Bundesliga

22.01.2016 - 10:59 Uhr


Max Eberl: "Unser Plan: Nur Transfers, die langfristig Sinn machen"

Mönchengladbach - Der Rückrundenauftakt gegen den BVB dürfte den einen oder anderen bei Borussia Mönchengladbach an den schwierigen Saisonstart vor einem halben Jahr erinnern. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht Sportdirektor Max Eberl über Borussias Neuverpflichtungen und sein grundsätzliches Transfer-Konzept, über die schwierige Balance zwischen Defensive und Offensive und über Granit Xhaka.

Vorschau: Borussia M'gladbach - Borussia Dortmund

bundesliga.de: Herr Eberl, wie ist kurz vor dem Start der Rückrunde gegen den BVB Ihr Eindruck von der Vorbereitung, die Ihre Mannschaft absolviert hat?

Max Eberl: Der grundsätzliche Eindruck ist gut, weil wir keine neuen Verletzten zu beklagen haben. Vielmehr sind mit Ibra und Martin (Anm.d.Red.: Ibrahima Traoré und Martin Stranzl) zwei Rekonvaleszenten zurückgekommen, die den Kader quantitativ und auch qualitativ verstärken werden. Mit einer Bewertung, ob die Vorbereitung sportlich gut oder schlecht gelaufen ist, tue ich mich ein wenig schwer. Denn am langen Ende zählt nur wie wir Samstag (ab 18 Uhr im Liveticker) gegen Dortmund und in den darauf folgenden Wochen auftreten.

bundesliga.de: Wie haben sich die Neuverpflichtungen Jonas Hofmann und Martin Hinteregger integriert?

Eberl: Integration ist bei uns relativ leicht, weil unsere Mannschaft sehr angenehm ist und weil die Jungs, die wir holen, zur Mannschaft passen und bereit sind, sich schnell einzugliedern (zur Transferbörse). Die sportliche Integration dauert etwas länger, weil sich die Neuen zunächst daran gewöhnen müssen, wie wir agieren, welche Laufwege es gibt usw. Und die Mannschaft muss sich umgekehrt auch an die neuen Spieler gewöhnen. Auch das wird aber nicht allzu viel Zeit in Anspruch nehmen. Beide sind deutschsprachig und kennen den deutschen Fußball. Jonas aus eigener, langjähriger Erfahrung in der Bundesliga und Martin aus der Distanz durch das Fernsehen und die europäischen Wettbewerbe.

bundesliga.de: Diese Verpflichtungen scheinen bewusst mehr als nur eine Reaktion auf das Verletzungspech der Hinrunde.

Eberl: Martin kennen wir schon lange (Personalie: Hinteregger soll bei Borussia hinten dicht machen). Mehr als eine Ausleihe war aktuell zwar nicht möglich, aber wir konnten uns eine Kaufoption sichern. Mit Jonas haben wir einen langfristigen Vertrag abgeschlossen. Natürlich sollen uns diese Spieler auch kurzfristig helfen, vor allem aber haben sie eine Perspektive für einen längeren Zeitraum. Das war immer unser Plan: Dass wir nur Transfers tätigen, die langfristig Sinn machen. 

bundesliga.de: Nach dem Prinzip, junge Spieler, die bereits eine gewisse Erfahrung haben, deren Entwicklung aber noch nicht abgeschlossen ist zu verpflichten, bauen Sie seit einigen Jahren einen stetig besser werdenden Kader...

Eberl: Ja. Aber es geht uns auch darum, Spieler zu finden wie Traoré, Johnson, Stindl oder Raffael, die bereits etwas älter sind, über große Erfahrung verfügen und bei denen das Risiko auch deshalb überschaubar ist, weil man sie bereits aus der Bundesliga gut kennt. Wir brauchen diese Mischung aus jungen Spielern mit Potenzial und großer Perspektive, die wir entweder selbst entwickeln oder finden müssen, und aus erfahreneren Spielern, die die Jungen an die Hand nehmen und anleiten. Diese Spieler müssen die anderen führen, auf dem Platz und auch in der Kabine. 

bundesliga.de: Immer dann, wenn dieses Gebilde gerade rund scheint, gibt es Gerüchte um etwaige Abgänge von Leistungsträgern wie Granit Xhaka. Fühlen Sie sich bisweilen wie Sisyphos?

Eberl: Sisyphos? Ja und nein. Zwar beginnt man ein Stück weit tatsächlich immer von neuem. Aber man könnte sagen, dass der Stein, den wir den Berg hinauf wälzen müssen, durch gute Entscheidungen und Entwicklungen jedes Mal etwas kleiner geworden ist und damit leichter zu bewältigen ist. Denn durch die Abgänge können wir große finanzielle Erträge erzielen.

bundesliga.de: Bleibt trotz dieser ständigen Bewegung schon mal Muße, das Erreichte zu genießen?

Eberl: Die Bundesliga ist nicht der Wettbewerb, der es zulässt, dass man von Genuss sprechen könnte. Es geht darum von Woche zu Woche Resultate zu erzielen. Und bereits jetzt haben wir wieder Dinge für die kommende Transferperiode im Kopf. Natürlich sollte man sich hin und wieder Zeit nehmen, um auch einmal zu rekapitulieren, was man bereits geschafft hat. Viel Zeit darf das aber nicht in Anspruch nehmen.

bundesliga.de: Apropos Xhaka: Der wird zum Rückrundenauftakt wegen seiner Rotsperre nicht zur Verfügung stehen. Haben Sie ihn in der Winterpause an seine Vorbildfunktion erinnert?

Eberl: Das war nicht notwendig. Selbstverständlich haben wir nach dem Darmstadt-Spiel miteinander gesprochen und auch der Trainer hat während des Trainingslagers ein intensives Gespräch mit Granit geführt. Granit weiß, dass er sich einen Fehltritt erlaubt hat und ist bereit, sich helfen zu lassen. Aber er braucht seine Emotionalität auch ein Stück weit, sie ist eine wichtige Komponente seines Spiels. Die darf man ihm nicht völlig "wegrationalisieren". Trotzdem sollte so etwas wie gegen Darmstadt nicht zu oft passieren.

bundesliga.de:Die Paarung zum Rückrundenauftakt gegen den BVB erinnert an die schwache Phase zu Saisonbeginn, die zum Rücktritt von Lucien Favre führte. Haben Sie in der Winterpause die turbulente Hinrunde einmal Revue passieren lassen?

Eberl: Nein. Damit habe ich mich höchstens in den Jahresrückblicken, um die ich gebeten wurde, noch einmal beschäftigt. Leider mussten wir das Kapitel Lucien Favre im September beenden. Wir haben das abgehakt und uns darauf konzentriert wieder erfolgreich Fußball zu spielen.

bundesliga.de: Das ist mit begeisterndem Offensiv-Fußball gelungen. Muss man dann in Kauf nehmen, dass solche Spektakel auch schon mal zu Lasten der Defensive gehen?

Eberl: Na ja, wir sind Tabellenvierter mit 29 Punkten und haben die drittmeisten Tore erzielt...

bundesliga.de: ...zuletzt aber auch viele kassiert...

Eberl: Es stimmt, dass wir einige Treffer bekommen haben. Und es ist auch richtig, dass sich unser Spiel mehr in die Offensive verlagert hat. Letztlich geht es jetzt darum die Balance zwischen Defensive und Offensive zu finden und daran arbeitet der Trainer tagtäglich mit der Mannschaft. Uns ist sehr wohl bewusst, dass wir nicht in jedem Spiel vier, fünf Tore schießen können, um ein Spiel auch zu gewinnen. Es gibt Gründe dafür, warum gegen Ende der Hinrunde mehr Gegentore gefallen sind, etwa die nachlassenden Kräfte nach den vielen Verletzungen. Und ich möchte an die Spiele gegen Bayern München und in Manchester erinnern, wo wir großartige Leistungen geboten haben. Das waren Spiele auf einem Niveau, das wir nicht ständig abrufen können. Sonst wären wir Bayern-Jäger. Aber das sind wir noch nicht.

Übersicht: Exklusive Interviews mit den Größen der Bundesliga

Weitere Artikel

© 2016 DFL Deutsche Fußball Liga GmbH