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Bundesliga

12.01.2016 - 16:11 Uhr


Bayern-Star Robert Lewandowski: "Du darfst nie leichtsinnig werden"

Köln - Robert Lewandowski hat ein beeindruckendes Jahr 2015 hinter sich. Als persönliches Highlight des Stürmers vom FC Bayern München blieb natürlich sein legendärer Fünferpack gegen Wolfsburg in Erinnerung. Im Interview mit bundesliga.de erinnert sich der Pole noch einmal an seine Glanzleistung, spricht über die Stimmung bei seinen Bayern und die Chancen auf den Gewinn der Deutschen Meisterschaft - mit dem BVB als größtem Konkurrenten.

Frage: Herr Lewandowski, Sie sind kürzlich zu Polens Sportler des Jahres 2015 gewählt worden. Welche Bedeutung hat dieser Titel für Sie?

Robert Lewandowski: Ich bin sehr, sehr stolz. Es war das erste Mal seit 33 Jahren, dass ein Fußballspieler diesen Titel gewonnen hat. Das letzte Jahr war unglaublich für mich. Wir haben bei der Nationalmannschaft sehr gut gespielt und auch bei Bayern. Und ich hoffe, dass dieses Jahr noch besser wird als das letzte. Ich will immer Titel gewinnen. Wenn du Titel gewinnst, bist du zufrieden. Bei Bayern sind wir sehr fokussiert auf Titel. Auch bei der Nationalmannschaft haben wir ein Ziel, das wir bei der EM in Frankreich erreichen können. Wir müssen Gas geben!

Frage: Wie hat Ihr Umfeld auf diese besondere Auszeichnung reagiert?

Lewandowski: Ich habe mit meiner Familie schon gesprochen, klar, und auch mit meiner Frau. Sie sind alle sehr zufrieden weil Fußball für viele Menschen in Polen etwas ganz besonderes ist. In Polen leben fast 40 Millionen Menschen. Ich bin sehr zufrieden, dass ich als Fußballer diesen Titel gewonnen habe.

Frage: Ihr wahrscheinlich größtes persönliches Highlight des vergangenen Jahres war der historische Fünferpack gegen den VfL Wolfsburg. Welche Erinnerungen haben Sie an diesen glorreichen Abend?

Lewandowski: Ich weiß, dass diese Geschichte bei mir bleibt bis zum Ende meines Lebens. Das ist etwas Besonderes. Die ersten paar Tage nach dem Spiel hatte ich keine Ahnung, was ich gemacht habe, denn es war so schnell: Fünf Tore in neun Minuten! Als ich ein kleiner Junge war, hätte ich nie geträumt, dass ich fünf Tore schießen könnte - und vor allem nicht in neun Minuten. Dann ist es so gekommen. Manchmal, wenn ich an das Spiel denke, weiß ich auch nicht genau wie es passiert ist. Aber ich bin sehr zufrieden, dass es in einem so wichtigen Spiel gegen Wolfsburg passiert ist. Es stand 1:0 für Wolfsburg, ich kam rein und habe das Ausgleichstor. Dann ging es einfach so weiter. Das ist Fußball, du kannst nie wissen, was passiert.

Frage: Sie haben im April 2013 für den BVB einmal vier Tore in der Champions League gegen Real Madrid erzielt. Wie fühlen Sie sich nach solchen Gala-Auftritten?

Lewandowski: Nach diesen Spielen wie gegen Real Madrid oder gegen Wolfsburg bist du sehr zufrieden und sehr locker. Es ist wichtig, wie du dich danach verhälst. Du darfst nicht leichtsinnig werden, nein. Du musst auch im nächsten Spiel fokussiert bleiben, egal wie viel du mit den Medien darüber sprechen musst. Denn Fußball ist immer die erste Priorität. Für alles, was nebenbei passiert, hast du auch Zeit. Aber du musst wissen wann. Deswegen muss man wirklich cool bleiben. Ein paar Tage nach dem Wolfsburg-Spiel zum Beispiel stand schon das nächste Bundesliga-Spiel an, dann das nächste Champions-League-Spiel. Ich wollte einfach gut spielen und das nächste Tor schießen.

Frage: Kommen wir einmal auf die Titelaussichten im Jahr 2016 zu sprechen. Wie sicher ist der erneute Gewinn der Deutschen Meisterschaft für den FC Bayern?

Lewandowski: Wir müssen Gas geben bis zum Ende, egal wie viele Punkte Vorsprung wir haben. Das sind im Moment acht Punkte, aber wir sind noch nicht Deutscher Meister. Es ist am besten, wenn wir bis zum letzten Spiel fokussiert bleiben. In der Champions League wie auch im Pokal ist es wichtig, dass wir das Maximum liefern und konzentriert bleiben, egal gegen wen wir spielen.

Frage: Zu Beginn des Jahres 2015 lag der FC Bayern auch in allen Wettbewerben aussichtsreich im Rennen...

Lewandowski: Wir wissen, was wir im letzten Jahr falsch gemacht haben. Und ich hoffe, dass wir es dieses Jahr besser machen. Ob es in der Bundesliga fünf oder acht Punkte Vorsprung sind, macht keinen großen Unterschied. Denn das sind zwei, drei Spiele. Dann kann sich alles umdrehen. In der Rückrunde können wir uns nicht so viele Fehler erlauben, wenn wir Deutscher Meister werden wollen.

Frage: Ihr größter Konkurrent im Kampf um die Meisterschaft ist wohl Borussia Dortmund. Was sagen Sie zu der Steigerung des BVB im Vergleich zur vorigen Saison?

Lewandowski: Ich habe immer noch Kontakt zu den Leuten beim BVB. Dieses Jahr spielen sie sehr gut, auch in der Europa League. In der letzten Saison war alles fast katastrophal, ich weiß nicht warum. Sie haben auch eine Menge Qualität, viele gute Spieler. Sie spielen in diesem Jahr ein bisschen anders als letztes Jahr. Sie haben nicht selten gezeigt, wie viele Tore sie schießen können. Sie haben viel Potenzial - in der Defensive sowie im Angriff. Wir werden bis zum letzten Spiel mit dem BVB kämpfen. Das ist auch für uns gut.

Frage: Im Trainingslager sind jetzt einige Verletzte wieder zum Team gestoßen. Wie bewerten Sie den Kader des FCB?

Lewandowski: Wir haben noch nicht alle zusammen gespielt, deswegen haben wir ein paar Probleme. Aber wenn alle fit sind, haben wir ein unglaubliches Potenzial und eine hohe Qualität. Das müssen wir auf dem Platz zeigen. Manchmal kann man viele gute Spieler haben, aber es funktioniert einfach nicht alles. Das sieht man auf dem Platz. Deswegen wollen wir alle zusammen in eine Richtung gehen. Egal gegen wen oder mit welcher Besetzung wir spielen, alle wollen Tore schießen und Spiele gewinnen.

Frage: Wie schwierig ist es manchmal auf dem Rasen gegen Mannschaften, die sich sehr auf die Verteidigung konzentrieren?

Lewandowski: Am Anfang hatten wir vielleicht das Problem, dass wir selbst zu defensiv gespielt hatten. Mit Vierer- oder Fünferkette und auch noch zwei Sechser dazu. Aber wir haben daraus gelernt, wie wir das besser machen gegen die Mannschaften, die sehr defensiv spielen. Für mich als Stürmer ist es immer schwierig, wenn ich um jeden Meter freien Raum kämpfen muss. Es ist schwer, zum Abschluss zu kommen. Wir dürfen auch nicht vergessen, ruhig zu bleiben und unseren Job zu erledigen, wenn wir mal einen Gegentreffer kassieren. Zum Beispiel in Gladbach: Da sind wir in Rückstand geraten und wollten schnell den Ausgleich erzielen - das war ein bisschen zu hektisch. Deswegen konnten die Gladbacher auch die nächsten zwei Tore schießen, und dann war es schon vorbei.

Frage: Pep Guardiola ist nur noch bis zum Saisonende Ihr Trainer. Was sagen Sie zu dem bevorstehenden Wechsel?

Lewandowski: Ich bin ein Typ, der nur an die aktuelle Saison denkt. Wie gesagt wollen wir zusammen in eine Richtung gehen und dann am Ende der Saison hoffentlich alle auch feiern. Was danach passiert, ist ein anderes Thema. Das ist etwas Neues. In diesem Jahr wollen wir mit Guardiola die Bundesliga und auch die Champions League gewinnen. Das sind für uns sehr wichtige Ziele. Im Fußball ist es manchmal so, dass Trainer kommen und gehen - und Spieler auch. Deswegen müssen wir nur an diese Saison denken, sogar nur an diese Rückrunde. Danach kommen eine neue Vorbereitung, eine neue Saison und neue Ziele. Am Wichtigsten ist, was jetzt passiert.

Frage: Zum Abschluss noch ein anderes Thema: Wer sind Ihre Top 5 Bundesliga-Spieler, wenn Sie sich festlegen müssten?

Lewandowski: Es ist sehr schwierig, nur fünf Spieler zu wählen. Allein in unserer Mannschaft gibt es eine Menge sehr guter Spieler. Unter den Offensivspielern ist Thomas Müller sehr gut. Douglas Costa auch, Arjen Robben, Franck Ribéry. Das sind schon vier - außer mir natürlich. (schmunzelt) Auch Kingsley Coman ist ein sehr guter Spieler. Er ist noch sehr jung, hat aber ein unglaubliches Potenzial. Er kann noch besser spielen, und zeigen, wie gut er ist, vor allem in Eins-gegen-eins-Situationen. Und außerhalb von Bayern? Aubameyang und Reus sind Topspieler! Ich habe mit beiden auch trainiert, deswegen kann ich sie gut einschätzen. Wenn du nur einmal gegen einen Spieler spielst, ist es schwer. Aber im täglichen Training und auf dem Platz erkennt man die Qualitäten von Spielern sehr genau.

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