Bundesliga

28.04.2016 - 17:00 Uhr


Fohlen-Shootingstar Mo Dahoud: "In der Mitte kann ich der Mannschaft am besten helfen."

Mönchengladbach - : Mahmoud „Mo“ Dahoud gilt als eines der größten Talente im deutschen Fußball. Unter Trainer André Schubert ist der 20-jährige zum unverzichtbaren Taktgeber im offensiven Mittelfeld von Borussia Mönchengladbach geworden. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht Dahoud über über seine "Ausbildung“ auf der Straße und seine Vorbilder und darüber, warum er früher besser war als heute.

bundesliga.de: Herr Dahoud, am Samstag muss Borussia Mönchengladbach beim FC Bayern München antreten. Was kommt Ihnen sofort in den Sinn, wenn Sie an die Bayern denken?

Mahmoud Dahoud:Dass der FC Bayern München eine Macht ist wie es keine andere in der Bundesliga gibt. Und auch international sind die Bayern eine der absoluten Top-Mannschaften. Und natürlich denke ich, wenn der Name FC Bayern fällt, auch sehr gerne an unseren tollen 3:1-Sieg im Hinspiel im Borussia Park. (schmunzelt)

bundesliga.de: Tritt ein technisch so beschlagener Fußballspieler wie Sie sogar lieber gegen die Bayern an als gegen Clubs, die Fußball eher arbeiten?

Dahoud: Nein, so kann man das nicht sagen. Gegen die Bayern ist es schon ein besonders Spiel. Aber ich nehme grundsätzlich jeden Gegner sehr ernst und freue mich auf jedes einzelne Spiel, das ich bestreiten darf.

bundesliga.de: Umgekehrt ist das Erste, das vielen Fans bei Ihrem Namen einfällt, Ihr unbekümmerter Auftritt gegen Franck Ribéry beim Telekom Cup 2013, als Sie den Franzosen am eigenen Sechzehnmeterraum mit dem so genannten Zidane-Trick ins Leere laufen ließen. Damals waren Sie gerade einmal 17 und es gehörte wohl schon eine gehörige Portion Mut zu dieser Aktion, oder?

Dahoud: Nein, überhaupt nicht. Darüber denke ich vor oder während der Aktion nicht nach. Solche Dinge geschehen bei mir ganz intuitiv und aus der jeweiligen Situation heraus. Im Übrigen glaube ich, dass ich damals sogar besser drauf war als heute.

bundesliga.de: Besser als in dieser Saison, in der Sie bei Borussia zum Stammspieler geworden sind?

Dahoud: Davon bin ich wirklich überzeugt.

bundesliga.de: Sie scherzen...

Dahoud: Nein, wirklich nicht. Ich glaube, dass mein gesamter Bewegungsablauf damals geschmeidiger und fließender war als heute. Aber vielleicht ist das ja nur mein subjektives Empfinden, weil ich sehr perfektionistisch veranlagt und nie ganz zufrieden mit mir bin.

bundesliga.de: Ihre Trainer bei Borussia, Lucien Favre und André Schubert, dagegen waren und sind hoch zufrieden, auch wenn Favre Sie eineinhalb Jahre auf den ersten Bundesliga-Einsatz warten ließ...

Dahoud: Alles seinen Sinn hatte und war gut für meine weitere Entwicklung. Lucien Favre hat mir nie Druck gemacht und mich Schritt für Schritt an den Profi-Fußball herangeführt. Er war detailbesessen, hat mich nach dem Training häufig beiseite genommen und mir erklärt, worauf ich achten und was ich verbessern muss. Aber er hat mir immer auch aufgezeigt, was ich bereits gut mache.

bundesliga.de: Mittlerweile sind Sie unter Schubert längst zum Stammspieler gereift. Spüren Sie nun, dass Profi-Fußball bisweilen nicht nur Freude, sondern auch Frust bereiten kann?

Dahoud: Nein, Frust nicht. Aber ich glaube, dass viele Außenstehende unterschätzen, dass man sich auch im Fußball alles hart erarbeiten, immer konzentriert sein und bei der Stange bleiben muss. Profi-Fußballer zu sein ist das Schönste, das es gibt. Aber es steckt auch viel Arbeit dahinter.

bundesliga.de: Wo finden Sie Entspannung?

Dahoud: Am liebsten schlafe ich. Das ist mein Ernst. (lacht) Natürlich chille ich aber auch sehr gerne mit meinen Freunden, wir essen gemeinsam etwas Leckeres oder quatschen einfach nur über Dies und Das. Mit der Playstation habe ich es im Gegensatz zu vielen meiner Kollegen allerdings nicht so. Dann lieber schlafen. (lacht)

bundesliga.de: Hat Ihre Leidenschaft für den Fußball auf der Straße begonnen, wie bei vielen großen Ballkünstlern?

Dahoud: Als Kind habe ich tatsächlich nichts Anderes gemacht als mit den anderen Kids auf der Straße oder bei uns im Hof zu kicken. Da sind alle Kinder zusammengekommen und wir haben stundenlang gespielt, ohne dass es uns jemals langweilig geworden wäre. Ab dem Moment, in dem ich laufen konnte, war der Ball mein Ein und Alles. Und daran hat sich bis heute nichts geändert.

bundesliga.de: Wann haben Sie zum ersten Mal geglaubt, dass der Traum vom Profi-Fußball wahr werden könnte?

Dahoud: Das ist schwer zu sagen. Vielleicht fing der Taum irgendwann einmal Profi-Fußballer werden zu können an, als ich zu meinem ersten Verein gekommen bin, dem SC Reusrath. Bei einem Probetraining bei Fortuna Düsseldorf waren zunächst nicht alle von meinen Fähigkeiten überzeugt, aber letztendlich hat der Wechsel dann geklappt. Irgendwie habe ich mich aber doch noch buchstäblich durchgedribbelt, und seit 2010 bin ich Gladbacher Borusse. Ein großer Schritt, der nicht immer einfach für mich war.

bundesliga.de: Warum?

Dahoud: Ich bin mit 15 ins Internat des Nachwuchsleistungszentrums der Borussia gezogen und war das erste Mal von Zuhause und der Familie getrennt. Meine Eltern sind damals zum jedem Heim- und auch zu fast allen Auswärtsspielen gekommen. Das hat mir sehr geholfen.

bundesliga.de: Hatten Sie Vorbilder?

Dahoud: Zidane! Sie wissen schon, der mit dem gleichnamigen Trick. (lacht) Zidane war ein grandioser Fußballer, aber ebenso wie seine Technik hat mir seine ungeheure Ausstrahlung imponiert. Er ist auch heute noch mein Vorbild und manche seiner Spielszenen habe ich mir immer und immer wieder an- und das Eine oder Andere auch abgeschaut.

bundesliga.de: Das Abschauen hat geholfen, denn obwohl Sie gerade einmal 20 Jahre alt sind, bilden Sie mit Granit Xhaka die so wichtige Doppelsechs im Mittelfeld der Borussia. Ist das Ihre Lieblingsposition?

Dahoud: Absolut. In der Mitte und wenn ich das Spielgeschehen vor mir habe, fühle ich mich am wohlsten. Und ich glaube, dass ich der Mannschaft dort auch am besten helfen kann.

bundesliga.de: Xhaka ist mit 23 ebenfalls noch sehr jung. Wie erklären Sie sich, dass zwei so junge Spieler eine so zentrale Rolle nahezu perfekt ausfüllen können?

Dahoud: Mein Trainer sagt immer, dass es keine zu jungen oder zu alten Spieler  gibt, sondern nur gute oder schlechte. Und anscheinend hält er uns für gut genug. (schmunzelt)

bundesliga.de: Sie sind aber nicht nur ein feiner Fußballer, sondern auch ein Arbeitstier, denn kaum ein Spieler der Bundesliga läuft mehr als Sie. Woher nehmen Sie nach einer langen Saison diese Kraft?

Dahoud: Ganz ehrlich, mittlerweile und gerade in den vergangenen zwei Spielen, spüre ich die Saison in jedem Knochen. Aber ich denke, dass das ganz normal ist nach einer langen Spielzeit mit Dreifach-Belastung.

bundesliga.de: Gegen Hoffenheim war von Müdigkeit bei Ihnen nichts zu sehen...

Dahoud: Manchmal geht es rauf und manchmal geht es runter, das ist nun mal im Fußball so. (lacht)

bundesliga.de: Im Moment geht es für Sie wohl ausschließlich nach oben. Reicht die Karriereleiter auch schon bis zu den Olympischen Spielen in Rio?

Dahoud: Rio wäre natürlich eine tolle Sache, mit der ich mich aber im Moment noch nicht befassen muss. Ich denke, dass ich das am besten in aller Ruhe auf mich zukommen lasse.

bundesliga.de: Woran denken Sie bei Rio und bei Brasilien?

Dahoud: An Traumwetter, tolle Strände und köstliche Früchte. Und natürlich an tollen Fußball.

bundesliga.de: Der Ruf des brasilianischen Fußballs ist allerdings ziemlich angekratzt seit dem 1:7-Halbfinal-Debakel bei der WM 2014 gegen Deutschland. Gibt es trotzdem brasilianische Fußballer die sie bewundern?

Dahoud: Natürlich war das eine heftige Niederlage, zudem im eigenen Land. Aber auch das ändert nichts daran, dass einige meiner Lieblingsfußballer brasilianische Spieler sind. Ronaldo, Ronaldinho, Robinho oder Kaka waren oder sind immer noch wahre Künstler am Ball.

bundesliga.de: Stichwort Ballkünstler: Damit kommen wir zum Schluss noch einmal zum Spiel gegen die Bayern, die - wie Sie eingangs gesagt haben - eine Macht sind. Warum sollte Borussias Auswärtsschwäche gerade dort ein Ende finden?

Dahoud: Ich denke, dass man nicht pauschal sagen kann, dass wir auswärts schlecht gespielt haben. Meiner Meinung nach haben wir zum Beispiel in Wolfsburg oder auf Schalke richtig gut gespielt und hätten jeweils den Sieg verdient gehabt. Beide Male hatten wir aber einfach sehr viel Pech.

bundesliga.de: In Hannover und in Ingolstadt war Borussia allerdings ...

Dahoud: Hannover war wirklich ein schlechtes Spiel von uns! Da gebe ich Ihnen völlig Recht. Und was Ingolstadt betrifft: Dort haben sich fast alle Mannschaften sehr schwer getan, was mit der Spielweise der Ingolstädter zusammen hängt. Und auch wir haben dort einfach nicht die richtigen Mittel gefunden.

bundesliga.de: Demnach müsste Borussia von den beiden letzten Auswärtsspielen der Saison eher das in München als das in Darmstadt gewinnen können...

Dahoud: Darmstadt wird bestimmt noch einmal sehr unangenehm. Je nach dem worum es für beide Teams noch geht, wird es bestimmt eine äußerst intensive Partie. Damit rechne ich aber  auch am kommenden Samstag. Allerdings haben wir in den letzten Jahren sehr gute Spiele dort gemacht und auch Ergebnisse erzielt.  Beispielsweise haben wir  dort vor einigen Jahren durch ein Tor von Igor de Camargo mit 1:0 und in der vergangenen Saison durch zwei Raffael-Tore mit 2:0 gewonnen. Ich denke jedenfalls, dass wir nicht chancenlos sind in München.

Das Gespräch führte Andreas Kötter

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