Bundesliga

17.01.2016 - 12:52 Uhr


Mats Hummels: "Genau das richtige Teamklima für einen erfolgreichen Rückrundenstart"

Köln - BVB-Führungsspieler Mats Hummels blickt entschlossen auf den Rückrundenstart. Borussia Dortmund ist in der Bundesliga voll auf Champions-League-Kurs, hat im DFB-Pokal und der Europa-League ebenfalls noch alle Trümpfe in der Hand. Im Interview mit bundesliga.de spricht der Kapitän über die Ziele der Schwarz-Gelben, wie er mit öffentlicher Kritik an seiner Person umgeht und warum man den Bayern immer Paroli bieten sollte.

Vorschau: Borussia M'gladbach - Borussia Dortmund

bundesliga.de: Herr Hummels, das Trainingslager in Doha ist bereits beendet. Sie hatten vorher zwei Wochen frei. Wie haben Sie die frei Zeit genutzt?

Mats Hummels: Ich habe Urlaub gemacht und bisschen was mit Freunden und der Familie unternommen, um einfach den Kopf frei zu bekommen. Das hat mir richtig gut getan. Mental und physisch bin ich vollkommen erholt. Das hat auf jeden Fall Kräfte für die Rückrunde freigesetzt.

bundesliga.de: Die bisherigen Testspiele waren sehr erfolgreich, dabei war auch ein 4:1-Sieg gegen Ligakonkurrent Eintracht Frankfurt dabei. Spielen Sie lieber gegen "ebenbürtige" Gegner in der Vorbereitung, oder gegen "leichtere" Teams?

Hummels: Ich bin ein großer Freund davon, auch gegen härtere Gegner in der Vorbereitung zu spielen. Als Verteidiger bin ich da schlichtweg mehr gefordert. Leichte Testspiele, die vielleicht am Ende 15:0 ausgehen, finde ich nicht so prall. Wenn Sie jetzt unsere Offensivabteilung fragen, werden die Ihnen natürlich genau das Gegenteil sagen (lacht). Man muss Testspiele im Großen und Ganzen nicht überbewerten. Der klare Sieg gegen Frankfurt war natürlich gut, aber keine Standortbestimmung oder ähnliches.

bundesliga.de: Wie groß ist die Gier auf den Rückrundenstart in der Mannschaft?

Hummels: Die Stimmung im Team ist wirklich hervorragend. Alle sind frisch auf dem Platz, auch mit der nötigen Aggressivität, ohne dabei im Training überhart in die Zweikämpfe zu gehen. Jeder will sich aufdrängen. Es ist im Moment genau das richtige Teamklima, was wir für einen erfolgreichen Rückrundenstart brauchen.

bundesliga.de: Sie sprechen es an: Der BVB tanzt im Jahr 2016 noch auf drei Hochzeiten. Mit welchen Zielen gehen Sie und ihr Team in die Rückrunde?

Hummels: Natürlich ist primär erstmal das Ziel, auch bei allen drei Hochzeiten so lange wie es geht eine gute Rolle zu spielen. Wir haben im DFB-Pokal und Europa League zwei schwere Lose erwischt. Es sind sehr schwere, aber gleichzeitig auch sehr schöne Aufgaben. Denn wenn man die erfolgreich löst, dann kann man auch zufrieden zurückblicken. Was die Bundesliga angeht: Dort wollen wir um jeden Preis den zweiten Platz verteidigen und den Abstand auf die hinteren Plätze weiter ausbauen (Wo landet der BVB am Ende der Saison? Zum Tabellenrechner geht's hier).

bundesliga.de: Wie sieht es mit Ihren persönlichen Zielen aus?

Hummels: Ich möchte grundsätzlich mein allgemeines Leistungsniveau halten und genauso spielen wie in der Hinrunde (Top11: Hummels in der Innenverteidigung gesetzt). Die zwei, drei Fehler, die direkt zu Gegentoren geführt haben muss ich natürlich in Zukunft abstellen. Darauf kann ich gut und gerne verzichten. Das muss als Verteidiger einfach das Ziel sein. Auch wenn das ein Stück einfach dazu gehört, sonst würde ja jedes Spiel 0:0 enden. Als Verteidiger ist man meistens einfach das letzte Glied in einer Fehlerkette. Fehler werden gerne bei mir oder bei uns gesucht, natürlich sind sie manchmal auch da.

bundesliga.de: In diesem Zusammenhang kam in der Hinrunde zwischenzeitlich auch öffentliche Kritik an Ihrer Person auf. Wie gehen Sie allgemein damit um?

Hummels: Wenn ich eine schlechte Leistung gebracht habe, regt das in erster Linie mich am meisten auf. Wenn das augenscheinlich nicht der Fall ist und mir Fehler angedichtet werden, dann ist das weniger dramatisch. Denn für mich steht in erster Linie der Erfolg der Mannschaft im Vordergrund, und dass ich meinen Teil dazubeitrage. Das ist immer wieder das Hauptziel. Trotzdem werden mich eigene schlechte Leistungen ein Leben lang den Abend danach immer wieder wurmen. Das kann und will ich nicht abstellen.

bundesliga.de: Gibt es konkrete Maßnahmen, wie Sie schwere Fehler in einem Spiel danach verarbeiten?

Hummels: Das ist unterschiedlich. Manchmal setzte ich mich an die PlayStation und lenke mich damit ab. Wenn wir eine lange Auswärtsfahrt haben, lassen sich solchen Sachen auf dem Rückweg auch bei einer Runde Karten gut verdauen. Allgemein gibt es aber nicht ein bestimmtes Mittel, womit ich mein Kopf wieder frei kriege.

bundesliga.de: Der BVB hat in dieser Saison wieder Chancen auf Titel. Sie persönlich haben national alles schon gewonnen, auch international. Wie motivieren Sie sich?

Hummels: Die Frage stellt sich für mich gar nicht. Ich merke das vor allem im Training: Schon dort verspüre immer große Lust aufs Gewinnen. Ich war noch nie an dem Punkt, um zu überlegen, was mich auf dem Platz nach vorne bringen würde und womit ich mich pushen müsste. Diesen Zustand kenne ich einfach nicht.

bundesliga.de: Sie sind bekannt dafür, dass Sie sich stets an den Besten der Zunft orientieren. Wenn wir das auf Mannschaft beziehen: Heißt das, dass Sie national zum FC Bayern München aufschauen?

Hummels: Die Bayern sind grundsätzlich immer ein gutes Beispiel bzw. ein Vorbild, an dem man sich orientieren kann - ohne jetzt explizit die aktuelle Saison mit einzubeziehen. Sie spielen seit 2012 auf einem ungemeinen hohen Niveau, das ist aktuell sehr konstant. Meiner Meinung nach, gehören sie mit dem FC Barcelona und Real Madrid zu den drei besten Teams der Welt. Man muss dem einfach Respekt zollen. Nichtsdestotrotz heißt das nicht, dass man im gleichen Zug vor Ehrfurcht erstarrt. Im direkten Duell über 90 Minuten sollte die Devise sein, das man voll dagegen hält und den Bayern zu verstehen gibt, dass auch sie zu schlagen sind.

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