Bundesliga

27.02.2017 - 16:30 Uhr


Hoffenheims Sebastian Rudy: "Ich will meine Grenzen ausloten"

Hoffenheim - Die Lobeshymnen von Julian Nagelsmann auf Sebastian Rudy waren schon vor dem Spiel gegen den FC Schalke 04 am vergangenen Wochenende groß. Als habe der Trainer der TSG 1899 Hoffenheim vorausgesehen, dass der Nationalspieler ausgerechnet in seinem 200. Pflichtspiel für die TSG auf Schalke beim 1:1 auch sein erster Saisontreffer gelingt. Und das war ein wichtiger - zum Ausgleich kurz vor dem Abpfiff, der 1899 auf Champions-League-Rang vier hält.

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"Sebastian findet immer mehr sein Entscheider-Gen, er hat gemerkt, dass er Spiele nicht nur ballsicher lenken und gestalten, sondern sie auch entscheiden kann", lobt Nagelsmann. Nach sieben wechselhaften Jahren in Hoffenheim ist der elegante Techniker mittlerweile das Symbol für den Wandel vom Abstiegskandidat zur Spitzenelf: Rudy ist vom Talent zum Anführer gereift. Weil Kapitän Eugen Polanski oft auf der Bank sitzt, führt Rudy die Hoffenheimer häufig mit der Spielführerbinde auf den Platz. "Ich denke, dass ihm auch das Kraft gibt", sagt Nagelsmann: "Er weiß, dass ich ihm vertraue."

Gerne hätte der Trainer seinen Mittelfeldstrategen auch in der neuen Saison behalten, aber er wechselt ebenso wie TSG-Innenverteidiger Niklas Süle im Sommer zum Rekordmeister FC Bayern München. Am Faschingsdienstag feiert Rudy seinen 27. Geburtstag. Gegenüber bundesliga.de erklärt er seine Entwicklung zum Hoffenheimer Anführer und warum er vor dem Konkurrenzkampf in der kommenden Runde bei den Bayern keine Angst hat.

Sebastian Rudy über...

...seine Entwicklung in dieser Saison:

"Die Nichtnominierung in den EM-Kader löste ein Jetzt -erst-recht-Gefühl bei mir aus. Das war ein Knackpunkt, ich habe mir gesagt: Da will ich unbedingt wieder hin. Die ersten ein, zwei Wochen der EM waren schon traurig für mich, aber dann hat es sich gelegt, ich bin in Urlaub gegangen und danach frisch motiviert in die Saison gestartet."

…den Einfluss von Trainer Julian Nagelsmann:

"Er weiß, wie er mich einsetzen muss, ich spüre das Vertrauen und das will ich zurückzahlen. Julian ist ein prägender Trainer für mich. Seine Ideen, seine Vorbereitung auf die Spiele haben von Anfang an funktioniert. Die Mannschaft stand sofort hinter ihm. Das Alter war nie ein Problem, weil man gleich gemerkt hat, dass er etwas draufhat.“

…Führungsqualitäten:

"Ich bin keiner, der rumschreit auf dem Platz, aber einer, auf den man sich verlassen kann, der versucht, immer anspielbereit zu sein. Ich coache meine Mitspieler, auch wenn das nicht immer jeder mitkriegt, so wie es für die Mannschaft am besten passt."

…sein Zweikampfverhalten:

"Ich versuche mich immer in jedem Bereich zu verbessern, ob auf dem Platz oder im Kraftraum. Ich habe im Zweikampf Fortschritte gemacht. Ich will nicht breiter werden, ich versuche vielmehr stabil zu sein, um geschickt in die Zweikämpfe gehen zu können und diese auch ohne Körperkontakt zu gewinnen."

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…seine Lieblingsposition:

"Ich denke, dass ich mich auf der Sechs am besten einbringen kann, da liegen meine Qualitäten. Wenn mich der Trainer aber als rechter Verteidiger aufstellt, gebe ich auch alles, aber meine Lieblingsposition ist die Sechs."

…Vorbilder:

"Früher war Bernd Schneider mein Vorbild, sein Spielstil, seine Technik haben mir gefallen, das war einfach schön anzuschauen."

…seine Saisonziele mit der TSG:

"In unseren Trainingseinheiten sieht man, dass jeder weitermachen will, niemand ruht sich aus. Mit dieser Einstellung kann man sich oben festbeißen. Wenn wir nicht nachlassen, können wir viel erreichen. Ich persönlich will mehr Punkte in der Rückrunde holen, als in der Vorrunde."

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…den Beraterwechsel von Karl-Heinz-Förster zu Christian Nerlinger: 

"Wir hatten acht super Jahre, es war dennoch an der Zeit etwas zu ändern. Mein Vater ist immer noch dabei, es läuft gut."

…die Spielweise der TSG mit mehr Aggressivität und mehr Ballbesitz:

"Wir haben die richtigen Spielertypen in der Mannschaft und wir haben einen Plan. Außerdem muss man sich einfach trauen, mutig zu sein, und das versuchen wir in jedem Spiel."

…Dominanz im Spiel:

"Die Umstellung auf mehr Ballbesitz hat viel mit unserer Dominanz zu tun, aber auch dass jeder einzelne seinen Teil dazu beiträgt, inklusive dem Trainer."

…seine Zeit in Hoffenheim:

"Ich bin durch gute und schlechte Phasen gegangen, dadurch bin ich hier auch gereift. Auch Abstiegskampf prägt."

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…seinen Sprung zum FC Bayern:

"Ich finde es gut, dass der Wechsel so früh feststeht, weil nun nicht mehr so viel geredet wird und ich mich auf das Wesentliche konzentrieren kann. Für mich persönlich ist das auch von Vorteil, so ein Wechsel geschieht nicht von heute auf morgen. Der komplette Fokus liegt jetzt auf den verbleibenden Spielen mit der TSG, die ich so gut wie möglich abschließen möchte. Dass auch Niklas nach München wechselt, habe ich erst kurz vor meiner Unterschrift erfahren."

…die größere Konkurrenz bei den Bayern:

"Ich würde den Schritt ja nicht wagen, wenn ich nicht davon überzeugt wäre, mich durchzusetzen. Ich denke, dass noch viel mehr in mir steckt, ich will meine Grenzen ausloten."

Das Gespräch führte Tobias Schächter

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