er die Bayern gegen Jiménez vor dem 0:2 bewahrte (30.). Vidal nutzte dann einen Abpraller zum 1:1 und hatte kurz vor dem Halbzeitpfiff sogar die Chance zum 2:1 (45.).

Costa trifft noch den Pfosten

In der zweiten Halbzeit erhöhten die Bayern den Druck, Müllers Treffer im Anschluss an einen Eckstoß von Alonso wirkte wie ein Befreiungsschlag. Während Benfica zwar bemüht, aber insgesamt viel zu harmlos wirkte, fanden die Münchner mehr und mehr ins Spiel. Costa (60.) hätte auf 3:1 erhöhen können, traf aber nur den Pfosten.

In der Schlussphase hatte Martínez viel Glück, dass Schiedsrichter Björn Kuipers ein heftiges Einsteigen des Spaniers kurz vor der Strafraumgrenze nur mit Gelb ahndete (74.). Talisca versenkte den fälligen Freistoß sehenswert im Winkel. Kurz vor dem Ende hätte Talisca nach einem weiteren Martinez-Foul fast zum 3:2 getroffen. Aber selbst das hätte den Portugiesen nicht mehr gereicht.

Weitere Stimmen zum Spiel:

Pep Guardiola (Trainer Bayern München): "Ich bin sehr glücklich. Ein großes Kompliment an den ganzen Verein für diese Stabilität, zum fünften Mal nacheinander im Halbfinale zu sein. Wir sind dort, wo wir auch in den letzten beiden Jahren waren. Jetzt wollen wir einen Schritt nach vorne machen."

Matthias Sammer (Sportvorstand Bayern München): "Wir sind auf der Zielgeraden der Saison. Es ist alles zu gewinnen oder zu verlieren. Wir müssen aber eben mehr Lust auf das Gewinnen haben, und das haben wir. Was mir gefällt, sind die Aussagen der Spieler, die wirklich an den Erfolg glauben."

Philipp Lahm (Kapitän Bayern München): "Es war ein hartes Stück Arbeit. Wir wussten, dass wir die Halbräume im Mittelfeld besser schließen müssen, und das haben wir gut gemacht. Beim 0:1 muss man auch einfach sagen, dass sowohl die Flanke als auch der Kopfball stark sind. Das ist schwer zu verteidigen. Umso wichtiger war dann der Ausgleich. Überragend, wie Arturo das mit links macht."

SID

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