Bundesliga

12.09.2016 - 18:15 Uhr


S04 nach Bayern: Aufbruch statt Trübsal

Gelsenkirchen - Am Ende war es ganz großes Kino. Gerade hatte die Schalker Mannschaft mit der 0:2-Niederlage gegen die Bayern den Fehlstart in die Saison perfekt gemacht, als die Nordkurve den "Mythos vom Schalker Markt" anstimmte. Stimmgewaltiger Trost für eine geschlagene Mannschaft, die aber mit ihrer Spielweise viele Sympathien sammeln konnte und in der die Neuzugänge viel Raum für Optimismus lassen.

Nach zwei Spieltagen kein Punkt und kein Tor auf dem Konto, auf dem Rasen hängende Schultern und Köpfe nach der Niederlage gegen die Bayern. Und dann diese Anfeuerung und Begeisterung von den Rängen. Für Christian Heidel nicht wirklich verwunderlich. "Die Menschen hier haben ein sensibles Verständnis dafür, dass man hier alles getan hat", stellte der Sportvorstand nicht ohne Stolz fest. "Der Applaus war der Lohn für gute Arbeit."

Tatsächlich honorierten die Anhänger einen Auftritt, der es gegen den vermeintlich übermächtigen Gegner an Kampfgeist und Laufbereitschaft, Willen und gesunder Aggressivität an nichts fehlen ließ. "Wenn wir kämpfen, leidenschaftlich spielen und alles geben, dann springt der Funke auch auf die Tribüne über", freute sich Naldo. Selbstbewusst traten die Schalker auf und beschränkten sich bei weitem nicht nur auf die Verteidigung, sondern suchten mit Tempo und Mut auch die eigene Chance.

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Dass man dabei idealerweise demnächst über volle 90 Minuten Kraft und Konzentration hoch halten muss, ist allen Beteiligten klar. Vor allem, wenn man gegen so starke Gegner spielt wie den Deutschen Meister. 75 sehr gute Minuten reichten gegen die Bayern nicht, weil am Ende nur die Münchner auch dank ihrer extravaganten Bank das Tempo halten konnten und ihre Chancen eiskalt nutzten – Anschauungsunterricht in Sachen Effektivität.

Und doch hatten die Schalker zuvor über weite Strecken sogar bei den Bayern für einige Irritationen gesorgt, was Leon Goretzka hinterher bestätigte: "Man hat denen in die Augen geschaut und sie wussten auch nicht so richtig, was los ist." Und der 21-Jährige musste zugeben: "Es hat schon ein bisschen Spaß gemacht, diese Jungs so in Bedrängnis zu bringen."

Neuzugänge sorgen für Aufsehen

Vielleicht ist das sogar eine der wichtigsten Erkenntnisse, die für Schalkes Zukunft richtungsweisend sein könnte: Die Mannschaft lernt unter Markus Weinzierl gerade, das gemeinsame, aufopferungsvolle und engagierte Defensivarbeit nicht nur erfolgreich sein, sondern tatsächlich sogar Spaß machen kann. Die Mentalitätsfrage, die Christian Heidel nach dem verpatzten Saisonstart in Frankfurt in den Raum gestellt hatte, wäre damit schon ein gutes Stückweit beantwortet. Das mag wohl auch Benedikt Höwedes zu seiner Aussage bewogen haben, dass "wir heute das Schalke gesehen haben, das wir in Zukunft sein wollen."

Dazu gehört auch gleich eine ganze Reihe neuer Spieler, die bei ihrem Debüt auf Schalke der Hoffnung auf eine bessere Zukunft einen Namen gaben. Allen voran die neue Doppelsechs im zentralen Mittelfeld: Benjamin Stambouli und Nabil Bentaleb gingen zweikampfstark und kompromisslos zu Werke, liefen die Räume zu und nutzten zugleich jede Möglichkeit, dem Angriffsspiel Tempo zu verleihen.

Apropos Tempo: Auch mit dem neuen Linksverteidiger Abdul Rahman Baba herrscht auf der Außenbahn ein neuer Offensivwind. Er entwickelte Druck nach vorne, obwohl er es in der Defensive mit Thomas Müller zu tun hatte – das spricht für sich. Dazu deutete auf dem offensiven rechten Flügel auch der Ukrainer Yevhen Konoplyanka an, das er in Sachen Geschwindigkeit das Schalker Spiel gepaart mit seinen gefährlichen Dribblings auf ein anderes Level heben kann. Behäbiger Spielaufbau und mangelndes Flügelspiel dürften damit unter Markus Weinzierl insgesamt zu einem Relikt der Vergangenheit werden. 

Keine Unruhe nach Fehlstart

Während dem hoch talentierten Breel Embolo noch etwas die Bindung zum Spiel fehlt, dirigierte Naldo seine Abwehr schon deutlich souveräner als noch in Frankfurt und suchte zudem einige Male den Weg nach vorne, um zusätzlich Dampf zu machen. An seiner Seite in der Innenverteidigung glänzte Matija Nastasic – Ausnahme Gegentor – mit beeindruckender Souveränität. Bedenkt man, dass der Serbe nach seiner Verletzung nach über einem Jahr erstmals wieder ein Pflichtspiel bestritt, könnte er getrost auch der Abteilung Neuzugang zugerechnet werden. 

Gerade einmal drei Tage konnte Markus Weinzierl vor dem Bayern-Spiel mit dem kompletten Kader inklusive aller Neuzugänge trainieren. Das lässt reichlich Luft nach oben in Sachen Abstimmung und Automatismus und lässt zugleich für die Zukunft noch einiges erwarten – auch ein Grund, warum auf Schalke trotz des Fehlstarts nicht nur die Fans irgendwie ganz schön gelassen sind.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte

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