Bundesliga

04.02.2015 - 13:19 Uhr


Wellenreuther: "Ich sagte nur: 'Ja klar, mache ich gern.'"

"Ich sagte nur: 'Ja klar, mache ich gern!'", sagte Wellenreuther zu seinem Torwarttrainer, als er von seiner Einwechslung hörte

München - Viel Zeit zum Nachdenken hatte Timon Wellenreuther nicht. Kurz vor Beginn der zweiten Halbzeit in München brach auf der Bank des FC Schalke 04 plötzlich Hektik aus, als Torwarttrainer Massimo Battara den 19 Jahre alten Keeper auf sein überraschendes Bundesliga-Debüt vorbereitete.

"Als alle Spieler rauskamen, kam er zu mir und meinte: 'Zieh dich jetzt um, du musst ins Tor!'", beschrieb Wellenreuther anschließend die Szene. "Ich sagte nur: 'Ja klar, mache ich gern.' Das ist mein Ziel, ich will spielen."

Wellenreuther ersetzt Giefer

Gut möglich, dass der 1,86 Meter große Schlussmann bereits am Freitag wieder ran muss. Denn Fabian Giefer, der beim 1:1 gegen den FC Bayern zur Pause wegen einer Leistenverletzung in der Kabine bleiben musste, wird gegen Borussia Mönchengladbach (Freitag, ab 20:00 Uhr im Liveticker) nicht zur Verfügung stehen, wie die Königsblauen am Mittwoch bestätigten. Und weil Stammkeeper Ralf Fährmann aufgrund einer Kreuzbandzerrung weiter ausfällt, ist Wellenreuther neben Routinier Christian Wetklo plötzlich der heißeste Anwärter auf den Platz zwischen den Pfosten.

"Ich trainiere wie immer, gebe 100 Prozent und wenn ich spielen sollte, bin ich da", sagte Wellenreuther. Seit 2013 ist der gebürtige Karlsruher bei den Königsblauen, von der Jugend des KSC wechselte er zunächst in die Schalker Knappenschmiede. In seiner ersten Saison feierte er mit der Schalker U19 gleich den Gewinn der westdeutschen Meisterschaft und des Westfalenpokals.

Mit den Profis im Trainingslager

Mit der Unterzeichnung seines ersten Profivertrags erfolgte im vergangenen Sommer der nächste Schritt auf der Karriereleiter. Kurz darauf durfte er zusammen mit anderen Nachwuchstalenten mit ins Trainingslager der Profis reisen. "Wir sind noch jung und ein bisschen außen vor. Dennoch sind wir voll anerkannt", sagte der damals 18-Jährige in Grassau.

Auch sein Vater, Ingo Wellenreuther, der Präsident des Karlsruher SC, verfolgte die Trainingseinheiten seines Sohnes vor Ort am Chiemsee genau und sah ihn dabei mit jeder Aufgabe wachsen. Besonders seine Keeper-Kollegen Giefer und Fährmann dienten Wellenreuther junior dabei als Vorbilder. "Fabian hat eine gute Sprungkraft und ist sehr explosiv", beschrieb Wellenreuther. "Ralf beeindruckt durch seine Persönlichkeit. Wie er im Spiel auftritt, ist einfach bärenstark."

"Ich habe mein Spiel durchgezogen"

Seinen Lernerfolg stellte der Nachwuchstorhüter nun ein gutes halbes Jahr später vor 75.000 Zuschauern in der Allianz Arena unter Beweis. "Ich habe mein Spiel durchgezogen, egal wer vor mir stand, ob Robben oder Lewandowski - ich habe mein Bestmögliches gegeben. Ich hoffe, das konnte ich auch zeigen", sagte Wellenreuther.

Vor allem seine erste Parade in der 57. Minute gegen Arjen Robbens wuchtigen Schuss gab ihm Selbstvertrauen. "Er hat seine Aufgabe souverän gelöst", lobte Manager Horst Heldt. "Gleich den ersten Schuss, der aufs Tor kam, konnte Timon parieren. So etwas ist immer wichtig, wenn man reinkommt und sicherlich nervös ist." Große Nervosität war bei Wellenreuther jedoch nicht erkennbar. "Respekt hat man immer", betonte der Youngster, "aber so viel Respekt hatte ich gar nicht."

Lob von Trainer Di Matteo

Sein Trainer Roberto Di Matteo war jedenfalls zufrieden mit dem ersten Bundesliga-Auftritt seines jungen Ersatzmannes. "Timon Wellenreuther war nach seiner Einwechslung ganz cool", hob Di Matteo hervor. "Er hat das gut gemacht."

Wellenreuther sah seine eigene Leistung etwas selbstkritischer. "Der perfekte Einstand war es nicht, ich habe nicht zu null gespielt", haderte er. "Dennoch ist Bayern eine Hausnummer. Es war ein gutes Debüt für mich und darauf bin ich stolz." Aber vielleicht bekommt er ja schon am Freitag die nächste Chance, sich auszuzeichnen.

Aus München berichtet Maximilian Lotz

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