Bundesliga

21.01.2016 - 17:28 Uhr


DFL-Sehbehindertenreporter-Seminar mit Teilnehmerrekord

93 Teilnehmer waren in Kamen dabei. So viele Reporter, Behindertenfanbeauftragten und Nutzer konnte die DFL vorher noch nie begrüßen

In drei verschiedenen Workshops wurde intensiv gearbeitet und konstruktiv diskutiert

In der Sensibilisierungseinheit am Abend erblindeten die Teilnehmer temporär

Lars Isecke, Co-Trainer der deutschen U20-Nationalelf, hielt einen fesselnden Taktik-Vortrag und erntete donnernden Applaus

Köln - Wenn der Hamburger SV gegen den FC Bayern München die Rückrunde eröffnet, werden die Augen der knapp 57.500 Fans im Volksparkstadion auf das Spielfeld gerichtet sein - sollte man zumindest annehmen. Tatsächlich werden sich unter den Stadionbesuchern aber auch einige Fans befinden, die das Spiel allein mit den Ohren verfolgen. Für diese blinden und sehbehinderten Fans gibt es in Deutschland flächendeckend einen ganz speziellen Kommentar. Kurz vor dem Rückrundenstart kamen die Sehbehindertenreporter auf Einladung der DFL Deutsche Fußball Liga zu ihrer jährlichen Schulung zusammen und arbeiteten zwei Tage intensiv daran, dass das Ohr ihrer Zuhörer jederzeit auf Ballhöhe ist.

93 Seminarteilnehmer aus 24 Clubs fanden sich in der Sportschule Kamen-Kaiserau ein. Damit wurde die bisherige Rekordteilnehmerzahl um ein Drittel übertroffen. Neben den Reportern waren auch zahlreiche Behinderten-Fanbeauftragte und sehbehinderte Fans in Kamen vertreten. "Die hohe Teilnehmerzahl bestätigt die DFL auf ihrem Weg, die Serviceangebote für alle Stadionbesucher - auch blinde und sehbehinderte - im engen Austausch mit den Clubs und den Nutzerinnen und Nutzern weiter zu qualifizieren.", erklärte Arne Stratmann, Referent Fanangelegenheiten der DFL.

Intensive Arbeit in drei Workshops

Stratmann führte durch die Veranstaltung und wurde dabei von seinen DFL-Kolleginnen Katharina Baumann und Sabrina Lehmann sowie Björn Nass vom Zentrum der Sehbehinderten- und Blindenreportage (ZSBR) der AWO, das von der Bundesliga-Stiftung gefördert wird, unterstützt. Auch aufgrund der Gruppenstärke wurde allerdings die meiste Zeit in Workshops gearbeitet. Schon im Vorfeld wurde das Teilnehmerfeld in drei Gruppen aufgeteilt. In jeder der Gruppen brachten neben den Reportern auch Behinderten-Fanbetreuer und blinde und sehbehinderte Fans ihre Expertise ein.

Die verschiedenen Workshops wurden von erfahrenen Sehbehindertenreportern vorbereitet und geleitet. Andrej Myrokis (Fortuna Düsseldorf) beschäftigte sich intensiv mit dem Thema Standardsituationen, während Broder-Jürgen Trede (Hamburger SV) und Wolf Schmidt (FC St. Pauli) gemeinsam mit den Teilnehmern einen Leitfaden für das Sprechen im Team entwickelten. Eine Praxisübung der besonderen Art präsentierten Nadine Merten und Jens Romeiser (beide Eintracht Frankfurt): Die Reporter mussten ihr Können an der PlayStation beweisen. Allerdings nicht als Spieler, sondern als Live-Kommentatoren. Eine Übung, die auch bei den Nutzern sehr gut ankam.

Während der beiden Tage durchlief jede der drei Gruppen die einzelnen Workshops. Broder-Jürgen Trede, der in Hamburg seit 2003 die Sehbehindertenreportage leitet und jedes der acht bisherigen Seminare mitorganisiert hat, lobte nach der Veranstaltung das große Engagement seiner Kollegen: "Alle waren sehr diszipliniert bei der Sache. Das funktioniert aber nur, wenn die Leute merken, dass sie hier was mitnehmen können."

"Blindenreportage auf sehr hohem Niveau"

Nina Schweppe vom Fanclub Sehhunde, in dem seit 1991 blinde und sehbehinderte Fans aus ganz Deutschland organisiert sind, hat schon etliche Fußballspiele gehört und zahlreiche Schulungen besucht. Mit der Entwicklung in Deutschland ist sie sehr zufrieden: "Die Blindenreportagen haben ein sehr hohes Niveau erreicht und man merkt, dass die Reporter was dazu lernen wollen", so Schweppe.

Neben den sprachlichen Fähigkeiten müssen die Sehbehindertenkommentatoren für eine gute Reportage auch über das nötige Fachwissen verfügen. Um das taktische Verständnis der Teilnehmer zu schärfen, hielt Lars Isecke, Trainerausbilder und Co-Trainer der deutschen U20-Nationalmannschaft, einen packenden Vortrag. Immer wieder bezog Isecke die Zuhörer mit ein und gab wertvolle Anhaltspunkte, worauf die Reporter in Zukunft achten sollten. "Die Taktikschulung war ein Volltreffer", befand nicht nur Arne Stratmann. Der donnernde Applaus für Isecke sprach Bände.

Wenn am Wochenende die Bundesliga-Rückrunde startet, werden nicht nur die Teams bestens vorbereitet sein. Auch die Sehbehindertenreporter werden in Topform antreten - weil das Konzept für das Wochenende in Kamen voll auf ging: "Ziel war es, den Spannungsbogen hoch zu halten - und das ist uns trotz der sehr großen Teilnehmerzahl gelungen", zog Stratmann ein positives Fazit. Von den geschärften Sinnen der Reporter profitieren die Fans, die das Spiel zwar mit den Ohren verfolgen - in Hamburg und allen anderen Stadien der Bundesliga.

Florian Reinecke

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