Bundesliga

17.03.2017 - 11:38 Uhr


Gladbachs Sportdirektor Max Eberl: "So hat man eine Chance gegen Bayern München"

Mönchengladbach - Borussia Mönchengladbach empfängt Rekordmeister FC Bayern München am Sonntag im Borussia Park als zweitbestes Team der Rückrunde. Ein Szenario, das noch vor zwei Monaten kaum vorstellbar schien. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht Sportdirektor Max Eberl über Borussias Erfolge in der bisherigen Rückrunde, über die Klasse der Bayern und über ein etwaiges weiteres Aufeinandertreffen mit den Münchnern.

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bundesliga.de: Herr Eberl, noch vor wenigen Wochen hatte sich mancher Borussen-Fan wohl bereits auf Abstiegskampf eingestellt. Jetzt aber empfängt Borussia als zweitbeste Rückrundenmannschaft den FC Bayern. Überrascht Sie manchmal noch, was alles möglich ist im Fußball?

Max Eberl: Mittlerweile bin ich weit weniger überrascht als vielleicht noch zu Beginn meiner Tätigkeit bei Borussia. Die Bundesliga ist ein extrem enger Wettbewerb, bei dem man sich nie sicher sein kann schon etwas erreicht zu haben. Deshalb waren wir nicht sonderlich überrascht, dass uns im Winter eine kompliziertere Situation als erwünscht ereilt hat. Die ganze Zeit und auch beim Neustart mit Dieter Hecking waren wir aber davon überzeugt, dass wir über eine Mannschaft verfügen, die den Turnaround schaffen kann. Dass dieser Turnaround sogar in sehr kurzer Zeit und angesichts von acht Auswärtsspielen bei insgesamt zwölf Spielen möglich war, macht uns besonders froh.

bundesliga.de: Hatten Sie eine etwas länger dauernde Konsolidierungsphase erwartet?

Eberl: Ich hatte schon die Hoffnung, dass wir nach der Winterpause gut in die Bundesliga starten würden. Nicht zuletzt, um dann mit großer Motivation und mehr Selbstvertrauen als das noch in der Winterpause zu erwarten gewesen wäre, in die beiden Pokalwettbewerbe, die Europa League und den DFB-Pokal, gehen zu können. Das ist uns durch die ersten Spiele in der Bundesliga gelungen, so dass wir ohne das über uns schwebende Damoklesschwert Abstiegskampf in die Pokalspiele gehen konnten. Und durch die Erfolge, die wir dort erzielt haben, konnten wir wiederum weiteres Selbstvertrauen für die Bundesliga sammeln.

bundesliga.de: Ein Sieg beim Hamburger SV am vergangenen Wochenende hätte die Borussia bereits wieder auf einen internationalen Platz führen können. Befürchten Sie, dass angesichts der vielen englischen Wochen allmählich die Kräfte schwinden könnten?

Eberl: In der Tat liegen sechs englische Wochen und insgesamt 40 Pflichtspiele und damit die meisten der gesamten Liga hinter uns. Das soll keine Entschuldigung sein, sondern ist schlichtweg Fakt. Bisher aber haben es Dieter Hecking und sein Trainerstab immer wieder geschafft, die Mannschaft auf Kurs zu bringen. Dass wir aber auch mal ein Spiel verlieren würden, das ist doch nicht außergewöhnlich. Wenn man in der Hinrunde ein Wellental durchschritten hat, kann es trotz eines neuen Trainers nicht immer nur bergauf gehen. Und wir werden vielleicht auch noch die eine oder andere weitere Niederlage hinnehmen müssen.

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bundesliga.de: Schon am Sonntag gegen die Bayern?

Eberl: Der FC Bayern München ist der Klassenprimus der vergangenen Jahrzehnte. Nichtsdestotrotz wollen wir auch dieses Spiel bestmöglich gestalten.

bundesliga.de: Auf einen Kräfteverschleiß der Bayern braucht wohl niemand zu hoffen. 28 Tore in den vergangenen sieben Pflichtspielen sprechen eine deutliche Sprache....

Eberl: Selbst wenn die Saison der Bayern vielleicht bis vor drei, vier Wochen – was die Spielweise betrifft – von Experten nicht als brillant bezeichnet wurde, so haben sie ihre Spiele doch fast immer gewonnen Dass sie in den vergangenen Wochen so ins Rollen gekommen sind und nun auch die Spielweise sehr überzeugend ist, kommt für mich deshalb nicht überraschend.

bundesliga.de: Wie geht man ein Spiel gegen eine solche Top-Mannschaft in Topverfassung an?

Eberl: Wir treffen auf die beste Mannschaft Deutschlands und eine der besten in Europa, die – wenn sie diese Qualität für die kommenden Wochen konservieren kann – sehr viel erreichen wird. Es scheint, dass Carlo Ancelotti ein sehr gutes Gespür dafür hat, seine Mannschaft in der entscheidenden Saisonphase auf Top-Niveau zu bringen. Wir wissen also, dass dieses Spiel eine große Herausforderung bedeutet. Derartige Herausforderungen hatten wir in der Hinrunde in der Champions League mit dem FC Barcelona und mit Manchester City aber auch zu bewältigen. Ob Barca, Man City oder der FC Bayern – diese Teams stehen für die Crème de la Crème des europäischen Fußballs. Im Borussia Park haben wir den Bayern in den vergangenen Jahren stets einen großen Kampf geliefert. Und das wollen wir am Sonntag auch tun.

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bundesliga.de: Denken Sie da zum Beispiel an den bisher letzten Besuch der Bayern im Dezember 2015, als man den FCB in einem begeisternden Spiel mit 3:1 besiegen konnte?

Eberl: Natürlich denkt man an die Spiele der vergangenen Jahre, in denen wir oft sehr gut agiert haben. Wir wissen, dass man gegen Bayern München einen Sahne-Tag und das viel zitierte Quäntchen Glück braucht. Man muss die Münchner so beeindrucken, dass sie den Borussia Park nicht mit ihrer typischen, großen Spielfreude bespielen können. So hat man auch eine Chance gegen den FC Bayern. Das haben die vergangenen Jahre gezeigt.

bundesliga.de: Borussia gegen Bayern – das ist diesmal der Rückenrunde-Zweite gegen den Rückrunden-Ersten und erinnert so an die glorreichen 70er Jahre...

Eberl: An die 70er Jahre möchte ich hier und heute gar nicht erinnern, sie sind unvergleichlich. Ich denke, dass wir diesen Vergleich schon in den vergangenen fünf Jahren auf sehr hohem Niveau gestalten konnten. Danach konnte man wohl von einem Klassenunterschied zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayern München sprechen. Seit wir uns aber viermal für Europa, davon zweimal für die Champions League qualifiziert haben, verfügen wir über das Niveau, Paroli bieten zu können – nicht über eine komplette Saison, aber in einem einzelnen Spiel durchaus.

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bundesliga.de: Das macht nicht nur Mut für Sonntag. Es könnte schließlich nicht das letzte Aufeinandertreffen in dieser Saison sein...

Eberl: Das ist richtig, für mich aber heute noch Zukunftsmusik. Sollten wir in dieser Saison noch ein drittes Mal gegen Bayern München spielen dürfen, würden wir im DFB-Pokalfinale stehen und hätten etwas sehr Großes erreicht. Das ist jetzt aber überhaupt noch nicht in unseren Köpfen. Jetzt zählt für uns nur das Bundesliga-Spiel gegen die Bayern.

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bundesliga.de: In der Bundesliga noch die Chance auf Europa und im DFB-Pokal im Halbfinale – hat man da angesichts der schwachen Hinrunde nicht jetzt bereits Großes geleistet?

Eberl: Auch das kommt für mich zu früh. Wir haben gezeigt, dass man innerhalb kürzester Zeit in der Tabelle Anschluss finden kann. Genauso gut kann es aber auch einmal in die andere Richtung gehen, so wie das in der Hinrunde der Fall war. Ich zahle dafür gerne sogar sechs Euro ins Phrasenschwein, aber erst am Ende einer Saison sollte man bewerten, ob es eine gute Saison war oder nicht, und welche Faktoren dazu geführt haben. Dass wir hier und heute sehr froh darüber sind noch in zwei Wettbewerben dabei zu sein, versteht sich aber von selbst. Denn das bedeutet, dass wir bisher bereits einiges richtig gemacht haben.

Das Gespräch führte Andreas Kötter

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