Bundesliga

23.12.2016 - 12:45 Uhr


Kovac hat das "Unmögliche möglich" gemacht

Zum Jahresabschluss dürfen Marco Fabian, Branimir Hrgota und Aymen Barkok gegen Mainz noch einen weiteren Sieg bejubeln

Frankfurt. "Die Welt steht Kopf" titelte die Frankfurter Rundschau nach dem 3:0-Sieg von Eintracht Frankfurt im Rhein-Main-Derby gegen den 1. FSV Mainz 05. Und tatsächlich ist der Aufschwung der Hessen sensationell: Innerhalb eines Dreivierteljahres ist Eintracht Frankfurt von einem Fastabsteiger zu einem Champions-League-Kandidaten mutiert.

Mit 29 Punkten aus 16 Spielen überwintern die Hessen auf Platz 4. So gut war die Eintracht seit 23 Jahren nicht mehr, seit April hat diese Mannschaft kein Heimspiel mehr verloren - und nur zwölf Gegenorte sind Clubrekord zu diesem Zeitpunkt einer Saison.

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Trainer Niko Kovac war also zu Recht stolz auf das Erreichte. Seit dem 8. März ist der ehemalige kroatische Nationaltrainer in Frankfurt als Nachfolger von Armin Veh im Amt. "Wenn man sieht, wie wir den Klassenerhalt geschafft haben, die Mannschaft und den Club verändert haben, dann bin ich sehr zufrieden", sagte er. Mit Retter Kovac machte die Eintracht in den Relegationsspielen gegen den 1. FC Nürnberg doch noch "das Unmögliche möglich" (Kovac) und schaffte den Klassenerhalt.

Und in der aktuellen Runde formte Kovac mit vielen Zugängen aus vielen Ländern schnell eine Einheit. "Wir haben etwas geschafft, womit niemand gerechnet hat", konstatierte der Trainer: "Das fühlt sich gut an." Aber ansonsten hält Kovac genauso wie der Vorstandsvorsitzende Fredi Bobic den Ball so flach wie möglich in Frankfurt. "Eine Momentaufnahme" sei das, sagen beide wie aus einem Mund und neue Ziele werden sicher erst nach dem Erreichen der 40-Punkte-Marke ausgerufen.

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Eintracht gewinnt auch schlechtere Spiele

Die Entwicklung der Eintracht überrascht alle. Im Nachhinein darf sich Sportdirektor Bruno Hübner ruhig einmal selbst auf die Schulter klopfen, es war sein Vorschlag, Niko Kovac und dessen Bruder Robert als Assistenztrainer zu verpflichten. Früher spielte Niko Kovac für Bayern, den HSV, die Hertha aus seiner Geburtsstadt Berlin und Leverkusen als aggressiver Mittelfeldspieler in der Bundesliga. Nun hat er sich bei der Eintracht und in der Liga schnell als Trainer etabliert. Jüngst verlängerten die Frankfurter seinen Vertrag bis 2019, und nach David Abraham unterschrieben auch Rechtsverteidiger Timothy Chandler (2020) und Stratege Makoto Hasebe (2018) neue Verträge.

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Frankfurt hat einen Lauf, den Spielern macht es Spaß für die Eintracht zu spielen. Die Kovac-Eintracht agiert mittlerweile so wie ihr Trainer früher im defensiven Mittelfeld: aggressiv, unnachgiebig, willens-, kampf- und laufstark. "Was das Trainerteam aus dieser Mannschaft gemacht hat, ist bemerkenswert", sagt Vorstand Axel Hellmann. Die Eintracht hat sogar den Punch, schlechtere Spiele wie das gegen Mainz zu gewinnen.

Transfers sind alle eingeschlagen

Und das auch ohne Torjäger Alexander Meier, der Routinier fehlte im Derby wegen einer Erkrankung. Also schossen gegen die Nullfünfer eben Branimir Hrgota (18., 85.) und der eingewechselte Aymen Barkok (75.) die Tore. Apropos Barkok: Die Entwicklung des 18 Jahre jungen Talents zeigt, dass Kovac plötzlich auch Alternativen auf der Bank hat. Der in Frankfurt aufgewachsene Offensivmann mit marokkanischen Wurzeln unterschrieb erst vor zwei Monaten einen Profivertrag und überzeugt bei seinen Kurzeinsätzen bislang mit außergewöhnlichen Tricks. "Spieler wie ihn gibt es nicht viele in der Bundesliga", lobt Kovac und sagt dem Techniker eine große Zukunft voraus.

Diese haben womöglich auch die beiden spanischen Zugänge Jesus Vallejo, 19, in der Innenverteidigung und Omar Mascarell, 23, im Mittelfeld. Die kritisch beäugte Einkaufspolitik des Sommers erwies sich doch als trefflich. Und auch erfahrene Spieler wie Szabolcs Huszti, Bastian Oczipka, Marco Fabian, Abraham oder Hasebe wurden unter Kovac besser. Der Trainer will nun in seiner Wahlheimat Salzburg und in Kroatien bis zum Trainingsbeginn am 3. Januar neue Kräfte sammeln. Niko Kovac sagt: "Die Bundesliga zehrt ganz schön." Der Frankfurter Eintracht hat der 45-Jährige ja auch ziemlich viel Kraft gegeben.

Von Tobias Schächter

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