Bundesliga

29.08.2016 - 15:59 Uhr


Hoffenheims Niklas Süle: Ein Highlight jagt das andere

Zwischen Olympia, Bundesliga und Nationalelf: Hoffenheims Niklas Süle

Sinsheim - Vergangenen Donnerstagabend stand Niklas Süle an der Zapfsäule einer Tankstelle, als er einen Anruf einer unbekannten Nummer empfing. Als dann der Herr Löw sich gemeldet, habe sei ihm fast der Zapfhahn aus der Hand gefallen, erzählt Süle und fügt grinsend hinzu. "Das war ein krummes Ding, damit habe ich nicht gerechnet." Der "Herr Löw" ist ja ein gewisser Joachim Löw, Trainer der DFB-Nationalmannschaft, der den 20 Jahre jungen Innenverteidiger der TSG 1899 Hoffenheim nun erstmals in die A-Nationalmannschaft berufen hat.

Es sind aufregende Zeiten für Niklas Süle: Vergangenen Mittwoch noch erzählte er zusammen mit dem Hoffenheimer Teamkollegen Jeremy Toljan von seinen Erlebnissen bei den Olympischen Spielen von Rio: Die Silbermedaille wurde nach der Endspiel-Niederlage gegen Gastgeber Brasilien und Superstar Neymar im mit 70 000 Zuschauern ausverkaufen Maracana-Stadion von Rio und nach der Rückkehr bereits von Süles Mutter zusammen mit dem Final-Trikot  eingerahmt und im Elternhaus an die Wand gehängt.

Bei der Nationalelf "viel aufsaugen"

"Dieses Finale - auch wenn wir es leider im Elfmeterschießen verloren haben - ist eine Geschichte, die wir unseren Kindern noch erzählen werden. Das war ein absolutes Highlight", meinte Süle am Mittwoch. Am Donnerstag kam dann der Anruf von Löw, am Sonntag spielte Süle nur eine Woche nach dem Endspiel von Rio zum Bundesliga-Auftakt für die TSG gegen RB Leipzig - und am Montag ging es mit dem Zug nach Düsseldorf, wo sich die deutsche Nationalmannschaft auf die Spiele am Mittwoch gegen Finnland und das WM-Qualifikationsspiel kommenden Sonntag in Norwegen vorbereitet.

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Nach dem Abpfiff gegen Leipzig war Süle ziemlich ausgepowert. Aber Pause machen will er erst nach der Rückkehr von der Nationalmannschaft für ein, zwei Tage. Im Moment befindet sich Niklas Süle in einem Flow seiner jungen Karriere und den will er genießen. "Ein Highlight jagt das andere. Ich versuche so viel mitzunehmen wie es geht, viel aufzusaugen und mich bei der Nationalmannschaft für weitere Maßnahmen zu empfehlen", sagt er.

In gewohnter Umgebung den nächsten Schritt machen

Niklas Süle wird am kommenden Sonntag zwar erst 21 Jahre jung, aber mit 75 Bundesligaeinsätzen ist er schon ein erfahrener Innenverteidiger.  Von Trainer Markus Gisdol wurde er im Abstiegskampf 2013 in höchster Not erstmals in der Bundesliga eingesetzt. Seitdem hat sich Süle trotz eines herben Rückschlags durch einen Kreuzbandriss ("Ich feierte mit 19 mein Comeback.")  zu einem der begehrtesten Innenverteidiger der Bundesliga entwickelt. In Rio trat er mit überragenden Leistungen erstmals auch überregional so richtig ins Rampenlicht. Fachleute sehen in diesem trotz seiner 1, 94 Meter beweglichen und schnellen Verteidiger aber schon lange einen kommenden Nationalspieler. Der ehemalige Hoffenheimer Nachwuchschef Bernhard Peters sagte schon vor Jahren über den damaligen Jugend-Spieler: "Ein Best-Performer wie Süle wird seinen Weg gehen."

In der Branche ist Süle schon lange begehrt: Der in Frankfurt am Main geborene und über Rot-Weiß Walldorf, Eintracht Frankfurt und Darmstadt 98 schon in der B-Jugend nach Hoffenheim gekommene Athlet lehnte in diesen Sommer reizvolle Angebote ab, Süle zieht es vor, "in gewohnter Umgebung den nächsten Schritt zu machen" -der ihm nun schneller gelungen ist, als er selbst geglaubt hat. Und in Hoffenheim glaubt er mit Trainer Julian Nagelsmann auch an Erfolge, er sagt: "Wäre ich davon ausgegangen, dass wir noch einmal so eine Saison spielen, dann hätte ich mich nicht entschieden, hier zu bleiben. Ich denke schon, dass wir die Klasse haben, so abzuschneiden wie Hertha BSC letzte Saison, wenn alles gut läuft. Ich sage aber nicht, dass wir in die Europa-League müssen", sagt Süle.

DFB-Debüt winkt

Gegen Leipzig fehlten nach drei Wochen Absenz in der Heimat manchmal die Selbstverständlichkeit im Zusammenspiel mit den Kollegen. Das sei normal, sagt Süle, der sich bei zwei gewagten Dribblings etwas zu viel zugetraut und den Ball verlor hatte. "Zum Glück ist kein Tor passiert, aber uns fehlten auch ein bisschen die Anspielstationen", erklärt der immer freundliche und positive Süle.

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Trotz großer Müdigkeit freut er sich nun auf seine nächsten Karrierehöhepunkt und hofft "vielleicht auf ein bisschen Spielzeit" am Mittwoch gegen Finnland. Dazu wird es mit großer Wahrscheinlichkeit auch kommen. Joachim Löw kündigte bereits Einsatzzeiten für die Olympiateilnehmer Süle, Julian Brandt und Max Meyer an. Süle ist damit der erste Jugendspieler, der aus der Hoffenheimer Jugend den Sprung in den Nationalmannschaftskader geschafft hat. Er sagt grinsend: "Das ist eine tolle Sache für Hoffenheim und für mich noch toller."

Aus Sinsheim berichtet Tobias Schächter

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