Bundesliga

06.04.2016 - 16:46 Uhr


Ralf Fährmann vor dem Revierderby: "Angespannt bis in die Haarspitzen"

Gelsenkirchen - FC Schalke 04 gegen Borussia Dortmund! Das anstehende Revierderby elektrisiert die Fans beider Clubs schon Tage vor dem Anpfiff. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht Schalkes Torwart Ralf Fährmann über die Gefühle, die dieser Klassiker bei den Spielern auslöst, über die aktuelle Vorherrschaft des BVB im Ruhrpott und über die Positionierung der Bundesliga im Ausland.

bundesliga.de: Herr Fährmann, das Derby gegen Borussia Dortmund steht an. Für die Fans beider Clubs sind diese Spiele die Highlights der Saison. Wie aber empfinden das die Spieler? Ist heute ein Spiel in der Champions League, etwa gegen Real Madrid, nicht die weit größere Herausforderung?

Ralf Fährmann: Ich denke, das kann und sollte man nicht vergleichen. Spiele in der Champions League gegen Real Madrid, Chelsea oder Manchester City sind ohne Frage herausragend, weil man auf Teams trifft, die zu den besten der Welt gehören. Das Derby gegen den BVB ist aber noch einmal eine andere Sache, weil hier die Emotion eine so große Rolle spielt. In der Stadt spürt man schon Tage vorher, dass dieses Spiel ansteht. Die Leute sprechen einen auf der Straße an, und das gewisse Etwas liegt in der Luft. So waren vor dem Spiel beim BVB in der Hinrunde bei unserem Abschlusstraining noch einmal wesentlich mehr Fans als sonst anwesend und haben uns ihre Unterstützung signalisiert. Wahnsinn!

bundesliga.de: Sind Sie vor einem Spiel gegen den BVB nervöser als vor anderen Spielen?

Fährmann: Schalke gegen Dortmund, das ist die Mutter aller Derbys. Ein Spiel, das weltweit für Aufmerksamkeit sorgt. Als Schalker bekommt man das gleichsam mit in die Wiege gelegt. Ich bin zwar nicht nervös vor einem Spiel gegen den BVB, aber angespannt bis in die Haarspitzen. Vielleicht kann man es so sagen: Vor anderen Spielen pusht man sich, um die volle Konzentration zu erreichen. Geht es gegen den BVB, ist es aber eher umgekehrt. Dann muss man versuchen, sich etwas zu beruhigen, damit man im Spiel nicht über das Ziel hinausschießt.

bundesliga.de: Wie sehr schmerzt angesichts der Bedeutung dieser Partie die Tatsache, dass der BVB Schalke auf lange Zeit enteilt zu sein scheint?

Fährmann: Wir dürfen uns nichts vormachen, Borussia Dortmund spielt zurzeit einen erfolgreichen Fußball. Aber man darf nicht außer Acht lassen, dass wir uns aktuell in einem Umbruch befinden. Im Übrigen ist Fußball ein Tagesgeschäft, es macht keinen Sinn, einen Zehn-Jahresplan aufstellen zu wollen. Die Dinge können sich innerhalb weniger Monate ändern. Zudem habe ich noch länger Vertrag auf Schalke und bin sehr zuversichtlich, dass wir die Situation irgendwann zu unseren Gunsten ändern können.

bundesliga.de: Der BVB vermarktet sich zunehmend auch auf ausländischen Märkten, hat etwa ein Auslandsbüro in Singapur. Welches Potenzial sehen Sie diesbezüglich für Schalke?

Fährmann: Ich halte es grundsätzlich für richtig, dass sich die Bundesliga und ihre Clubs auch im Ausland positionieren. Dieses Engagement ist der ganz normale Lauf der Dinge und nicht bloß im Fußball so. Nur so bleibt man konkurrenzfähig. Deshalb ist es folgerichtig, wenn der BVB ein solches Büro in Singapur unterhält. Aber auch Schalke ist nicht untätig. Unser vergangenes Winter-Trainingslager haben wir in Florida abgehalten (Sonderseite: World Tour 2016). Und im vergangenen Sommer haben wir unseren US-Online-Store mit einer riesigen Werbung auf dem New Yorker Times Square eröffnet.

bundesliga.de: Mit welchen Gefühlen beobachten Sie grundsätzlich die Entwicklung der Bundesliga im internationalen Vergleich?

Fährmann: Es ist kein Geheimnis, dass Fußball heute auch ein sehr großes Business ist. Die Begeisterung rund um den Fußball ist kaum zu bremsen. Fußball ist der Volkssport Nummer eins, und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern. Ich halte die Bundesliga für die beste Liga der Welt, wenn man alles zusammen nimmt. Die Klasse und die Attraktivität des Fußballs, die Struktur der Vereine und die tollen, immer ausverkauften Stadien. Logisch, dass eine so attraktive Liga auch für das Ausland interessant ist.

bundesliga.de: Die beste Werbung bleiben aber Erfolge in der Bundesliga, und da tut sich Schalke schwer...

Fährmann: In Ingolstadt (zum Spielbericht) haben wir ein schlechtes Spiel gemacht, keine Frage. Zu Saisonbeginn haben wir uns das Ziel gesetzt, besseren Fußball zu spielen als in der vergangenen Saison. Phasenweise ist uns das auch schon gelungen. Selbstverständlich wollen wir alle international spielen. Aber wir tun gut daran, in den kommenden Wochen nur von Spiel zu Spiel zu schauen. Denn jetzt warten mit dem BVB, Bayern München und Bayer Leverkusen richtig dicke Brocken auf uns. Da wäre es verfrüht zu sagen, jetzt geht es in die eine oder in die andere Richtung. Dafür ist die Qualitätsdichte in der Bundesliga viel zu groß. Ob nach oben oder nach unten – noch ist viel möglich.

Das Gespräch führte Andreas Kötter

>>> Sonderseite zum Revierderby

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